Der Radfahrer und der schmerzhafte Pferdetritt

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Wer ein Pferd überholt, muss immer mit dem Unvorhersehbaren rechnen. Dies macht nun eindrucksvoll ein Fall vor dem Frankenthaler Landgericht deutlich.

Beim Überholen eines Pferds sollte stets auf den notwendigen Sicherheitsabstand geachtet werden, wie ein Fall am Landgericht Frankenthal illustriert.

Beim Überholen eines Pferds sollte stets auf den notwendigen Sicherheitsabstand geachtet werden, wie ein Fall am Landgericht Frankenthal illustriert. Bild: Adobe Stock/ carolinestemp

Während für Hunde in vielen Bundesländern eine Tierhalterhaftpflichtversicherung Pflicht ist, ist eine solche für Pferdebesitzer optional. Warum diese dennoch eine gute Idee ist, zeigt ein aktueller Fall des Landgerichts Frankenthal (Az: 4 O 10/19).  

Der Fahrer eines Liegefahrrads hatte auf einem Radweg zwei Reiterinnen überholt. Beim Überholen schlug eines der Pferde mit den Hufen aus, wodurch der Radfahrer stürzte. Hierbei zog er sich Prellungen, Schürfwunden und eine Verletzung an der Hand zu. Vor Gericht ging es nun um die Höhe des zu zahlenden Schadensersatzes.   Das Gericht befand, dass für die Halterin des Pferdes eine Tierhalterhaftung bestehe – die Frau muss für sämtliche Schäden aufkommen, die ihr Pferd verursacht. Da die Frau mit ihrem Tier verbotenerweise auf einem Radweg unterwegs gewesen war, konnte sie sich dieser Haftung auch nicht entziehen.  

Falschverhalten des Radfahrers

Bei der Frage nach der Höhe des Schadensersatzes bezog das Gericht jedoch auch das Falschverhalten des Radlers ein. Dieser hatte nämlich beim Überholen keinen Mindestabstand von 1 ½ bis zwei Metern eingehalten, sondern war lediglich mit einem Abstand von rund 40 cm an der Reiterin vorbeigefahren.  

Das Gericht stellte fest, dass die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung auch dann gelten, wenn sich – wie hier – verbotswidrig Pferde aus dem Radweg befinden. Bei einem Pferd müsse immer mit unvorhergesehenen Verhaltensweisen gerechnet werden, so dass ein Sicherheitsabstand von einem Meter oder weniger nicht ausreichend sei. Ein Mindestabstand von zwei Metern sei hier notwendig gewesen. Zumal hatte der Radfahrer der Reiterin auch nicht sein Überholen angezeigt – dies sei jedoch in diesem Fall ohne Weiteres möglich gewesen, befand das Gericht.  

Den Radfahrer traf somit nach Auffassung des Gerichts eine hälftige Mitschuld an seinen Verletzungen, so dass ihm nur ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000 Euro zustehe. Noch ist die Entscheidung jedoch nicht rechtskräftig.

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