„Die Deutschen sparen viel, aber falsch“

Stefan Terliesner Berater Top News

 

„Der Staat sollte Optionen anbieten, aber nicht für spezielle Sparformen werben“

 

procontra: Was bedeutet das mit Blick auf den Lebensstandard?

Rürup: Die Aversion gegenüber Aktien hat zur Folge, dass das durchschnittliche Geldvermögen der deutschen Haushalte oft nicht einmal die Hälfte des Vermögens ausmacht, über das die Durchschnittshaushalte in ähnlich wohlhabenden Ländern verfügen. Kurzum, die Deutschen sparen viel, aber zumeist falsch. Gerade in der gegenwärtigen und wohl noch einige Zeit andauernden Niedrigzinsphase verzichten sie damit auf langfristige Renditemöglichkeiten – ungeachtet der unregelmäßigen Crashs an den Aktienmärkten. Diesen Crashs kann und sollte man gerade beim Altersvorsorgesparen, das ja auf ein lebenslanges sicheres Alterseinkommen abzielt, mit Lifecycle-Modellen in der Ansparphase begegnen.

procontra: Hätte der Gesetzgeber sich bei seinen Reformen der kapitalgedeckten Altersvorsorge mehr für Aktien ins Zeug legen müssen?

Rürup: Zumindest an Reformeifer hat es damals nicht gefehlt. Mit dem Altersvermögensgesetz 2002 wurde die Riester-Rente eingeführt, die es ja auch in der Fonds-Variante mit einem mehr oder weniger großen Aktienanteil gibt. Daneben existieren weitere aktienbasierte Altersvorsorgeprodukte, die staatlich gefördert werden, aber nicht sonderlich verbreitet sind. Der Staat sollte Optionen anbieten, aber nicht für spezielle Sparformen werben.

Aktuell muss sich die Politik allerdings schon fragen lassen, ob es wirklich klug ist, wenn über die geplante Finanztransaktionssteuer gerade das Aktiensparen von Kleinsparern diskriminiert wird und eine Art Subventionsprogramm für ausländische Börsenplätze auf den Weg gebracht wird.

procontra: Die Einführung der Basis- beziehungsweise Rürup-Rente haben Sie bisher gar nicht erwähnt. Hat das einen Grund?

Rürup: Die Basisrente hat nichts mit den Rentenreformen in den vergangenen 20 Jahren zu tun und ist auch nicht für alle Erwerbstätigen gleichermaßen interessant. Diese auf eine Vollversorgung angelegte Rente war mit dem Umstieg zur nachgelagerten Rentenbesteuerung zwingend erforderlich. Nicht zuletzt, um auch den nicht über die berufsständischen Versorgungswerke abgesicherten Selbständigen eine Möglichkeit zu eröffnen, steuerbegünstigt Altersvorsorge betreiben zu können.

procontra: Wie läuft das in der Praxis ab?

Rürup: Die Basisrente ist vor allem für Selbständige mit einem stark schwankenden Einkommen interessant, da die Einzahlungen in einen solchen Rentenvertrag das steuerpflichtige Einkommen verringern. Da man nicht gezwungen ist, jedes Jahr den gleichen Betrag zurückzulegen, kann man seine Steuerbelastung glätten, wenn man in Jahren mit einem geringeren Einkommen weniger und in Jahren mit einem hohen steuerpflichtigen Einkommen viel in dieses System einzahlt. So sind derzeit 90 Prozent des aktuellen Höchstbetrags von 25.046 Euro für Singles oder 50.092 Euro für Verheiratete steuerlich absetzbar. Auf diese Weise kann man ein Stück weit Altersvorsorge und Steueroptimierung bei der progressiven Einkommensteuer kombinieren.

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„Rürup-Rente“ ein zeitgemäßes Produkt ist

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