bAV: Lässt Corona Betriebsrenten schmelzen?

Michael Fiedler Versicherungen Corona

Wie bedrohlich sind die Folgen der Corona-Krise für Betriebsrenten? Opel will das eigene bAV-System „grundlegend modernisieren“ und bei Galeria Karstadt Kaufhof kommt es zu Auszahlungsverzögerungen.

Wie gefährlich ist Corona für Betriebsrenten?

Lässt Corona Betriebsrenten schmelzen? Zwei Arbeitgeber verweisen auf die Krise, um bAV-Strukturen zu ändern. Bild: Tantien3 / pixbay

Angesichts der Corona-Krise lockert die Finanzaufsicht die Regeln für Pensionsfonds und Versicherer. So können beispielsweise Unterdeckungen geduldet werden, Abgabefristen für Bedeckungspläne wurden verlängert und Zahlungen des Arbeitgebers, der hinter einem Pensionsfonds steht, müssen erst 2021 statt 2020 erfolgen.

Pensionskassen und kleinen Versicherern, die das Sicherungsvermögen auf Basis der Anlageverordnung (AnlV) investieren müssen, will die BaFin helfen, indem sie es vorübergehend nicht beanstandet, wenn die Unternehmen ihre 25-prozentige Immobilienquote übertreffen. Aufsichtsrechtlich bedingte Notverkäufe von Immobilien sollen so vermieden werden.

Opel: Weg von der 100-Prozent-Finanzierung?

Doch reichen diese Maßnahmen, um Schwierigkeiten zu vermeiden? Zwei Meldungen aus den letzten Tagen lassen daran Zweifel aufkommen. Da wäre zum einen Autohersteller Opel. Für dessen ca. 15.000 Mitarbeiter soll es eine „grundlegende Modernisierung“ der betrieblichen Altersvorsorge geben, berichten Handelsblatt und Wirtschaftswoche. Bereits erworbenes Renten-Kapital soll zwar unangetastet bleiben, aber die zu 100 Prozent vom Arbeitgeber getragene bAV könnte wohl bald der Vergangenheit angehören. Zudem soll die durchschnittliche Verzinsung trotz Niedrigzins bei fünf Prozent liegen. Dass der Arbeitgeber angesichts dessen von einem „gewichtigen Kostenfaktor“ sprechen soll, wundert kaum.

Galeria Karstadt Kaufhof: Nicht alle Betriebsrenten betroffen

Der zweite Arbeitgeber ist Galeria Karstadt Kaufhof. Hier berichteten Berliner Kurier und Bild-Zeitung, dass es im Zusammenhang mit dem Schutzschirmverfahren zu Verzögerungen bei den Auszahlungen an Betriebsrentner käme.

Das betrifft aber längst nicht alle Betriebsrentner der Handelshof-Kette. Denn der Konzern, der durch mehrere Fusionen und Zukäufe entstand, nutzte auch mehrere bAV-Durchführungswege. Von den aktuellen Verzögerungen betroffen sind Renten aus Direktzusagen und einer Unterstützungskasse, die von Galeria Karstadt Kaufhof verwaltet und ausgezahlt werden.
Die betriebliche (tarifliche) Altersvorsorge über die Hamburger Pensionskasse von 1905 VVaG (HPK) ist hingegen weder von den Zahlungsverzögerungen noch vom Schutzschirmverfahren betroffen.

Bleibt die Frage, wie es um den Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) bestellt ist, der im Falle einer Insolvenz des Arbeitgebers – vereinfacht gesagt – die Zahlungen absichern soll. Dessen Vorstand, Dr. Marko Brambach, erklärte auf procontra-Anfrage, dass die Leistungsfähigkeit des Versicherungsvereins in keiner Weise gefährdet sei. Immerhin eine gute Nachricht.

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