„Berater müssen nicht ständig ein Auge auf die Fondsauswahl haben“

Vorsorgekonzepte Berater Top News von Oliver Lepold

Wie wählt man die passenden Fonds für eine Fondspolice aus? Auf welche Kriterien oder Kennzahlen kommt es an? procontra befragt dazu Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP).

Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) rät Maklern dazu, einen ausgewogenen Mix aus aktiven und passiven Fonds zu empfehlen.

Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) rät Maklern dazu, einen ausgewogenen Mix aus aktiven und passiven Fonds zu empfehlen. Bild: privat

procontra: Wie legen Makler das Risikoprofil von Kunden fest, die eine Fondspolice für die Altersvorsorge erwerben möchte?

Michael Hauer: Gemäß IDD sollten die Makler das Risikoprofil der Kunden auf der Basis der Risikoneigung und der Risikotragfähigkeit festlegen. Dazu gibt es einige Fragen wie zum Beispiel Wunsch des Kunden nach Garantien oder die Einstellung des Kunden zu Schwankungen bei der Geldanlage usw. In der Regel bieten die Versicherer dazu Softwaretools an, mit denen das Anlegerprofil des Kunden sehr gut bestimmt werden kann. Unser kostenfreies IVFP-Tool wird dazu von mehreren Versicherern genutzt.

procontra: Wie sollte man auf dieser Basis die geeigneten Fonds auswählen?

Hauer: Die geeigneten Fonds so zusammenzustellen, dass das Anlegerprofil genau getroffen wird und – was noch wichtiger ist – auch fortlaufend über die Jahre weiterhin dem Anlegerprofil des Kunden entspricht, ist schwierig. Daher neigen immer mehr Berater dazu, passende gemanagte Strategien, also etwa eine konservative, ausgewogene oder chancenorientierte Strategie zu wählen, die das Anlegerprofil des Kunden abbildet. Vorteil dieser gemanagten Strategien ist, dass sie fortlaufend dem Risikoprofil des Kunden entsprechen und dies ist gemäß §7b Abs. 1 VVG auch erforderlich. Berater müssen also nicht ständig ein Auge auf die Fondsauswahl haben. Bemerkenswert ist, dass die aktiv gemanagten Strategien in manchen Fondspolicen mit relativ geringen Kosten belegt sind.

procontra: Für welche Zielgruppen ist stattdessen eine individuelle Zusammenstellung von Fonds die beste Lösung?

Hauer: Wenn der Kunde eine exklusive individuelle Lösung haben will oder eine eigene Strategie entwickelt hat, dann kann er dies tun – die Auswahl an angebotenen Fonds ist bei den meisten Versicherungsgesellschaften dafür ausreichend. Aus meiner Sicht dürften aber für die meisten Kunden die angebotenen Strategien ausreichen.

procontra: Wie haben sich Qualität und Bandbreite der Fonds in Fondspolicen generell entwickelt?

Hauer: Aus unserer Sicht ist beides in den letzten Jahren wesentlich besser geworden. Die Anzahl der Fonds hat sich vergrößert. Dabei ist insbesondere das Angebot passiv gemanagter Fonds wesentlich größer geworden und inzwischen bei vielen Fondspolicen mit im Angebot. Auch sind insbesondere aufgrund der IDD-Anforderungen immer mehr aktiv gemanagte Strategien entstanden, die auch relativ kostengünstig sind. Und schließlich werden immer häufiger Fonds als institutionelle Anteilsklassen oder auch Clean-share-class-Fonds mit zum Teil beachtlich reduzierten Verwaltungskosten im Rahmen von Fondspolicen angeboten.

procontra: Welche Rolle spielen die Fondskosten bei der Auswahl?

Hauer: Kosten spielen nahezu immer eine Rolle – sie sollten aber nicht das einzige Kriterium sein. In manchen Fällen gibt es aktiv gemanagte Fonds mit einer Strategie, die man so nicht mit ETF abbilden kann. Dann sollte man eher in den aktiv gemanagten Fonds investieren. Oftmals ist auch ein Mix die beste Lösung. Bei den gemanagten Strategien kommen oftmals sowohl aktiv als auch passiv gemanagte Fonds zum Einsatz. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Den verbreiteten Glauben, dass ETF die einzige optimale Lösung seien, teile ich nicht.

procontra: Gibt es eine Faustregel, ab wann Fondspolicen im Vergleich zur Direktanlage in Fonds günstiger kommen?

Hauer: Bei einer Direktinvestition in einen Fonds fällt bei jedem Fondswechsel sowohl die Belastung durch die Abgeltungsteuer als auch ein Agio beim Erwerb des neuen Fonds an. Beides entfällt bei einer Fondspolice. Über die Laufzeit – in der Regel nach etwa zwölf Jahren – wirken sich diese Vorteile der Fondspolice so positiv aus, dass die anfänglichen Vertriebskosten der Fondspolice mehr als kompensiert werden. Betrachtet man Einmalbeiträge, dann differieren die Anfangskosten von Fondspolicen und Direktinvestments nur geringfügig. Makler können diesen komplexen Sachverhalt im vom IVFP entwickelten Tool „FondsanlagenOptimierer“ berechnen, den einige Versicherer gratis online zur Verfügung stellen.

procontra: Welche Kennzahlen sind für ein Rating wichtig?

Hauer: Die wichtigsten Produktparameter sind laut einer vom IVFP durchgeführten Untersuchung die Unternehmenskennzahlen, die Rendite und Flexibilität des Produkts und die Transparenz der wesentlichen Informationen dazu. Das führt bei unserem Rating zu rund 100 Bewertungskriterien pro Produkt/Tarif. Anhand von jeweils 16 Musterfällen werden Renditen ermittelt, die in die Renditebewertung miteinfließen. Wir untersuchen seit 15 Jahren aus Verbrauchersicht – unabhängig und neutral – anhand öffentlich zugänglicher Daten. Damit möchten wir eine Orientierung im Produktdschungel geben und die Kaufentscheidung bei der Produktwahl in der Vorsorge zu erleichtern.

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