Grundfähigkeitsversicherung: Warum der Qualitätsvergleich schwierig ist

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Es sind einige neue Angebote zur Grundfähigkeitsversicherung auf dem Markt. Der Vergleich ist wegen immer neuer Leistungsauslöser schwierig. Ein Analysehaus hat sich daher bei seinem Rating auf den Kern beschränkt. Wie die neuen Angebote abschneiden.

Philip Wenzel

Gut ist, wenn die Leistungsauslöser bei der GFV nicht abschließend aufgezählt werden“, findet Biometrie-Experte Philip Wenzel vom Makler BSC Neutrale Allfinanz-Vermittlung. Bild: Doris Köhler

Wer seine Arbeitskraft bereits abgesichert hat, greift am häufigsten zur klassischen BU-Versicherung (73 Prozent), ergab kürzlich eine Forsa-Umfrage (procontra berichtete). Darauf folgen eine private Unfallversicherung (60 Prozent), die Krankenzusatzversicherung (32 Prozent) und die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (17 Prozent). Die wenigsten (1 Prozent) haben dazu eine Grundfähigkeitsversicherung (GFV) gewählt.

In den letzten zwei bis drei Jahren ist das GFV-Angebot auf dem deutschen Markt deutlich angewachsen. Dies ist sicher auch eine Antwort darauf, dass eine BU-Versicherung vor allem für überwiegend körperlich tätige Menschen sehr teuer sein kann oder aufgrund von Vorerkrankungen nur schwer in vollem Umfang zu bekommen ist.

Obwohl bisher lediglich rund 25 Gesellschaften eine GFV anbieten, ist die Produktlandschaft schon unübersichtlich. Dies liegt vor allem daran, dass sich bei den Leistungsauslösern noch keine einheitlichen Regelungen durchgesetzt haben, was sowohl die Bewertung der Qualität von Produkten schwierig macht als auch den Vergleich verschiedener Angebote. 

Warum der Qualitätsvergleich schwierig ist

Das Infinma Institut für Finanz-Markt-Analyse hat kürzlich alle verwendeten Leistungsauslöser analysiert. Ernüchterndes Ergebnis: Ein Qualitätsvergleich der Definitionen der versicherten Grundfähigkeiten sei nahezu unmöglich. Am Beispiel des „Handgebrauchs“ werde deutlich, dass viele Versicherer das anders definieren. Aus Kundensicht ist es am günstigsten, wenn nur eine Hand in Mitleidenschaft gezogen sein muss, ehe der Versicherer zahlt. Allein bei dieser Variante („rechte oder linke Hand“) gebe es aber 28 verschiedene Formulierungen, also mitunter mehrere Differenzierungsmerkmale bei ein und demselben Anbieter.

Erschwerend hinzu kommt noch die Frage nach der Gewichtung der jeweiligen Grundfähigkeit. Ist eine besonders kundenfreundliche Regelung beim „Handgebrauch“ wichtiger als beim „Sehen“ oder beim „Gehen“? „Auch wenn einige Analysehäuser bereits die zunehmende Anzahl von Leistungsauslösern und Definitionen der Grundfähigkeiten kritisiert haben, so ist aus Kundensicht eine möglichst große Anzahl an versicherten Grundfähigkeiten grundsätzlich vorteilhaft“, konstatiert Infinma. Das gleiche gelte auch für die Anzahl der aufgeführten Beispiele je versicherter Grundfähigkeit. Zumindest sollte es sich aber stets um offene und nicht um abschließende Aufzählungen handeln. Die Probleme der Bewertung werden an drei neuen Angeboten deutlich.

Seite 1: Warum der Vergleich der Angebote schwierig ist
Seite 2: Wie die neuen Angebote im Rating abschneiden
 

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare