„Die Deutschen sparen viel, aber falsch“

Stefan Terliesner Berater Top News

Prof. Bert Rürup, Chefvolkswirt des Handelsblatt Research Institute, über die deutsche Aversion gegen Aktien und den Erfolg „seiner“ Basis-Rente, um das Altersarmutsrisiko von Selbstständigen zu reduzieren.

Wirtschaftsweise Prof. Bert Rürup wirkte an vielen Rentenreformen der Bundesregierung mit

Wirtschaftsweise Prof. Bert Rürup wirkte an vielen Rentenreformen der Bundesregierung mit_Bild: Handelsblatt Research

procontra: Herr Professor Rürup, auch Ihr Name steht für die Reformen der Altersvorsorge vor 15 Jahren. Wie beurteilen Sie ihren Erfolg aus heutiger Sicht?

Bert Rürup: Dem Ziel einer finanziellen Nachhaltigkeit in der staatlichen Alterssicherung ist man mit den Reformen ein gutes Stück nähergekommen als dem Ziel, ein flächendeckendes kapitalgedecktes Ergänzungssystem zu etablieren.

procontra: Damit sprechen Sie die Riester-Rente an. Warum hat die Kapitaldeckung in Deutschland einen so schweren Stand, insbesondere wenn sie auf Aktien basiert?

Rürup: Nun ja, in den ersten Jahren nach Einführung der generös geförderten kapitalgedeckten Riester-Rente wurden viele Verträge abgeschlossen – mutmaßlich auch, weil damals der Garantiezins der Versicherungen noch bei ordentlichen 3,25 Prozent lag und in der Folgezeit auf mittlerweile 0,9 Prozent gesunken ist und wohl noch weiter abgesenkt werden wird. Die Kopplung an Garantien war nicht unwichtig, denn Garantien waren und sind bei deutschen Sparern sehr beliebt. Allerdings sind Garantien auch Renditefresser.

procontra: Gibt es weitere Gründe für das sinkende Interesse an der Riester-Rente?

Rürup: Wichtiger noch als das Absinken des Garantiezinses dürfte gewesen sein, dass immer mehr intransparente Produkte mit relativ hohen Kostenquoten auf den Markt geworfen wurden. Und mit der Zeit kamen einige Anbieter in den Ruf, mehr an ihre Vertriebe als an die Kunden zu denken. Hinzu kam – bedingt durch die Finanzkrise und der niedrigen Zinsen für Anleihen – eine rückläufige Rendite für viele Verträge. Niedrige Zinsen bedeuten aber nicht zwangsläufig niedrige Renditen.

Doch durch die mit den meisten Produkten verbundenen und von der Masse der Sparer gewünschten Garantien waren und sind viele Anbieter gezwungen, einen Großteil der Beiträge ihrer Kunden in sichere zinstragende Anlageformen zu investieren. Zumal diese keine oder nur eine geringe Eigenkapitalunterlegung erfordern. So sind heute nur 16 Prozent der Sparer direkt oder indirekt über Investmentfonds überhaupt in Aktien investiert.

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Seite 3: Warum die „Rürup-Rente“ ein zeitgemäßes Produkt ist

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