Corona: Großmakler Aon rechnet mit steigenden Versicherungsprämien

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen Corona

Die Pandemie kommt die Versicherungsbranche teuer zu stehen. Der Deutschlandchef des weltweit größten Maklers Aon prognostiziert nun, dass viele Anbieter ihre Beiträge erhöhen werden, um die Mehrkosten zu kompensieren.

Die Versicherungsbranche muss durch die Krise mit erheblichen Mehrkosten rechnen.

Die Versicherungsbranche muss durch die Krise mit erheblichen Mehrkosten rechnen. Bild: Adobe Stock/Gina Sanders

Die Corona-Krise wird den Versicherungsschutz in Zukunft voraussichtlich teurer machen. Diese Prognose äußerte Jan-Oliver Thofern, Deutschlandchef des Großmaklers Aon, gegenüber dem „Handelsblatt“. Die Versicherer seien von der Pandemie hart getroffen. Die Prämiensteigerungen sind demnach als Kompensation für die massiven Verluste zu werten, die auf die Branche zurollen. Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s hatte diese kürzlich auf weltweit mehr als 200 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Besonders das Thema Betriebsschließungsversicherungen hatte die Gemüter bewegt und beschert den Versicherern teils hohe Zusatzkosten. Thofern hält es für realistisch, dass es künftig generell keine Policen mehr geben könnte, die im Pandemiefall leisten.

Der Aon-Chef verweist zudem auf die Kostenexplosion aufgrund ausgefallener Großveranstaltungen. Aber auch in anderen Sparten, wie der Rechtsschutzversicherung, kommt es in Zeiten der Krise mitunter zu einer Verdopplung der Leistungsfälle. Währenddessen führen fehlende Aufträge, Einkommensverluste und Kurzarbeit dazu, dass viele Deutsche Versicherungen kündigen, um die eigenen Ausgaben zu begrenzen. Dabei wurde der Rotstift zuletzt besonders bei der Altersvorsorge angesetzt.

Sinkendes Neugeschäft in einer Vielzahl an Sparten

Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY und der V.E.R.S. Leipzig GmbH unter 30 Versicherungsunternehmen hatte jüngst offenbart, dass die überwiegende Mehrheit mit teils großen Einschnitten im Neugeschäft rechnet. 57 Prozent sind sogar von deutlichen Einbußen überzeugt - vor allem im Bereich der Lebensversicherungen sowie beim Kfz-Geschäft.

Auch Bereiche, die zuletzt prosperierten, wie das Schaden-Unfall-Geschäft werden durch die Krise in die Mangel genommen. In ihrem Marktausblick für 2020/2021 rechnet die Ratingagentur Assekurata zwar nicht mit einem Prämienrückgang, etwa durch eine Welle von Vertragskündigungen. Durch sinkendes Neugeschäft in nahezu allen Sparten dürften die Beitragseinnahmen in 2020 aber deutlich geringer ansteigen (Schätzung: +0,85 Milliarden Euro) als in den vergangenen acht Jahren (im Durchschnitt etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr). Vor allem in den Sparten Rechtsschutz und Wohngebäude rechnen die Experten damit, dass die Versicherer ihre Kostensteigerungen über Beitragserhöhungen abmildern werden.

Lebensversicherer geraten weiter unter Druck

Geringere Sorgen macht sich Aon-Chef Thofern mit Blick auf die Situation der teils schon vor der Krise angeschlagenen Lebensversicherer. Auch weil Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund diese kürzlich als "beherrschbar" einschätzte. Eine etwas andere Perspektive vertritt Christian Thimann, Chef der Run-off-Plattform Athora. Im Interview mit procontra verwies er auf die sich zuspitzende Lage am Kapitalmarkt: „Während die erste Welle der Krise weitgehend an uns vorbeigegangen ist, hat der Börsenabsturz andere Versicherer möglicherweise härter getroffen. Versicherungskrisen laufen in Zeitlupe ab, und die Corona-Krise tut ihr Übriges: Für viele Versicherer war im Umfeld der Niedrigzinsen die Erhöhung der Aktienquote eine Option – und die hat sich jetzt teilweise in Luft aufgelöst. Die Spannung am Markt setzt Versicherer, die über Altbestände mit Garantieversprechen verfügen, also noch weiter unter Druck.“ 

Was bringt die Mehrwertsteuersenkung?

Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer werde bei den Versicherern dagegen kaum einen Effekt auslösen, schätzt Aon-Deutschlandchef Thofern. Diese sei zu schwach, um Kaufanreize auszulösen. Ab dem 1. Juli und bis zum Ende dieses Jahres reduziert sich die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent, wie die Große Koalition als Einzelmaßnahme im Corona-Konjunkturpaket beschlossen hatte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte die Auswirkungen für verschiedenen Fälle durchgerechnet: Je nach Einkommen könnten Familien zwischen rund 50 und 116 Euro pro Monat sparen.  

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