Betriebsschließungsversicherung: Der weltweite Konflikt

Martin Thaler Corona Versicherungen Top News

Schweiz: Epidemie oder Pandemie?

Auch in der Schweiz kämpfen viele Hoteliers und Gastronomen um ihre wirtschaftliche Existenz. Entsprechend steht auch hier das Thema Betriebsschließungsversicherung – bzw. Betriebsunterbruchsversicherung – im Fokus. Während sich laut Medienberichten viele Versicherer dazu bereit erklärt hatten, auch im Corona-Fall für entstandene Schäden aufzukommen, verweigerten andere Unternehmen die Leistung und verwiesen darauf, dass ihre Policen zwar Epidemien, nicht aber Pandemien abdecken würden.  

Neuer Schwung kam in Form eines Gutachtens in die Debatte, das den namhaften Experten für Versicherungsrecht Prof. Dr. Walter Fellmann von der Universität Luzern zu Wort kommen ließ. Dieser erklärte: „Nach meiner Einschätzung liegt somit kein Ausschluss vor, der bei grundsätzlicher Deckung von Epidemien Pandemien in bestimmter, unzweideutiger Fassung von der Versicherung ausschließen würde.“   Versicherer wie die Zurich kündigten kurze Zeit später an, ungeachtet der Formulierung im Versicherungsvertrag, leisten zu wollen. „In der Schweiz erhalten über 90 Prozent der bei Zurich versicherten Gastrobetriebe mit einer Epidemie-Versicherung die volle Pandemie-Deckung“, erklärte Zurich-Chef Mario Greco gegenüber dem „Blick“. Die übrigen Betriebe sollten kulant aus dem Solidaritätsfonds des Versicherers entschädigt werden.  

Insgesamt rechnete die Zurich bislang mit Corona-bedingten Schäden in Höhe von 750 Millionen US-Dollar. Nun blickt der Versicherer aber gespannt in Richtung Großbritannien und wartete das von der FCA angestrengte Verfahren ab. Sollte der High Court hier allerdings zu dem Schluss kommen, dass die Zurich im Rahmen der Betriebsschließungsversicherung auch in Großbritannien für Corona-bedingte Schäden zu zahlen habe, rechnet der Versicherer laut „Blick“ mit zusätzlichen Forderungen in Höhe von 200 Millionen Dollar.    

Frankreich: Ein Urteil und 500 Millionen Euro 

Das Thema Betriebsschließung schlägt auch in Frankreich hohe Wellen. Für Aufmerksamkeit auch in Deutschland sorgte ein Urteil des Pariser Handelsgerichtes. Dies sprach dem Betreiber von vier Restaurants in Paris eine Entschädigung durch seinen Versicherer, die Axa, zu. Dieser berief sich darauf, nicht zahlen zu müssen, da die Restaurants in Frankreich aufgrund einer allgemeinen Verfügung der französischen Regierung geschlossen worden waren. Nachdem die Axa zunächst ankündigte, in Berufung gegen das Urteil gehen zu wollen, schwenkte sie kurze Zeit danach um und verkündete, 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen zu wollen, um hiermit die Ansprüche kleiner und mittelständischer Betriebe bedienen zu können.

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