Hausrat: Deutsche lagern in ihren Kellern Schätze – ohne diese abzusichern

Anne Hünninghaus Versicherungen Berater

In Kellern lagern nicht nur Weinflaschen und alte Klamotten – Haustechnik und Elektrogeräte lassen die Inventarwerte oft in den fünfstelligen Bereich steigen. Laut einer Umfrage sind ihre Besitzer allerdings in puncto Versicherungsschutz erstaunlich unbekümmert.

Mehr als ausrangierte Klamotten: In deutschen Kellern lagern laut einer Umfrage Schätze von durchschnittlich 15.400 Euro.

Mehr als ausrangierte Klamotten: In deutschen Kellern lagern laut einer Umfrage Schätze von durchschnittlich 15.400 Euro. Bild: Adobe Stock/Robert Kneschke

Heftiger Starkregen hat in Süddeutschland am Wochenende den Sommer unterbrochen. Schon in der Woche zuvor hatte ein Sturmtief dafür gesorgt, dass Bäume entwurzelt und Keller überflutet wurden. Für Hausbesitzer kann ein vollgelaufenes Souterrain teurer werden, als es ihnen bewusst ist. Eine aktuelle Studie von Infas-quo im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat ergeben, dass in deutschen Kellern Werte von durchschnittlich 15.400 Euro lagern. Dafür wurden 1.000 Besitzer von Ein- oder Zweifamilienhäusern befragt. Mit rund 9.700 Euro ist vor allem die dort befindliche Haustechnik kostspielig. Die restlichen 5.700 Euro setzen sich aus Elektrogeräten, technischen Geräte und sonstigen Dingen zusammen.

Dass diese Schätze abgesichert werden sollten, scheint den meisten allerdings nicht bewusst zu sein. Danach gefragt, für wie hoch sie die Gefahr einer Überschwemmung einschätzen, antwortete eine Mehrheit von 73 Prozent der Befragten mit „gering" oder „sehr gering“. Vielen Hausbesitzern ist offenbar nicht klar, dass die Hausratsversicherung nicht leistet, wenn Regen und Hochwasser den Keller fluten. Dazu ist die erweiterte Naturgefahrenversicherung bzw. Elementarschadenversicherung vonnöten. Über diese verfügen allerdings nur rund ein Viertel der Haushalte, so der GDV.

Elementargefahren nur selten abgesichert

Das ist auch deshalb problematisch, da Starkregen hierzulande immer häufiger für Schäden sorgt. Gegen Sturm und Hagel sind die meisten deutschen Haushalte mit einer Wohngebäudepolice abgesichert. Indes verzichten deutschlandweit knapp zehn Millionen Hausbesitzer auf einen zusätzlichen Schutz vor Elementargefahren wie Starkregen oder Hochwasser. Ausgerechnet in Bayern und Niedersachsen, die in den vergangenen Jahren zu den am stärksten betroffenen Ländern gehörten, ist die Zahl der Versicherten mit 36 bzw. 25 Prozent weit unterdurchschnittlich.

Das kann teuer werden. Zwar nutzen 85 Prozent derjenigen, die über einen Keller verfügen, diesen hauptsächlich als Lagerraum. Bewohnt – und somit mit hochwertigem Mobiliar ausgestattet – sind Kellerräume nur selten. Vor allem aber die dort untergebrachte Haustechnik wie Heizungsanlage, Elektroinstallationen, Gastherme oder Öltank sollte unbedingt geschützt werden. Zudem befinden sich in neun von zehn Kellern Elektrogeräte wie Waschmaschinen und Tiefkühltruhen. In über 80 Prozent der Keller befinden sich verschiedenste kleine technische Geräte, vor allem Handwerksutensilien wie Bohrmaschinen, Akkuschrauber, Säge oder Rasenmäher. Ähnlich häufig werden dort Spirituosen, ausrangierte Möbel und alte Kleidung aufbewahrt.

Diese Bundesländer zahlen Soforthilfen nur noch in Härtefällen

Die Zahl der Policen in der privaten Elementarschadenversicherung ist in den vergangenen Jahren insgesamt allerdings gestiegen: 2018 verfügten rund 43 Prozent aller Hausbesitzer über einen entsprechenden Vertrag. Zum Vergleich: 2016 lag der Anteil der Versicherten noch bei lediglich 37 Prozent.

Zu einer weiteren Verbreitung der Elementarversicherung dürfte künftig auch die Entscheidungen einiger Bundesländer beitragen, nach Flutereignissen staatliche Soforthilfen nur noch an die Immobilienbesitzer auszuzahlen, die sich zuvor erfolglos um Versicherungsschutz bemüht haben. Bundesländer wie Bayern, Sachsen und Nordhrein-Westfalen zahlen darum nur noch in Härtefällen - stattdessen ist Eigeninitiative der Hausbesitzer gefragt.

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