Der Versicherungskäse 2020 geht an…

Florian Burghardt Versicherungen

Der Bund der Versicherten hat seinen jährlichen Negativpreis, den Versicherungskäse des Jahres, verliehen. In der Endauswahl standen Produkte der Ergo, der LV 1871 und des Direktversicherers BD24. Der Gewinner hat bereits auf den „Preis“ reagiert.

Der Bund der Versicherten hat seinen Versicherungskäse des Jahres 2020 verliehen. Die endgültige Entscheidung fiel zwischen Produkten der Ergo, der LV 1871 und des Direktversicherers BD24.

Der Bund der Versicherten hat seinen Versicherungskäse des Jahres 2020 verliehen. Die endgültige Entscheidung fiel zwischen Produkten der Ergo, der LV 1871 und des Direktversicherers BD24. Bild: Pixabay

…die fondsgebundene Rentenversicherung „MeinPlan Kids“ der LV 1871. Das hat der Bund der Versicherten (BdV) heute mitgeteilt. Seit 2015 verleihen die Verbraucherschützer jährlich ihren Negativpreis für das – aus ihrer Sicht – schlechteste Versicherungsprodukt.

An dem Produkt der LV 1871, das bereits im Kindesalter mit dem Kapitalaufbau für größere Anschaffungen, Studium oder Altersvorsorge beginnen soll, bemängelt der Verein vor allem die Option, sich den Vertrag am Ende der Sparphase in Form einer lebenslangen Rente auszahlen zu lassen. Eine Beispielrechnung habe den Verbraucherschützern gezeigt, dass ein heute geborenes Kind 130 Jahre alt werden müsste, um das gebildete Kapital auf Basis der garantierten Rentenleistung zurückzuerhalten. „Bei derart hohen ‚Biometriekosten‘ wird die Police für die Kids garantiert zu einem dicken Zuschussgeschäft. Ein solches Produkt ist Käse“, kommentierte Journalistin und BdV-Jury-Mitglied Barbara Sternberger-Frey die Entscheidung.

Jury sieht Mängel

Zusätzlich abschließbare Versicherungsbausteine, etwa als Schutz im Falle einer Pflegebedürftigkeit des Versorgers, wurden vom BdV für die Preisverleihung nicht näher betrachtet. Letztlich störte sich der Verein aber grundsätzlich daran, dass das Produkt als moderne Sparlösung angepriesen werde, hingegen aber „lediglich eine ungeförderte fondsgebundene Rentenversicherung sei mit den bekannten Nachteilen wie mangelnde Transparenz und hohe Kosten“, so die Versicherungskäse-Jury.

Diese bestand in diesem Jahr, neben Starnberger-Frey und der Juristin und Verbraucherschützerin Edda Castelló aus Kerstin Becker-Eiselen (Verbraucherzentrale Hamburg), Dr. Achim Tiffe (Vereinsmitglied beim Institut für Finanzdienstleistungen e. V. und Rechtsanwalt in der Kanzlei Juest & Oprecht) und Dr. Dirk Ulbricht (Volkswirt und Mitglied des BdV). Im Finale des Versicherungskäse des Jahres 2020 schätzten sie das Produkt der LV 1871 noch schlechter ein als „CleverFly“ der BD24 Berlin Direkt Versicherung und „Zahn-Ersatz-Sofort“ der Ergo.

Das sagt die LV 1871 zum "Preis"

Aus dem Hause der LV 1871 gab es heute nur eine kurze, dafür meinungsstarke Stellungnahme zu dem fragwürdigen Titelgewinn:

Wenig überraschend ist die generelle Kritik des BdV an (fondsgebundenen) Rentenversicherungen, ebenso wie die hohe Intransparenz bei der Auswahl der Nominierten und Gewinner. MeinPlan Kids zeichnet sich durch eine marktunterdurchschnittliche Kostenbelastung und eine Gesamt-Verrentung über dem Marktniveau aus.

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