Heilnebenberufe: Welchen Versicherungsschutz brauchen Yogalehrer?

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen Top News

Die Zahl der nebenberuflichen Yoga- und Pilateslehrer wächst seit Jahren stetig. Für Makler können sie in puncto Rundumschutz eine interessante Zielgruppe sein.

In Deutschland gibt es rund 90.000 nebenberufliche Yogalehrer.

In Deutschland gibt es rund 90.000 nebenberufliche Yogalehrer. Bild: Adobe Stock/luckybusiness

Yoga boomt: Im Jahr 2019 praktizierten deutschlandweit laut Statistischem Bundesamt knapp drei Millionen Menschen das auf einer indischen Philosophie basierende Übungssystem regelmäßig. Von den rund 100.000 Yogalehrern hierzulande sind dabei fast 90 Prozent nebenberuflich als solche tätig.

Bei vielen der Trainer bestehen Unsicherheiten, wie sie sich am besten absichern sollten. Versicherungsmakler Alexander Kopf hat sich auf die Beratung von Heilnebenberuflern spezialisiert und procontra Antworten zum Thema gegeben.

procontra: Herr Kopf, die Zahl der Yogalehrer ist in Deutschland in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Erleben Sie eine erhöhte Nachfrage in diesem Bereich?

Alexander Kopf: Yogalehrer gehören bereits seit vielen Jahren zu unserer Zielgruppe und nicht erst seitdem es einen Hype um das Thema gibt. Von daher ist die Nachfrage speziell bei uns nicht merklich angezogen.

procontra: Haben die Versicherungen mit spezifischen Angeboten reagiert?

Kopf: Einige Versicherer hatten bereits spezielle Tarife für Heilnebenberufe im Angebot, es gibt auch Anbieter, die erst kürzlich auf den Yogalehrer-Zug aufgesprungen sind. Man darf das aber nicht zu hoch bewerten, weil die Tarife selbst sich häufig nicht explizit dadurch geändert haben. Einzig das Marketing hat sich gewandelt, weil man diese Zielgruppe nun aktiv anspricht. Oft ist es so, dass Yogalehrer, Pilates-Trainer und andere auf dem Papier den identischen Tarif haben und sich lediglich in der Tätigkeitsbeschreibung unterscheiden. Das ist aus unserer Sicht nicht verwerflich, wenn der Tarif passt, weil die Schäden sich oft ähneln oder gleich sind. Und diese betreffen nicht immer nur die sportliche Praxis selbst. Gerade Yogalehrer, die ihre Kurse in fremden Studios geben, laufen beispielsweise schnell Gefahr, fremde Schlüssel zu verlieren. Muss deshalb die komplette Schließanlage eines Fitnessstudios ausgetauscht werden, kann das schnell teuer werden.

procontra: Was sind die häufigsten Fragen, die Heilnebenberufler im ersten Beratungsgespräch an Sie richten?

Kopf: Die vielleicht häufigste Frage ist – wer hätte es gedacht – was eine Versicherung für Yogalehrer kostet. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass die Haftpflichtversicherung auch Schäden übernimmt, die am eigenen Inventar passieren. Dafür ist aber eine Praxis-Inventarversicherung nötig. Manche tun sich auch schwer mit der Unterscheidung von Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung. Vereinfacht gesagt: Die Berufshaftpflicht dient dem finanziellen Schutz der Trainer, wenn ihre Kursteilnehmer sie wegen eines Schadens zur Rechenschaft ziehen möchten. So bezahlt der Berufshaftpflichtversicherer im Schadenfall nicht nur den Schadenersatz, sondern auch die dafür nötigen gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten, um diesen abzuwehren. Diese Funktion nennt man passiver Rechtsschutz. Die "echte" Rechtsschutzversicherung hingegen unterstützt sie, wenn sie aktiv ihr Recht einfordern möchten, weil ihnen zum Beispiel durch die Schuld einer dritten Person ein Schaden entstanden ist. Die Berufshaftpflicht und die Rechtsschutzversicherung ergänzen sich also, ersetzen sich aber nicht.

procontra: Macht es für den Versicherungsschutz einen Unterschied, ob die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird?

Kopf: Es gibt Versicherer, die für eine nebenberufliche Tätigkeit einen speziellen Nachlass anbieten. Dieser gilt aber oft nur für eine gewisse Zeit und die Kosten steigen danach möglicherweise erheblich an. Deshalb ist es nicht immer zu empfehlen, den vermeintlich billigsten Tarif zu wählen. Stattdessen gilt es zu prüfen, welche Versicherung dauerhaft ein faires Preis-Leistungsverhältnis anbietet und am besten zum Kunden passt.

procontra: Welche Versicherungen sind für Yogalehrer unverzichtbar?

Kopf: Unverzichtbar ist auf jeden Fall die Berufshaftpflichtversicherung. Dabei sollte die Deckungssumme nicht unter drei Millionen Euro liegen. Da es preislich oft nur einen geringen Unterschied macht, ist eine Erhöhung auf fünf bis zehn Euro eine Überlegung wert. Wer ein eigenes Studio betreibt, sollte sich zudem unbedingt auch Gedanken über eine Inventarversicherung machen.  Hauptberuflich als Yogalehrer tätige Personen sind dann natürlich auch beim Thema Absicherung der eigenen Arbeitskraft richtig angesiedelt, dazu zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung.

procontra: Mit welchen Kosten für den Versicherungsschutz sollten Yogaleghrer insgesamt rechnen?

Kopf: Die Berufshaftpflicht für Yogalehrer ist schon für rund 80 Euro im Jahr zu bekommen. Es hängt davon ab, wie genau man sein Yogastudio betreibt. Für eine Inventarversicherung kämen noch einmal rund 60 Euro pro Jahr hinzu, je nach Versicherungsumfang aber auch mehr. Die Kosten für eine Absicherung sind also überschaubar, wenn man mal bedenkt, welche Schadensummen auf einen zukommen können. Die Rechtsschutzversicherung hingegen ist merklich teurer. Für eine Basisabsicherung sollten Sie mit mindestens 150 Euro Jahresbeitrag rechnen. Wer etwas Leistung möchte, kommt schnell auf Summen von über 300 Euro im Jahr.

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