Dürreversicherung: Für mehr Verträge braucht es staatliche Hilfe

Florian Burghardt Berater

Vermehrte Ernteausfälle aufgrund von Dürre sind auch in diesem Jahr wahrscheinlich. Zwar wurde kürzlich die Versicherungssteuer für diese Gefahr deutlich gesenkt. Doch offenbar braucht es noch weitere Hilfen, um endlich mehr Policen an die Landwirte zu bringen.

Welche staatlichen Hilfen braucht es, um endlich die Verbreitung der Dürreversicherung unter Landworten voranzutreiben?

Welche staatlichen Hilfen braucht es, um endlich die Verbreitung der Dürreversicherung unter Landwirten voranzutreiben? Bild: Pixabay

Während der Corona-Pandemie rücken Themen wie der Klimawandel und zunehmende Extremwetterlagen in den öffentlichen Hintergrund. Dadurch sind ihre Auswirkungen aber natürlich in keiner Weise abgeschwächt. Beispielsweise erwarten Meteorologen auch in diesem Jahr einen Sommer mit unterdurchschnittlich viel Niederschlag.

Für die Landwirte in Deutschland könnte das erneut ein Jahr mit signifikanten Ernteausfällen bedeuten. Vor allem der Sommer 2018 hatte ihnen heftig zugesetzt, im vergangenen Jahr wurde es dann nur geringfügig besser. In solchen Phasen wird stets auf die immer noch sehr geringe Verbreitung von Versicherungen gegen Dürreschäden hingewiesen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verweist auf Schätzungen, wonach nur etwa 0,5 Prozent der bundesweiten Ackerfläche gegen Dürre versichert ist.

Preislich attraktiv genug?

Eigentlich wurde im Frühjahr ein ordentlicher Anschub für die Verbreitung von Dürreschutz geschaffen: Die Bundesregierung hatte beschlossen, die Versicherungsteuer für die Elementargefahr Dürre von 19 auf 0,03 Prozent herabzusetzen (rückwirkend ab 01. Januar 2020) und sie damit den Elementargefahren Hagelschlag, Sturm, Starkfrost, Starkregen und Überschwemmung gleichzustellen.

Aber gibt es seitdem mehr Vertragsabschlüsse in dieser Sparte? Auf diese Frage konnten sowohl der GDV als auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die den Beschluss maßgeblich vorangetrieben hatte, nicht mit Zahlen beantworten. „Dies ist ein aktueller und wichtiger Baustein, damit Landwirtinnen und Landwirte sich besser vor Dürre und Trockenheit schützen können“, heißt es dazu auf procontra-Nachfrage aus der Arbeitsgemeinschaft „Ernährung und Landwirtschaft“ der Unionsfraktion.

Auch aus Sicht des GDV sei die Steuersenkung ein erster Schritt zur Entlastung. „Gleichwohl bleibt fraglich, ob dies tatsächlich zu den erforderlichen Ersparnissen führt, um die Landwirtschaftliche Mehrgefahrenversicherung und eine Dürreversicherung preislich attraktiver werden zu lassen für Landwirte“, erklärte eine Sprecherin des Gesamtverbandes. Sie verwies zudem auf staatlich subventionierte Mehrgefahrenversicherungen in anderen europäischen Ländern, die Vertragsabschlüsse für Landwirte tatsächlich attraktiver machen würden.

Regionale Maßnahmen beachten

Offenbar sehen Politik und Versicherungsbranche noch weitere staatliche Eingriffe als notwendig an, um die Verbreitung von Dürreversicherungen voranzubringen. Für Makler wären das weitere Argumente mit denen sie ihren Kunden aus der Landwirtschaft den wichtigen Schutz auch preislich attraktiver machen könnten. Doch ob mit weiteren bundesweiten Maßnahmen zu rechnen ist, ist fraglich. Bei der CDU/CSU-Arbeitsgemeinschaft rechnet man in Deutschland mit unterschiedlichen Wetterauswirkungen, auf die man regional vor Ort und auch abhängig von den angebauten Kulturen eingehen müsse. Auch beim GDV spricht man in Sachen Dürre von einem Kumulrisiko in bestimmten Regionen.

Vermittler sollten deshalb die unterschiedlichen regionalen Maßnahmen auf dem Schirm behalten, die für ihre Kunden eventuell in Frage kommen. In Baden-Württemberg läuft beispielsweise aktuell ein Pilotprojekt zum Schutz von Obst- und Weinanbaubetrieben vor Starkfrost, Sturm und Starkregen. Das Land bezuschusst dabei die jährliche Versicherungsprämie mit bis zu 50 Prozent. Gut denkbar, dass die Förderung zukünftig auch auf weitere versicherbare Gefahren und Betriebe ausgeweitet wird. Entsprechend will man dafür aber an Landeshilfen reduzieren. Über ein ähnliches Modell wird auch in Bayern nachgedacht.