bAV: Ist die Rendite wirklich so schlecht?

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Das Besondere: Zwei Förder-Chancen in einer Police

„Für einen Berufsanfänger summiert sich der finanzielle Vorteil durch Förder-Hopping konservativ geschätzt bis zum Rentenalter auf über 17.000 Euro mehr Altersversorgung“, sagt Löbbecke. Durch Einbeziehung der Riester-Förderung lassen sich auch „Störfälle“ lösen, wie Arbeitslosigkeit, Langzeiterkrankung, Elternzeit und fehlende Möglichkeit, die bAV bei Jobwechsel zum neuen Arbeitgeber mitzunehmen. In solchen Fällen konnten die Verträge zuvor häufig nur noch beitragsfrei gestellt werden (procontra berichtete).

„Die bAV ist die logische, sinnvolle Alternative zu allen anderen Sparformen", fasst Löbbecke zusammen. Dies sei selbst bei Kurzarbeit effizient, da der Berechtigte monatlich die Förderart wechseln und somit die Riester-Förderung nutzen könne. Allein die staatliche Förderung samt neuem SV-Freibetrag für Betriebsrentner sowie der obligatorische Arbeitgeberzuschuss „bringen im Schnitt vier bis fünf Prozent Systemrendite“, so der Referent weiter.

„Eine hohe Aktienquote in der Kapitalanlage ist gar nicht nötig, denn selbst bei null Prozent Produktrendite ist die Fördersystemrendite unschlagbar“, sagt Thomas Dommermuth, Steuerberater und Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. In seinem Vortrag hat er für den genannten Beispielfall die Vorteile von Entgeltumwandlung und Riester-Rente auch für höhere Einkommen ausgerechnet.


“In den grün markierten Feldern ist die Riester-Förderung besser, in allen anderen Fällen die Entgeltumwandlung“, erklärt Dommermuth. Wie stark sich die staatliche Förderung auswirke, zeigt der jeweils angefügte Vergleich zu einer privaten Rentenversicherung (3. Schicht). „Die bAV schneidet zumeist deutlich zweistellig besser ab, wobei noch nicht einmal die kostengünstigen Konditionen von Kollektivtarifen berücksichtigt sind“, so Dommermuth.

Wenn der Soli wegfällt und in die bAV gesteckt wird

Für 2021 kündigte der Wissenschaftler, der auch zum Beirat des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) gehört, eine weitere gesetzliche Neuerung an, die für die bAV nutzbar sei. Gemeint ist die sinnvolle Verwendung der künftigen Ersparnis beim Solidaritätszuschlag für die eigene Altersvorsorge (procontra berichtete). Zum 1. Januar 2021 werden Begünstigte monatlichen bis zu 78 Euro netto Mehreinkommen haben (Verheiratete das Doppelte).

Das IVFP hat einen Solirenten-Rechner entwickelt. Er hilft bei der Ermittlung der Soli-Ersparnis und zeigt Maklern darüber hinaus noch die Effekte auf, die sich durch das Ausschöpfen staatlicher und betrieblicher Förderungen ergeben. „Dadurch lässt sich der aus der Soli-Ersparnis generierte Produktbeitrag je nach Situation mehr als verdoppeln“, so Dommermuth. Ein Lediger mit 4.000 Euro brutto könne seine monatlich bisher bezahlten 37 Euro Soli-Zuschlag als Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung stecken und so fast 83 Euro monatliche Betriebsrente erzielen, rechnet Dommermuth vor.

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