Fondspolicen: Worauf es bei der Beitragsfreistellung ankommt

Florian Burghardt Vorsorgekonzepte Berater Top News

Vermittler und Versicherer zeigen gerne Alternativen zur Beitragsfreistellung auf. Doch manchmal muss es eben sein. Speziell bei fondsgebundenen Lebensversicherungen muss dann aber eine kursabhängige Besonderheit berücksichtigt werden.

Bei der Beitragsfreistellung von fondsgebundenen Lebensversicherungen spielen auch die Werte der Fondsanteile eine Rolle.

Bei der Beitragsfreistellung von fondsgebundenen Lebensversicherungen spielen auch die Werte der Fondsanteile eine Rolle. Bild: Pixabay

Eigentlich spricht vieles gegen die Beitragsfreistellung von Lebensversicherungen. Nicht zuletzt natürlich, weil dadurch ein eventuell vorhandener Todesfallschutz außer Kraft gesetzt werden kann. Zudem sind bei privaten Rentenversicherungen – egal ob mit fondsgebundener oder klassischer Kapitalanlage – Laufzeit und Beitragssumme normalerweise auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden ausgelegt. Sie sollen zu einem bestimmten Zeitpunkt in seinem Leben einen bestimmten Kapitalbedarf decken, häufig die Rentenlücke beim Eintritt in den Ruhestand. Beitragsfreie Zeiten verändern aber die Versicherungssumme und greifen damit merklich in die komplexe Berechnung des Vertrages ein.

In Ausnahmefällen kann eine Beitragsfreistellung aber notwendig erscheinen. Beispielsweise jetzt, in der Corona-Krise, wenn Kurzarbeit und weggebrochene Aufträge das monatliche Einkommen reduziert haben. Allerdings haben schon mehrere Lebensversicherer auf die momentane Ausnahmesituation reagiert und ihren Kunden vielfältige Alternativen zu nachhaltigen Vertragseingriffen wie Beitragsfreistellung oder sogar Kündigung zur Verfügung gestellt.

Falls dennoch einmal eine Beitragsfreistellung erfolgen soll, ist dies grundsätzlich zum Ende der laufenden Versicherungsperiode möglich. Allerdings muss dabei beachtet werden, welche vertraglich vereinbarten Fristen dafür gelten. Hier liegt die Gestaltungsfreiheit beim Versicherer. Die Willenserklärung zur Beitragsfreistellung muss häufig drei oder einen Monat(e) vor dem Hauptfälligkeitsdatum erfolgen. Teilweise kann der Wunsch des Kunden aber auch fristlos umgesetzt werden. In jedem Fall lohnt sich vorher ein Austausch zum Sachverhalt mit dem betreuenden Makler.

Achtung bei schwankenden Fondsanteilswerten

Doch auch, wenn die vertraglichen Fristen eingehalten werden, kann es sein, dass der Versicherer dem Wunsch auf Beitragsfreistellung seines Kunden nicht nachkommen kann. Denn um die fortlaufende Prämienzahlung einzustellen, muss laut § 165 VVG die vertraglich vereinbarte Mindestversicherungsleistung erreicht sein. Hat der Versicherer hierfür beispielsweise 1.200 Euro angesetzt, der Vertragswert (gemeint ist nicht der Rückkaufswert) beträgt aber nur 800 Euro, so ist die Beitragsfreistellung nicht möglich.

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen kann zudem noch ein Sondereffekt dazukommen, der in der Natur der Fondsanlage steckt. Bei solchen Verträgen ist der Vertragswert logischerweise abhängig vom aktuellen Wert der Fondsanteile. Das heißt, auch wenn die vertraglich vereinbarte Mindestversicherungsleistung bereits einmal erreicht wurde, kann sie in ungünstigen Börsenzeiten wieder unter diesen Wert fallen. Die Beitragsfreistellung ist dann nicht mehr möglich, bis der Vertragswert wieder steigt. Doch auch in solchen Fällen ist das Beratungsgespräch mit dem Makler ein guter Einstieg, um Klarheit zu schaffen. Schließlich weiß er gut über die aktuellen Optionen Bescheid, kann eventuelle Kulanzmöglichkeiten mit dem Versicherer ausloten und dem Kunden gegebenenfalls Alternativen aufzeigen.