Corona: Sozialpartnermodell besteht laut Anbietern den Stresstest

Anne Hünninghaus Corona bAV Versicherungen

Laut dem Anbieter "Das Rentenwerk" bleiben Betriebsrenten trotz aktienbasierter Anlage in der Krise stabil. Die Daten fußen allerdings auf einer Simulation – denn das Sozialpartnermodell ist nach wie vor kaum verbreitet.

Bild: Adobe Stock/Gina Sanders

Der März war ein katastrophaler Monat für die deutsche Börse. Anleger mussten teils herbe Verluste einstecken. Inzwischen hat der deutsche Leitindex Dax, der zwischenzeitlich auf 8.256 Punkte zurückgefallen war, wieder auf bis zu 12.913 Punkte zulegen können. Dennoch haben die ersten Corona-Wochen insbesondere den Unternehmen zugesetzt, deren Kapitalanlage maßgeblich Aktien-basiert ist.

Die Entwarnung, die das Rentenwerk nun für die neue betriebliche Altersvorsorge ausspricht, vermag daher zunächst zu überraschen. „In der Corona-Krise hat sich die Aktien-basierte Geldanlage bewährt, die das Rentenwerk für die neue betriebliche Altersvorsorge (bAV II) empfiehlt. Weder Beschäftigte noch Rentenempfänger mussten Einbußen befürchten“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Der Hintergrund: Zum 1. Januar 2018 hatte die Politik die betriebliche Vorsorge reformiert, federführend war die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Teil davon ist das Sozialpartner-Modell, eine Vereinbarung über eine betriebliche Altersversorgung (bAV), die Arbeitgeber dazu ermutigen sollen, ihre Zurückhaltung im Angebot von Betriebsrenten zu überwinden. Darin sind Garantien abgeschafft, um den Weg für ertrag-, dafür aber auch risikoreichere Anlagen zu ebnen. Mit dem erhöhten Aktienanteil der Anlage befürchteten Kritiker stärkere Schwankungen bei den Renten. Die Versicherer halten indes verschiedene Modelle bereit. Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk-Coburg und Stuttgarter haben „Das Rentenwerk“ gegründet. „Initiative Vorsorge“ ist der Zusammenschluss von Alte Leipziger, LV 1871, Neuer Bayerische Beamten Lebensversicherung und Volkswohl Bund. Talanx und Zurich bieten „Die Deutsche Betriebsrente“ an. Mit ihren Angeboten möchten sie den Versicherten bessere Renditen ermöglichen.

Bisher ist das Modell kaum verbreitet

Auch zwei Jahre nach Inkrafttreten ist das Sozialpartnermodell allerdings nach wie vor noch nicht verbreitet. Grund für den Stillstand ist die Unsicherheit bei Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern – und die verbreitete Sicherheitsaffinität der Deutschen. Immerhin liegt das Kapitalanlagerisiko allein bei den Arbeitnehmern.

Auch darum dürfte das Rentenwerk bestrebt sein, etwaige Verlustängste der Anleger bereits im Vorfeld auszuräumen. Aufgrund des geringen Datenfundus fußt die Rechnung des Rentenwerks lediglich auf einer Simulation. Ausgerechnet wurde, wie sich die Krise auf Arbeitnehmer ausgewirkt hätte, die mit Start der bAV II ab Januar 2018 eingezahlt hätten. Das nunmehr theoretische Ergebnis: „Die Rente blieb stets stabil – selbst für einen Beschäftigten, der auf dem Höhepunkt der Krise in den Ruhestand gegangen wäre. Das gilt für alle drei Profile, die das Rentenwerk empfiehlt: Konservativ, Balance – und auch für Chance, wo der Aktien-Anteil deutlich höher liegt.“ Das Rentenwerk hat 80 Millionen Euro in einen breit gestreuten Dachfonds investiert.

„In der Krise zeigt sich: Risiken lassen sich auch mit Aktien im Portfolio deutlich reduzieren. Durch gut gestreute Anlagen mit ausgleichenden Elementen erzielt das Rentenwerk beste Ergebnisse. Das ist ein wichtiges Signal für alle Beschäftigten“, sagt Dr. Normann Pankratz, Mitglied der Vorstände der Debeka. Zumal aus Sicht von Pankratz an Aktien bei der Altersvorsorge kein Weg vorbeiführe: Angesichts der Nullzinspolitik ließe sich bei einem Verzicht auf Aktien nicht einmal die Inflation ausgleichen.

Ob dies allerdings im Rahmen des Sozialpartnermodells geschieht, bleibt abzuwarten. Bislang wurde allerdings erst ein solches Modell abgeschlossen, so dass auch unter Maklern die Zweifel größer werden, dass das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) zum nachhaltigen Treiber für die bAV wird. Sollte die Nachfrage seitens Arbeitgeber und -nehmer weiterhin so gering wie bislang bleiben, könnte sich der Staat für die Einführung eines Obligatoriums entscheiden. 2023 will das Bundessozialministerium die Wirksamkeit des BRSG überprüfen – dann kommt für alle Beteiligten die Stunde der Wahrheit.

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