Berufshaftpflicht: Wenn der Haarschnitt schmerzhaft wird

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Bei der Blondierung ihrer Haare erlitt eine Friseurkundin schmerzhafte Verbrennungen und Verätzungen. Vor Gericht ging es nun um die Höhe des Schmerzensgelds – und ob die Haftpflichtversicherung diese beeinflusst.

Eine fehlerhafte Behandlung beim Friseur kann Ursache für ein hohes Schmerzensgeld sein.

Eine fehlerhafte Behandlung beim Friseur kann Ursache für ein hohes Schmerzensgeld sein. Bild: AdobeStock / Darcy

„Voila. Wie finden Sie es?“ Nicht immer sind Kunde und Friseur nach einem Haarschnitt über das Ergebnis einer Meinung. Dass ein schiefer Pony oder eine zu kurz geratene Mähne jedoch Anlass für Schmerzensgeld bieten, ist dann doch eher die Ausnahme. Über eine dieser Ausnahmen musste nun das OLG Köln (Az: 20 U 287/19) entscheiden.  

Eine Frau hatte sich im Dezember 2016 dazu entschlossen, dass ihrem Äußeren blonde Strähnen gut zu Gesicht stehen würden. Beim Friseur trug eine Angestellte entsprechend Blondiercreme auf das Haar der Frau auf. Das Ergebnis war jedoch alles andere als wunschgemäß: In einem handtellergroßen Bereich am Hinterkopf fanden sich nach dem Auftragen der Blondiercreme Verbrennungen bzw. Verätzungen 1. und 2. Grades. Die Kundin musste sich hiernach über Monate einer Schmerz- und Infektionsbehandlung mit verschiedenen Medikamenten unterziehen. Noch heute wachsen auf einer rechteckigen Fläche von circa 3 bis 5 cm keine Haar mehr.  

Als Entschädigung bot der Friseur lediglich einen Friseurgutschein. Dies reichte der Kundin – nachvollziehbarerweise – jedoch nicht, weswegen sie vor Gericht zog. Ihre Forderung: ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro sowie die Verpflichtung des Friseurs, etwaige weitere Schäden zu ersetzen. Das Landgericht Köln sprach der Frau jedoch nur 4.000 Euro zu – zu wenig, empfand die Kundin und ging in Berufung.  

Das OLG Köln erhöhte nun das Schmerzensgeld für die Frau auf 5.000 Euro. Dieser Betrag sei angemessen im Verhältnis zu vergleichbar gelagerten Sachverhalten, wenn man die erheblichen Folgen der Blondierung mit zahlreichen Arztbesuchen und erheblichen Beeinträchtigungen, insbesondere Schmerzen, einer bakteriellen Infektion und einer mehrwöchigen regelmäßigen Einnahme von Schmerzmitteln, Antiobiotika und Kortikoiden (bspw. Cortison) und den Dauerschaden am Hinterkopf der Klägerin berücksichtige.  

Der Argumentation der Klägerin, die Schmerzensgeldsumme zu erhöhen, da der Friseur über eine Haftpflichtversicherung verfüge, folgte das OLG Köln jedoch nicht.