Baufinanzierung: So sieht der Durchschnittskunde aus

Matthias Hundt Sachwerte

Baufikunden haben steigenden Finanzierungsbedarf und wollen sich das Zinsniveau möglichst lange sichern. Der Baufinanzierungsmarkt in Zahlen.

Bei Erstfinanzierungen steigt der Kapitalbedarf weiter an. Bild: Adobe Stock/Hurca!

Die Immobilienpreise entwickeln sich trotz der wirtschaftlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weiter nach oben. So notierte der Europace Hauspreis-Index (EPX) im Mai 2020 mit 177,5 Punkten um 0,8 Prozent über dem Aprilniveau. Im Vergleich zum März (174,8), als die Coronakrise Deutschland voll erreichte, liegt der Index sogar um 1,5 Prozent höher. Der Langfristtrend ist ohnehin ungebrochen, fast 11 Prozent legte der Index seit Mai 2019 zu.

Neubauten wieder vor Eigentumswohnungen

Will man überhaupt einen Coronaeffekt ausmachen, so ließe er sich im Segment der Eigentumswohnungen beobachten. Hier verlangsamte sich der Anstieg. Seit März kletterte der Indexwert für Eigentumswohnungen nur um 0,72 Prozent auf 182,5 Punkte. Damit setzten sich die Neubauten als Segment wieder an die Spitze (183,4).

Stefan Kennerknecht, Co-CEO der Europace AG sieht folgenden Zusammenhang: „Die Nachfrage nach Immobilien orientiert sich momentan stärker an den veränderten Bedürfnissen bedingt durch Corona. Mehr Platz, Grundstücke mit Außenbereich und räumlicher Abstand zu anderen spielen jetzt bei der Auswahl eine größere Rolle. Das Haus rückt in den Fokus, das metropolnahe Umland sowie das Land werden attraktiver. Eine Wohnung, gerade in den teureren Ballungsgebieten, wirkt vor dem Hintergrund der Pandemie weniger reizvoll.”

Erst- und Anschlussfinanzierung gezielt beraten

Neben den aktuell getriebenen Bedürfnissen auf Segmentebene, können Vermittler zudem die Entwicklungen beim Finanzierungsbedarf berücksichtigen, um ihre Baufi-Kunden gezielt anzusprechen und zu beraten. Auf den Punkt gebracht benötigt der durchschnittliche Baufi-Kunde weniger als 400 Euro für seine monatliche Rate, tilgt rund 2,5 Prozent seiner Kreditsumme von 334.000 Euro, benötigt etwa 13 Prozent Eigenkapital und bindet sich knapp 14 Jahre an den Sollzins.

Im Mai 2019 lag die durchschnittliche Darlehenssumme laut Europace Trendbarometer Immobilienfinanzierung bei Erstfinanzierungen noch bei 294.000 Euro. Ein Beleg für anhaltend steigende Immobilienpreise. Bei Anschlussfinanzierungen geht der Tilgungssatz dann spürbar nach oben (4,3%), die Sollzinsbindung bleibt bei über 13 Jahren weiter hoch. Beides begünstigt durch niedrige Zinsen, die sich Häuslebauer möglichst lang sichern wollen und die höhere Tilgungssätze erlauben.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare