blau direkt legt Stornozahlen offen

Martin Thaler Corona Berater Versicherungen

Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise befürchteten Versicherer und Vermittler eine Stornowelle der Kunden. Beim Lübecker Maklerpool blau direkt blieb diese aus – zumindest bislang.

Kerstin Möller-Schulz

Kerstin Möller-Schulz, CFO vom Lübecker Maklerpool blau direkt, sieht bislang noch keine merklich erhöhten Stornierungszahlen seitens der Kunden. Bild: blau direkt

Die Corona-Krise macht sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter bemerkbar: Für 11,72 Millionen Arbeitnehmer haben die Unternehmen bis Ende Mai Kurzarbeit angemeldet, im Mai stieg die Zahl der Arbeitslosen laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Vergleich zum Vorjahr um 577.000 Personen.  

Auch unter den Kurzarbeitern ist die Sorge groß, dass der eigene Job nach der Krise noch vorhanden ist. Laut einer aktuellen Untersuchung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hält etwa ein Drittel der Kurzarbeiter den eigenen Arbeitsplatz für akut gefährdet. Besonders ausgeprägt ist die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust bei Beschäftigten im Gastgewerbe, im Kunst- und Unterhaltungssektor sowie im Handel. Auch Selbstständige leiden in großem Maße unter den finanziellen Folgen der Pandemie.  

Entsprechend groß ist die Sorge unter Versicherern und Vermittlern, dass sich die finanzielle Unsicherheit der Deutschen auch in deren Versicherungsschutz widerspiegeln könnte. Wer dringend Geld braucht, könnte bestehende Versicherungen kündigen, um seine Ausgaben zu reduzieren.  

Um Kunden von einer vorschnellen Kündigung ihrer Altersvorsorge, Arbeitskraftabsicherung bzw. anderer Versicherungen abzuhalten, führten zahlreiche Versicherer großzügige Stundungsregeln ein.  

Knapp 500 Stundungen

Die Befürchtungen einer großen Stornierungswelle haben sich bislang jedoch noch nicht bewahrheitet, wie eine Auswertung des Maklerpools blau direkt zeigt. Hierfür verglichen die Lübecker die Stornozahlen von Januar bis Mai 2019 mit denen aus dem gleichen Zeitraum dieses Jahres - allerdings erst einmal nur im Bereich der Lebensversicherungen. Wurden 2019 insgesamt 1912 Policen in besagtem Zeitraum gekündigt, erhöhte sich dieZahl in diesem Jahr auf 2.561 Policen. Hinzugerechnet werden können weitere 493 Policen, die Kunden stunden ließen.  

Geht man davon aus, dass auch die gestundeten Policen dauerhaft ausfielen, käme man auf eine Gesamtzahl von stornierten 3.054 Policen. Das wäre ein Plus von 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr.  

Gleichzeitig verzeichnete blau direkt ein Umsatzplus von 58 Prozent. Bei gleichbleibender Stornoquote wäre entsprechend zu erwarten gewesen, dass auch die reine Zahl der Stornierungen um mindestens 58 Prozent zugenommen hätte, rechnet der Pool vor. „Tatsächlich hätten wir schlimmstenfalls 59 Prozent mehr Stornierungen als im Vorjahreszeitraum. Das wäre trotz Corona-Krise nur ein Prozent mehr“, erklärt Kerstin Möller-Schulz, CFO bei blau direkt.  

Erste Kunden zahlen bereits wieder

Zumal es bei den Stundungen  aus Sicht von blau direkt Grund zur Entwarnung gibt: „Die Stundungsprogramme der Versicherer wurden vor allem direkt im März und Anfang April wahrgenommen“, berichtet Möller-Schulz. Seite Mitte April sei keine Zunahme der Stundungen mehr feststellbar gewesen, erste Kunden hätten sogar bereits wieder mit der Zahlung ihrer Policen begonnen.  „Wir erwarten, dass sich die Entwicklung fortsetzt und viele der aktuell gestundeten Policen wieder aktiviert werden“, so Möller-Schulz.  

Wie sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Monaten jedoch entwickeln wird, weiß derzeit noch niemand. Auch viele Versicherer wagen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, konkrete Erwartungen in Bezug auf ihre Geschäftszahlen für dieses Jahr zu formulieren. Somit  sind die vom Maklerpool veröffentlichten Zahlen erst einmal nur eine Momentaufnahme.

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