Immobilienfonds: Anbieter erwarten sinkende Renditen

Martin Thaler Investmentfonds

Die Corona-Krise trübt die Aussichten der Fondsgesellschaften ein - auch in Bezug auf Nettomittelzuflüsse sowie Renditen. Dennoch sind weitere Produkte geplant.

Viele Einzelhandelsgeschäfte werden aufgrund der Corona-Krise ihre Mieten nachzuverhandeln versuchen. Das wird auch Auswirkungen auf die Fondsrendite haben.

Viele Einzelhandelsgeschäfte werden aufgrund der Corona-Krise ihre Mieten nachzuverhandeln versuchen. Das wird auch Auswirkungen auf die Fondsrendite haben. Bild: Adobe Stock/ DR pics

Auch wenn die offenen Immobilienfonds in Deutschland derzeit noch sehr gut dastehen, trüben sich die Erwartungen der Fondsgesellschaften angesichts der derzeitigen Corona-Krise ein. Dies zeigt eine Umfrage der Ratingagentur Scope unter 24 Anbietern.  

Zwar bewerteten zwei Drittel der befragten Anbieter ihre derzeitige Lage als „gut“, kein Unternehmen bewertete sie jedoch mit „sehr gut“. Im Vorjahr war die allgemeine Stimmung unter den Anbietern noch wesentlich positiver: 40 Prozent bewerteten die Lage damals als „sehr gut“, weitere 40 Prozent immerhin noch mit „gut“. Da die Umfrage von März bis Mai durchgeführt wurde, sind die Eindrücke der Corona-Pandemie bereits einbezogen.  

Ein Großteil der befragten Anbieter geht davon aus, dass die deutlichen Netto-Mittelzuflüsse der Vergangenheit in diesem Jahr deutlich zurückgehen werden. Rechneten im vergangenen Jahr noch 60 Prozent der Fondsgesellschaften mit weiter steigenden Netto-Mittelzuflüssen, sind es in diesem Jahr nur noch 17 Prozent. Ein Unternehmen rechnet sogar mit Mittelabflüssen.  

Im vergangenen Jahr hatten sich die Fonds vor Anlegergeld teilweise kaum retten können: Über zehn Milliarden betrugen die Nettomittelzuflüsse im vergangenen Jahr. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres investierten die Anleger – im Gegensatz zu anderen Assetklassen – weiter in Immobilienfonds, die Kunden zuletzt verlässliche Renditen von rund drei Prozent verschafften. Für das vergangene Jahr ermittelte Scope für die bewerteten offenen Immobilienpublikumsfonds eine durchschnittliche Rendite von 3,1 Prozent.

Sinkende Renditen erwartet

Dieser Wert dürfte in diesem Jahr nicht zu halten sein, sind die Fondsgesellschaften überzeugt. Für 2020 erwarten zwei Drittel der Befragten Performance-Werte in einem Korridor von 2,0 bis 2,5 Prozent. Auch die Scope-Analysten prognostizieren sinkende Fondsrenditen, sehen hier aber durchschnittlich einen Korridor zwischen 1,5 bis 2,0 Prozent.  

Grund hierfür sind mögliche Nachverhandlungen mit den Mietern. Insbesondere der stationäre Einzelhandel ist stark durch die derzeitige Covid-19-Pandemie betroffen und bestrebt, Mietpreissenkungen durchzusetzen. Dies habe Auswirkungen auf die Einnahmen der Fonds sowie langfristig auch auf die Bewertung der Objekte. Zudem gehen die Fondsgesellschaften auch von sinkenden Vermietungsquoten aus.  

Nichtsdestotrotz planen einige Anbieter, in der nahen Zukunft weitere Fonds aufzulegen. Ein Viertel der befragten Anbieter gab an, in den kommenden drei Jahren weitere Fonds aufzulegen. Zuletzt hatte die BNP Paribas Gruppe einen neuen Fonds („BNP Paribas MacStone“) für den deutschen Markt aufgelegt.  

Vor allem Wohnimmobilien rücken immer mehr ins Interesse der Fondsgesellschaften – die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf den Markt für Büro- und Einzelhandelsimmobilien dürfte diesen Trend in Zukunft weiter verstärken.

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