Altersvorsorge: Warum die „halbe“ Privatrente lohnt

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Privatrente mit Kapitalabfindung?

Und die Alternative? Da überrascht der eher versicherungskritische Experte seine Leser: „Wer die finanzielle Freiheit liebt, sollte die private Rentenversicherung nicht übersehen, weil sie der passende Kompromiss sein kann.“ Sie ist wie die Rente vom berufsständischen Versorgungswerk und die Basisrente ein Rentensparplan mit Einzahlungen und Rückflüssen, doch der Anleger hat beim Eintritt in den Ruhestand die Wahl:

  1. Entweder ruft er das angesammelte Geld ab (Kapitalabfindung), bezahlt die Steuern auf die Hälfte der Zinsen und macht mit dem Rest, was er will.
  2. Oder er lässt das Kapital vom Versicherer verrenten – hochgerechnet auf die aktuellen Sterbetafeln, und entrichtet etwas niedrigere Steuern auf den Ertragsanteil der Renten.

Im zweiten Fall kommt selbst bei bei einem Direktversicherer wie Cosmos eine negative Rendite (-0,79 Prozent nach Steuern) heraus. Das ist nicht lustig. Looman plädiert daher für die „halbe“ Rentenversicherung und damit den ersten Fall: Das Guthaben wird auf einen Schlag komplett ausgezahlt (Kapitalabfindung), und anschließend verrentet der Anleger nach Gutdünken selbst.

Bei der Kapitalabfindung sind die Sparraten zwar steuerlich nicht absetzbar, und auf die Ablaufleistung fällt eine Steuer von 8.000 Euro an, sofern die Police ab 2005 abgeschlossen worden war. Das hält Looman jedoch für kaum der Rede wert, weil das Restkapital - bei der Cosmos voraussichtlich 228.000 Euro - im Ruhestand nach eigenen Vorstellungen ausgegeben oder auch vererbt werden kann.

Verrentung auf eigene Faust, aber wie?

Wenn das Geld dann auf dem Girokonto liegenbleibt, kann es bis zum 85. Geburtstag eine zinslose Monatsrente von 1.056 Euro geben. Wird das Kapital in Anleihen investiert, fällt zwar für die Zinsen Abgeltungsteuer an, doch damit sparen vermögende Privatleute sogar Geld. Noch wichtiger ist die Freiheit, mit dem Geld tun und lassen zu können, was das Herz begehrt. Noch renditeträchtiger wäre ein Investment von beispielsweise 25 oder 50 Prozent der Kapitalabfindung in Aktien-ETF (procontra berichtete). „Dazu gehört allerdings Mut, den die meisten Leute nach Ende ihrer Berufsphase nicht haben, weil Verluste sich sofort nachteilig im Lebensstandard bemerkbar machen“, weißt Looman.

Doch auch mit Anleihen scheint ihm die „halbe“ Rentenversicherung die beste Lösung zu sein: Arbeiten und Sparen im Moment, selbstbestimmte Rente und Freiheit im Alter. Schaut man sich die aktuellen Angebote an, muss man jedoch tiefergraben. Im Privatrenten-Rating (klassische Tarife) des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung schneiden nur R+V sowie Europa exzellent ab (procontra berichtete). Insgesamt sehr gut und zudem mindestens sehr gut im Teilbereich Rendite wurden Hannoversche, Continentale, Ideal, Stuttgarter und WGV eingeschätzt. Bei „neuer“ Klassik (procontra berichtete) ragte zudem noch die Allianz heraus.

Kaum Statistik zu langlaufende Privatrenten

Allerdings ist das Raster zu grob, um zu erkennen, welche Vorteile eine Kapitalabfindung gegenüber der lebenslangen Aufschubrente dieser Anbieter hätte. Da hilft die Analyse „Klassik im Vergleich“ (Map-Report Nr. 908) von 2019 (procontra berichtete). Im Musterfall brachte eine 1999 vereinbarte Privatrente nach 20 Jahren Laufzeit eine Kapitalabfindung von durchschnittlich 3,59 Prozent Beitragsrendite, nach 12 Jahren (Start 2007) 2,21 Prozent.

Die besten Ablaufwerte nach 20 Jahren schafften unter nur 15 Teilnehmern (damals war die Privatrente noch ein Nischenprodukt) der Regionalanbieter Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig (4,17 Prozent Rendite), WGV (4,12 Prozent), Huk-Coburg (3,86 Prozent) und Stuttgarter (3,75). Der niedrigste Wert kam von der Europa (3,13 Prozent). Freilich lagen die Erträge 2008 bei weitgehend noch nicht manipulierten Märkten deutlich höher – im Schnitt bei 5,27 Prozent nach 20 Jahren und damit 168 Basispunkte höher als 2019. Beschwerden über diese politisch motivierten Eingriffe in die Altersvorsorge sollten an die EZB gerichtet und die Regierungspolitik an der Wahlurne beurteilt werden.

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