Branchen-Events während Corona: Das Ende von Häppchen und Händeschütteln?

Anne Hünninghaus Corona Berater

Evolution von Kanälen und Inhalten

Reine Digitalanbieter wie die Liveakademie profino sehen ihr Prinzip in dieser Zeit bestätigt. Hier verzeichnete man ebenfalls ein wachsendes Interesse. Im Monat April gab es im Vergleich zum Vorjahr ein Drittel mehr Webinar-Anmeldungen – die Teilnehmerzahl steigerte sich sogar um die Hälfte. Das liegt vor allem an der reduzierten „No-Show-Rate“: Weil sich während der Krise die Ablenkungen verringert haben, beispielsweise durch spontane Geschäftstermine, springen weniger Teilnehmer kurzfristig ab als das normalerweise der Fall ist.

Die gecancelten Messen steigern zudem das Interesse daran, sich als virtueller Aussteller zu präsentieren. Stephanie Rettig, Leiterin der profino Liveakademie, erhält infolgedessen Anfragen von Versicherern, die kurzfristig mehr Webinare anbieten möchten als ursprünglich geplant – oder sogar komplette Veranstaltungen mit externen Gästen über die Plattform live streamen möchten.

Neben der Wahl der Kanäle passen sich auch die Inhalte an die Corona-Sondersituation an – besonders Tipps für die Onlineberatung und Beiträge über die aktuellen Krisen-Services von Versicherern stehen hoch im Kurs.

Der Wert analoger Begegnungen

Dass virtuelle Events und Seminare persönliche Treffen dauerhaft komplett verdrängen werden, ist indes dennoch unwahrscheinlich. „Die persönlichen Gespräche vor Ort, die Anbahnung geschäftlicher Beziehungen, die Emotionen, die unsere Redner während ihrer Live-Auftritte transportieren – all das kann aus unserer Sicht durch ein Online-Modell nicht ersetzt werden“, sagt auch Norbert Porazik von Fonds Finanz, Veranstalter der MMM. Deshalb hofft er darauf, dass die für Oktober geplante Hauptstadtmesse als Präsenzveranstaltung stattfinden kann. Die Nähe schaffe Vertrauen. Dennoch zeigt man sich offen für hybride Messekonzepte – also eine Mischung aus Präsenz- und Online-Angeboten – und arbeitet für 2021 an solchen. „Denn neben den Stimmen unserer Makler, die sich für eine Vor-Ort-Veranstaltung ausgesprochen haben, gibt es auch viele Fürsprecher einer Online-Variante“, so Porazik.

Analoge Begegnungen bleiben länger im Gedächtnis und bieten mehr Raum für Interaktion. Und auch, wenn das Gespräch in der Kaffeepause auf den ersten Blick ineffizient erscheinen mag, sind es solche Momente, die oft Ausgangspunkte für spannenden Austausch bieten. Bis es wieder so weit ist, brauchen Branche und Eventplaner allerdings Geduld – und eine stabile Internetverbindung.

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