Betriebsschließungsversicherung: Der weltweite Konflikt

Martin Thaler Corona Versicherungen Top News

Der Streit zwischen Gastronomen und Versicherern in Deutschland verhärtet sich. Doch auch in anderen Ländern bietet das Thema reichlich Konfliktstoff. Zeit für eine kleine Reise um den Globus.

Das Thema Betriebsschließungsversicherung beschäftigt Versicherer und Versicherungsnehmer weltweit.

Das Thema Betriebsschließungsversicherung beschäftigt Versicherer und Versicherungsnehmer weltweit. Bild: Adobe Stock/ Melinda Nagy

Wohl kein Versicherungs-Thema wurde in der vergangenen Zeit so breit und öffentlichkeitswirksam diskutiert wie die Betriebsschließungsversicherung. Die Weigerung vieler Versicherer, für Corona-bedingte Einnahmeausfälle zu zahlen, schaffte es in alle großen Nachrichtenmagazine und -sendungen und wurde zuletzt gar von der Satire-Sendung "Heute-Show" aufgegriffen.

Nicht nur in Deutschland beschäftigt das Thema Versicherer und Versicherungsnehmer. Auch in anderen Ländern arbeiten sich Medien, Politik und Gerichte mit dem Konflikt zwischen Gastronomen und Versicherern ab. Ein Überblick:

USA: Lichter gehen aus

Der Times Square gehört sicherlich den berühmtesten Plätzen auf dieser Welt. Millionen Besucher strömen Jahr für Jahr hierhin, um das Farbspektakel der zahlreichen Werbe-Displays live zu erleben.  

Am Mittwoch vergangener Woche wurde es jedoch auf einmal schlagartig für eine Minute dunkel. Den kurzfristigen Blackout hatte die Business Interruption Group (BIG) durchgesetzt, eine Gruppe von Restaurant- und Geschäftsbetreibern, die über ausbleibende Zahlungen der Versicherer verärgert ist. „Die Aktion soll symbolisieren, wie uns die Versicherer das Licht ausschalten“, erklärte BIG-Anwalt John Houghtaling gegenüber dem Fernsehsender CNN. „Leistungsanträge wurden generell verweigert, egal was in den Policen stand“, kritisierte Houghtailing.

Längst ist das Thema Betriebsschließungsversicherung bzw. „Business Interruption Insurance“ zum Politikum geworden, zu dem selbst US-Präsident Donald Trump seine Meinung kundtat. Laut Trump hätten viele Leute über Jahre ihre Prämien gezahlt, um im Fall der Fälle Versicherungsschutz zu haben. „Aber wenn die Unternehmen den Versicherungsschutz in Anspruch nehmen wollen, sagen die Versicherer: Wir gewähren ihn Dir nicht. Das können wir nicht akzeptieren“, sagte Trump im April während eines Pressetermins im Weißen Haus und erhöhte somit den Druck auf die Versicherer.    

Großbritannien: Musterverfahren gegen 16 Versicherer  

Auch im Vereinigten Königreich sorgen geschlossene Pubs und Restaurants für Ärger zwischen deren Besitzern und den Versicherern. Im medialen Spotlight dieser Auseinandersetzung fand sich vor allem der Versicherer Hiscox wieder. Maßgeblich verantwortlich hierfür ist der französische Promi-Koch Raymond Blanc, der seit Jahrzehnten als Gastgeber diverser Kochshows im britischen Fernsehen fungiert und 2007 von der Queen zum Ritter geschlagen wurde.

Aufgrund der Corona-Krise hatte Blanc die 37 Filialen seiner Restaurantkette „Brasserie Bar Co“ schließen müssen – eine Entschädigung aus seiner Betriebsschließungsversicherung bei der Hiscox erhielt Blanc jedoch nicht, so dass dieser den Konflikt öffentlichkeitswirksam in die Medien brachte. Ein dankbares Thema für den englischen Boulevard, der prompt zum rhetorischen Groß-Geschütz griff: „TV-Koch Raymond Blanc zieht in den Krieg gegen den Versicherer Hiscox“, titelte beispielsweise die „Daily Mail“. Auch andere Gastronomen bereiteten Klagen vor.  

Nun will die britische Finanzaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) für Rechtssicherheit sorgen und klagt gegen 16 zuvor ausgewählte Versicherer, unter ihnen die Axa, die Allianz, Hiscox und die Zurich. Aus 500 verschiedenen Policen hat die FCA dabei insgesamt 17 Formulierungen herausgesucht, gegen die sie nun Klage eingereicht hat. Durch das Musterverfahren sollen die Versicherungsnehmer erkennen können, in welchen Fällen ihre Betriebsschließungsversicherungen leistet und in welchen nicht. Die betroffenen Versicherer haben dem Verfahren zugestimmt.  

„Mit dem Verfahren wollen wir Sicherheit und Klarheit für alle Beteiligten, Versicherte sowie Versicherer, schaffen“, erklärte Interims-Behördenleiter Christopher Woolard. Eine Entscheidung wird für die zweite Julihälfte erwartet.  

Nach wie vor hält die Finanzaufsicht jedoch an ihrer Ansicht fest, dass für die meisten Versicherungsnehmer kein Versicherungsschutz aufgrund von Covid-19 besteht, da die meisten Policen lediglich Sachschäden abdecken würden.    

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