Corona: Versicherungen auf der Suche nach einer neuen Normalität

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen Top News

Vor drei Monaten veränderte Corona den Arbeitsalltag schlagartig. Langsam kehren Versicherer nun wieder in gewohnte Strukturen zurück. Wie ist der aktuelle Stand bei Allianz, HDI und R+V? Und welche neuen Arbeitsweisen planen sie dauerhaft zu implementieren?

Der Großteil der Mitarbeiter der meisten Versicherungen arbeitet nach wie vor im Homeoffice.

Der Großteil der Mitarbeiter der meisten Versicherungen arbeitet nach wie vor im Homeoffice. Bild: Adobe Stock/shintartanya

„Unsere Branche funktioniert“, heißt es in einer aktuellen Kolumne auf der Website des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sei es den Mitgliedsunternehmen gelungen, einerseits die Mitarbeiter zu schützen und andererseits den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Ich gehe davon aus, dass wir einen neuen Normalzustand erreichen werden, der sich auch langfristig von der Vor-Krisen-Situation unterscheiden wird“, so die Prognose des Verbandsvorsitzenden Jörg von Fürstenwerth: „Corona hat eine noch im vergangenen Jahr diskutierte Zukunft der Arbeit vorweggenommen und sie innerhalb weniger Wochen zur neuen Normalität gemacht.“

Tatsächlich wurde im März von den Unternehmen eine Blitzumstellung gefordert. Anstatt sich behutsam nach und nach modernen Arbeitsformen zu nähern, Stück für Stück Mobilität und Agilität zu ermöglichen und digital aufzurüsten, erforderte die Krise eine sofortige radikale Umstellung. Nun, drei Monate später, füllen sich die Büros langsam wieder. Bedeutet das eine Rückkehr in die alte Realität, oder wird es der – nicht unbedingt für ihren Modernisierungswillen bekannte – Versicherungsbranche gelingen, die Krise als Weckruf zu nutzen? Wir haben drei Unternehmen zu ihrem aktuellen Arbeitsalltag und künftigen Perspektiven befragt.

So ist der der Stand in den Unternehmen

Für die aktuelle Phase mit den – je nach Bundesland unterschiedlichen –  Lockerungsmaßnahmen und die kommenden Monate hat die Allianz Deutschland einen Stufenplan „Back to Office“ erstellt. „In der jetzigen Stufe 1 können bei uns bis zu 20 Prozent unserer Mitarbeiter unter Einhaltung umfangreicher Schutz- und Hygienemaßnahmen an die einzelnen Standorte zurückkehren“, so die Auskunft des Unternehmens. Desksharing und die Nutzung von Gemeinschaftsflächen sind vorerst Tabu, statt in der Kantine werden die Mitarbeiter mit Lunchpaketen versorgt.

Bereits zu Beginn des Jahres, als das Ausmaß der Corona-Krise noch nicht im Entferntesten greifbar war, hatte sich der Versicherer auf verschiedene Szenarien vorbereitet und die Mitarbeiter fit fürs Home-Office gemacht. In der nächsten Stufe, deren Start derzeit vorbereitet wird, soll ein Orientierungswert für die Anwesenheitsquote an den Standorten zwischen 30 und 40 Prozent gelten. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz sei dabei grundsätzlich freiwillig und erfolge in Abstimmung mit der jeweiligen Führungskraft. Faktoren wie Kinderbetreuung und Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe spielen dabei auch eine wichtige Rolle.

Bei der R+V arbeiten nach wie vor etwa 90 Prozent der Innendienst-Mitarbeiter im Homeoffice. „Wir befinden uns in einer ersten Öffnungsphase“, sagt Personalvorständin Julia Merkel. Wer möchte, vielleicht, weil die Möglichkeiten im Homeoffice nicht optimal sind, kann ins Büro zurückkommen. „Wir haben uns dafür zunächst eine Grenze von rund 15 Prozent gesetzt und werden sie je nach Entwicklung erhöhen.“ Die Kollegen im Außendienst nehmen schrittweise auch den persönlichen Kundenkontakt wieder auf – basierend auf den unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer, der Vertriebspartner, sowie der individuellen Möglichkeiten.    

Bei der HDI Gruppe haben aktuell 94 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland die Möglichkeit, mobil zu arbeiten – von der die meisten Gebrauch machen. „Wir wollen die Zahl der mobil arbeitenden Kollegen weiter möglichst hochhalten“, so das Unternehmen. Die Teams wurden dafür gesplittet, nur maximal die Hälfte soll sich gleichzeitig im Büro aufhalten. Wenn Mitarbeiter weiterhin lieber von zu Hause arbeiten zu wollen, sei es aus reiner Vorsicht oder weil sie noch keine anderweitige Lösung für die Betreuung von Kindern gefunden haben, werde der Wunsch respektiert. „Wir unterstützen hier als Arbeitgeber mit einer so genannten Betreuungszeit, ein individuelles Zeitguthaben, das die Mitarbeiter unkompliziert und kostenlos gewährt bekommen. Zudem haben unsere Mitarbeiter selbst Großartiges geleistet, indem sie bislang über 5.000 Überstunden für die Kollegen gespendet haben, die diese zur Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen verwenden können“, sagt Pressesprecher Andreas Ahrenbeck.

Bereits vor Corona hatten die meisten Mitarbeiter von Talanx/HDI die Möglichkeit, bis zu zwei Tage in der Woche mobil zu arbeiten. „Für die Zeit nach Corona werden sicher auch die positiven Erfahrungen, die wir jetzt sammeln, eine Rolle spielen.“

Seite 1: So ist der Stand in den Unternehmen
Seite 2: Wie geht es weiter?

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare