Altersvorsorge: Warum die „halbe“ Privatrente lohnt

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Die Niedrigzinsen verhageln weitgehend eine sichere Altersvorsorge mit hoher Rendite. Auch die Lebenserwartung drückt die klassische Privatrente ins Minus. Doch Finanzanalytiker Volker Looman sieht einen kleinen Ausweg: über Kapitalabfindung.

Wenn man sich die Privatrente nicht scheibchenweise auszahlen lässt, sondern auf einen Schlag, und das Geld dann selbst verrentet, bleibt man flexibel und frei, sagt Volker Looman.

Wenn man sich die Privatrente nicht scheibchenweise auszahlen lässt, sondern auf einen Schlag, und das Geld dann selbst verrentet, bleibt man flexibel und frei, sagt Volker Looman. Bild: Pixabay / Gerd Altmann

Der Bürger muss sich in Finanzdingen vor allem auf sich selbst verlassen. Das zeigt die von der EZB initiierte künstliche Niedrigzinsphase seit über zehn Jahren. Nur durch Eigeninitiative, unterstützt durch möglichst unabhängige Berater, lässt sich der schleichenden Enteignung der Vorsorgesparer entgehen. „Spare für die Zeit im Alter, auch wenn es dafür keine Zinsen gibt“, rät Finanzanalytiker Volker Looman (procontra berichtete).

Mit dem Sparen und Absichern so früh wie möglich anzufangen, ist eine Binsenweisheit. Viele geben aber erst mit 50 oder noch später richtig Gas, sind jedoch mangels überzeugender Produktangebote verunsichert, zumal, wenn die Sicherheit der Anlage im Vordergrund stehen soll. Das Schicksal teilen sie oft mit ihren Beratern. Kapitalmarktnahe Lösungen sind nicht jedermanns Geschmack, zumal das Kapitalmarktrisiko sehr zu Lasten des Anlegers verschoben ist.

Wie der Kompromiss aussehen könnte, berichtete Looman vergangene Woche in seiner wöchentlichen FAZ-Kolumne. Ein Rechtsanwalt (50) will ab sofort 1.000 Euro pro Monat auf die Seite legen, möglichst sicher und rentabel. Beides zusammen ist kaum möglich. Looman erdet den Juristen gleich mal mit der nüchternen Einsicht, dass es „zur Arbeit und zum Sparen keine Alternativen gibt und Zins nebst Zinseszinsen die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen“.

Wohin mit dem Anwalts-Geld: Versorgungswerk?

Sein berufsständisches Versorgungswerk bietet dem Anwalt an, die Altersrente durch Zusatzzahlungen aufzubessern. Dafür winken ihm bei monatlichen Einzahlungen von 1.000 Euro über 17 Jahre am Ende auch 1.000 Euro Auszahlung – 18 Jahre lang, falls er die statistische Lebenserwartung erreicht. Das ergäbe nach Looman 12.000 Euro Überschuss oder umgerechnet 0,33 Prozent Zins pro Jahr.

„Das Angebot ist vor Steuern flau und bleibt auch nach Steuern mau, denn die Verzinsung steigt lediglich auf 1,1 Prozent“, stellt Looman klar. Interessant werde die Sache erst, wenn der Anwalt mindestens seinen 95. Geburtstag erreicht. Dann klettert die Rendite nach Steuern auf jährlich 2,9 Prozent. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, meist sorgt angegriffene Gesundheit schon früher dafür.

Alternative Basisrente?

Als eine Alternative bietet sich die Basisrente an, die im Alter zwingend zu verrenten ist. Das Strickmuster ist mit dem Rentensparplan des Versorgungswerkes vergleichbar. Auch die steuerlichen Konditionen sind identisch. Die Lebensversicherer bieten teilweise aber deutlich weniger als das Versorgungswerk.

Bei der Allianz sind es voraussichtlich 866 Euro Basisrente pro Monat, was nach Steuern 0,25 Prozent Rendite pro Jahr brächte. Bei der Debeka sind es 738 Euro, und beim Direktversicherer Europa 1.058 Euro. „Versorgungswerke sind besser als ihr Ruf“, stellt der Finanzanalytiker nüchtern fest.

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