„Die Deutschen sparen viel, aber falsch“

Stefan Terliesner Berater Top News

 

„Die Etablierung einer säulenübergreifenden Renteninformation ist überfällig“

procontra: 2018 gab es nur rund 2,2 Millionen Basisrentenverträge bei etwa 4 Millionen Selbstständigen. Wie ist die daraus resultierende Abdeckung von 55 Prozent nun zu bewerten?

Rürup: Die Anzahl von 2,2 Millionen Verträgen ist nicht schlecht aber noch ein Stück weit steigerungsfähig. Denn das Angebot der Basisrente zielt zwar primär auf Selbstständige, steht grundsätzlich aber allen Menschen im Erwerbsalter offen – unabhängig von der Art ihrer Erwerbstätigkeit. Damit ist die Basisrente ein sehr zeitgemäßes Konzept.

procontra: Gleichwohl ist die Kritik an der Basisrente nie abgerissen. Sie gilt als zu unflexibel und renditeschwach. Was sagen Sie dazu?

Rürup: Die weitgehend aus steuerfreien Beiträgen erworbenen Ansprüche an eine Basisrente sind genau wie die Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung oder an die berufsständischen Versorgungswerke. Sie sind nicht übertragbar, nicht veräußerbar, nicht beleihbar, nicht vererbbar, nicht kapitalisierbar und pfändungssicher. Wem diese Auflagen zu rigide sind, der muss ja keine Basisrente abschließen. Aber ich sehe keinen Grund dafür, dass diejenigen die seit 2005 freiwillig über die Basisrente steuerbegünstigt vorsorgen können, anders behandelt werden sollen als die Erwerbstätigen, die per Gesetz zur Vorsorge in einem anderen Rentensystem verpflichtet sind.

procontra: Viele Selbstständige sind von Altersarmut bedroht. Sollte es für sie – wie vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geplant – eine Versicherungspflicht geben?

Rürup: Ich wäre nach dem Vorbild der Handwerkerversicherung für eine zumindest temporäre obligatorische Versicherung aller Selbstständigen in der gesetzlichen Rentenversicherung – sofern sie nicht älter als 50 Jahre sind oder den Nachweis einer anderweitigen Vorsorge für ihr Alter erbringen können. Die Bildung von dis-poniblem Vermögen ist allerdings kein Ersatz für Ansprüche auf ein lebenslanges Alterseinkommen.

procontra: Wo sehen Sie sonst noch Verbesserungsbedarf für das System der Altersvorsorge?

Rürup: Bei der überfälligen Etablierung einer für alle Altersrenten umfassenden Renteninformation. Ziel muss es sein, Klarheit über erwartbare Alterseinkünfte schaffen, um Attraktivität der privaten und betrieblichen Altersvorsorge zu stärken. Dazu müssen alle Ansprüche, unabhängig von der Säule, in der sie erworben wurden, transparent in einer Dokumentation gebündelt werden.

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„Rürup-Rente“ ein zeitgemäßes Produkt ist

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