"Das Neugeschäft in der Vollversicherung hat durch Corona gelitten"

Anne Hünninghaus Corona PKV Versicherungen

Auf seiner Online-Pressekonferenz bot der Verband der privaten Krankenversicherer Einblick in Zahlen und Fakten zur Pandemie und kündigte eine Sonderaktion für Beamte an.

2019 sind mehr Menschen von der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung gewechselt als umgekehrt.

2019 sind mehr Menschen von der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung gewechselt als umgekehrt. Bild: Adobe Stock/nmann77

Man könne ein positives Zwischenfazit zum bisherigen Jahresverlauf ziehen, leitete Dr. Ralf Kantak, Vorsitzender des Verbands der privaten Krankenversicherung die Online-Pressekonferenz an diesem Mittwoch ein. Eine eher erstaunliche Ankündigung, haben die vergangenen Pandemie-Monate doch insbesondere den Gesundheitssektor stark getroffen. Kantak, erklärter Verfechter des dualen Systems aus PKV und GKV, lobte die stabile Versorgung hierzulande und führte Deutschlands Stärke in der Corona-Bewältigung auch auf dieses zurück. Die finanziellen Mittel der PKV hätten zur Leistungsfähigkeit der medizinischen Labore und der guten Krankenhausausstattung maßgeblich beigetragen, so Kantak. Zudem habe man schon vor Jahren Angebote der Telemedizin gefördert, sodass Videosprechstunden den Pateinten schnell verfügbar gemacht werden konnten.

Der Verband, dem 49 Unternehmen mit einem Gesamtbestand von 34,75 Millionen Versicherungen angehören, gab Einblick in die eigenen Mehrkosten im Zuge der Krise – auch um der Kritik aus der Ärzteschaft zu begegnen, die Beteiligung der PKV an den Corona-Folgen sei unzureichend. Der Anteil der PKV an Rettungsschirmen für Krankenhäuser betrage inzwischen mehr als 300 Millionen Euro. Zusatzkosten für Corona-Tests in Krankenhäusern bezahle die PKV für ihre Versicherten ebenso wie die GKV, Kostenfaktor pro Test: 147 Euro. Für Schutzschirme von Pflegeeinrichtungen fiele für die PKV bislang eine Summe von über 60 Millionen Euro an. In der ambulanten Versorgung unterstützten Privatversicherte die Ärzte und Zahnärzte aktuell mit einem zusätzlichen Betrag von insgesamt deutlich über 300 Millionen Euro – "allein für Hygienemaßnahmen".

„Stabile Leistungsausgaben“ – auch während der Krise

Man rufe die Versicherten dazu auf, Arztbesuche nicht länger aufzuschieben, so der Verbandspräsident. Nachholeffekte bei Behandlungen, die in den vergangenen Monaten abgesagt werden mussten, sehe man daher positiv: „Auf Dauer wirkt es sich sehr viel nachteiliger aus, wenn die Patienten weiterhin Arztbesuche meiden und es dann womöglich zu Schlimmerem kommt.“

Die Zahlen der in Krankenhäusern aufgenommenen Privatpatienten sei inzwischen wieder auf dem Niveau wie vor der Krise, so Verbandsgeschäftsführer Dr. Florian Reuther. Das Geschehen laufe nun wieder an, allzu rapide seien die Leistungsausgaben aber auch in den vergangenen Wochen nicht gesunken – insbesondere Selbstständige hatten vermehrt Krankentagegeld in Anspruch genommen und im Pflegebereich sind die Leistungszahlen laut Verband zweistellig gestiegen.

„Zu Beginn der Krise haben wir viele Kundenanfragen zu Stundungsmöglichkeiten und Tarifwechseln bekommen“, so Kantak. Auch Unternehmen, die bKV anbieten, haben teils darum gebeten, den Versicherungsschutz aussetzen zu können – all das haben die PKV-Anbieter individuell und kulant gehandhabt.“ Gefragt, wie sich die Krise in den vergangenen Monaten auf das Vollversicherungs-Neugeschäft ausgewirkt hat, konnte der Verband nicht mit konkreten Zahlen dienen. Dieses habe gelitten, so Kantak, die Menschen hätten während des Lockdowns andere Themen im Kopf gehabt, als sich mit ihren Versicherungen zu beschäftigen, was die Situation für die Vertriebspartner erschwerte.

Zu Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Geschäft mit der privaten Krankenvollversicherung schon vor der Pandemie schwächelte. Dem „Marktausblick private Krankenversicherung“ der Kölner Ratingagentur Assekurata zufolge liegt das sinkende Neugeschäft unter anderem auch an der Verunsicherung potenzieller Kunden, mit Beitragserhöhungen im Alter konfrontiert zu werden.

So will die PKV Beamte ködern

Wie sich Corona auf den Willen der deutschen Versicherten auswirken könnte, von der GKV in die PKV zu wechseln, sei noch nicht abschätzbar. Mit Blick auf 2019 freut sich der Verband allerdings über ein Plus von 17.400 privat Versicherten. Das zweite Jahr in Folge waren mehr Menschen von der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung gewechselt als umgekehrt.

Weiteres großes Thema der privaten Krankenversicherer ist die Sonder-Öffnungsaktion für Beamte und deren Angehörige. Zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 31. März 2021 können freiwillig gesetzlich Versicherte ohne Risikoprüfung in die Absicherung durch PKV und Beihilfe wechseln. Bei Vorerkrankungen würden die Risikozuschläge auf 30 Prozent begrenzt. In dieser Zielgruppe sehen die Versicherer offenbar die Chance, Rückgänge bei Selbstständigen und gut verdienenden Angestellten auf längere Sicht wettzumachen.

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