Corona-Krise steigert Beratungsbedarf in Rechtsschutzfragen

Anne Hünninghaus Corona Berater

Die Zahl der Rechtsschutzversicherten, die telefonisch einen Anwalt konsultierten, hat sich seit Verbreitung der Pandemie mehr als verdoppelt. Besonders ein Themenbereich steht dabei im Fokus.

Besonders zu Abreitsrechtsfragen konsultieren aktuell viele Versicherte Juristen.

Besonders zu Abreitsrechtsfragen konsultieren aktuell viele Versicherte Juristen. Bild: Adobe Stock/klavdiyav

Bleibe ich auf den Kosten meines Sommerurlaubs sitzen, obwohl ich ihn Pandemie-bedingt nicht antreten kann? Darf mein Arbeitgeber mich zwingen, ins Büro zurückzukehren, wenngleich mir unwohl bei dem Gedanken ist? Die Corona-Krise hat in den vergangenen Wochen und Monaten im Alltag vieler Deutscher völlig neue – und ungewöhnlich viele – Rechtsfragen aufgeworfen.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass die Nachfrage nach Rechtsberatung sich zuletzt mehr als verdoppelte: Im März und April haben sich laut aktueller Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft Rechtsschutzversicherte in knapp 285.000 Telefonberatungen an Anwälte gewandt. Zum Vergleich: In normalen Monaten sind es etwa 115.000. Im März gab es 150.000 anwaltliche telefonische Beratungen – gut ein Drittel mehr als im Februar. „Allein von Mitte März bis Anfang April - also in den ersten Wochen des Lockdown - verzeichneten die deutschen Rechtsschutzversicherer die Rekordzahl von über 35.000 telefonischen Beratungen pro Woche“, sagt Thomas Lämmrich, Leiter Rechtsschutzversicherung beim GDV. Die meisten Fragen wurden der Sonderauswertung zufolge zum Vertrags- gefolgt vom Arbeitsrecht gestellt, beispielsweise zu Kurzarbeit und Kündigung. Bei Fragen zum Reiserecht standen vor allem Fragen zu Stornierungen im Fokus.

Vor allem arbeitsrechtliche Themen sind in der Krise gefragt

Für die Versicherungen wird das teuer: „Als Folge der Corona-Krise rechnen wir mit einer deutlichen Zunahme von Rechtsschutzfällen und der damit verbundenen Kosten“, sagt Lämmrich. Insgesamt bearbeiten die Rechtsschutzversicherer jährlich über vier Millionen Fälle im Jahr und leisten dafür rund 2,8 Milliarden Euro. Auf die ohnehin schon belasteten Gerichte werden voraussichtlich in nächster Zeit erheblich mehr Prozesse zukommen, beispielsweise zum Erhalt des Arbeitsplatzes oder etwa wegen der Kostenerstattung bei stornierten Reisen.

Vor allem im Arbeitsrecht dürften die Schäden stark ansteigen, schon jetzt machen Arbeits- und Vertragsrecht machen ein Drittel aus. Das Vergleichsportal Check24 hatte kürzlich erhoben, dass sich jede dritte Anfrage, die bei den Kundenberatern im Bereich Rechtsschutzversicherung eingehe, um arbeitsrechtliche Themen in Zusammenhang mit Corona drehe.

Arbeitnehmer, die im Hinblick auf eine befürchtete Kündigung jetzt noch eine Versicherung abschließen möchten, sei allerdings eher abgeraten, wie Rechtsschutz-Experte Sven Nebenführ kürzlich im procontra-Interview einwarf. Schließlich haben praktisch alle Berufsrechtsschutzversicherer eine Wartezeit von mindestens drei Monaten in Ihren Bedingungen verankert. Makler sollten daher unbedingt immer proaktiv über Wartefristen, Ausschlüsse und das Eintrittsdatum informieren: „Der Kunde muss genau wissen, wann seine Rechtsschutzversicherung beginnt, in welchen Bereichen Wartezeiten zu beachten und welche Fälle nicht im Versicherungsschutz eingeschlossen sind, wenn sie vor Beginn des Rechtsschutzes eingetreten sind.“

Hinweis: profino hat für Makler mit freundlicher Unterstützung der Zurich einen Hilfebereich eingerichtet. Hier finde Sie alles, was Makler unmittelbar wissen müssen aus den Bereichen "Ihre Beratung", "Ihr Maklerunternehmen" und "Ihre Gesundheit".

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