Altersvorsorge: Warum Frauen weiter weniger tun

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache

Letztlich sei die bAV Frauen und Männern aber gleich wichtig. „Unterschiede gibt es bei den Top-3-Antworten nur in der Reihenfolge“, so Marchlewski. Frauen empfinden einfache Mitnahmemöglichkeiten ihrer Ansprüche am wichtigsten, gefolgt von flexiblen Modellen nach Lebenssituation und dem Überblick aller wichtigen Infos, sagen zwei Drittel der Befragten. Männern ist die regelmäßige Information am wichtigsten, gefolgt von einfachen Mitnahmemöglichkeiten sowie flexiblen Modellen nach Lebenssituation.

Was individuelle Ansprache der Mitarbeiterinnen bewirkt

Im Webinar berichtete Karin Steinhauser, Head of Global Benefits & Pensions bei Siemens Healthineers, zu ihren Erfahrungen als HR-Expertin mit der bAV der weiblichen Belegschaft. Die bAV werde zwar geschätzt, aber sei als Nebenleistung nicht von oberster Priorität für die Mitarbeiterinnen. „Die Frauen schätzen am meisten Work-Life-Balance, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten“, berichtete Steinhauser. In der bAV sei eine personalisierte Ansprache für eine individuelle Altersvorsorge essentiell.

Steinhauser machte dies am Beispiel von Siemens in Großbritannien deutlich. Dort wurde zwischen 2015 und 2019 ein Vier-Stufenplan zur Veränderung der bAV umgesetzt. Dazu wurden 26 unterschiedliche Zielgruppenansprachen entsprechend Alter, Einkommen und Pensionsbeteiligung verwendet. Ergebnis: 34 Prozent von rund 13.000 Mitarbeitern erhöhten ihren bAV-Beitrag - ein Drittel von denen gleich um rund 30 Prozent. „Die Bereitschaft, sich mit der persönlichen finanziellen Situation auseinanderzusetzen, stieg um 80 Prozent“, so Steinhauser.

Ergebnisse früherer Aon-Umfragen

Aon hatte schon mehrfach in der Vergangenheit die bAV aus Arbeitnehmersicht beleuchtet. Zwei geschlechtsneutrale Kernaussagen vom Frühjahr 2018: Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer in KMU bis 250 Mitarbeiter würde 500 Euro pro Jahr in die Absicherung stecken. Und: 45 Prozent würden bAV nutzen, wenn der Chef was dazu gibt (procontra berichtete).

Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der bAV von Frauen und Männern beleuchtete dann eine Aon-Befragung vom Herbst 2018 in Großbetrieben mit mehr als 10.000 Beschäftigten. Unter Arbeitnehmern leisten Männer dort zu 65 Prozent Eigenbeiträge für ihre bAV, Frauen nur zu 46 Prozent (procontra berichtete).

Der wichtigste Grund, nicht zu investieren: Das Einkommen reicht nicht aus. Das sagen laut Studie fast 19 Prozent der Befragten. Frauen nennen diesen Grund doppelt so oft wie Männer und bräuchten daher eine stärkere Priorität der eigenen Altersvorsorge auch innerhalb der Familie, da ein Ehemann eben keine gute Altersvorsorge für die Frau ist (procontra berichtete).  Die bAV ist dabei gerade für Geringverdiener lukrativ (procontra berichtete).

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