Altersvorsorge: So gestalten Senioren den Übergang in den Ruhestand

Anne Hünninghaus Berater

Das Renteneintrittsalter der Deutschen hat sich laut einer Studie auf 64 Jahre gesteigert. Zudem wächst die Bereitschaft, auch im höheren Alter noch zu arbeiten. Dennoch wird der Bedarf nach privater Altersvorsorge immer dringlicher.

Wie stellen sich die Deutschen den Übergang in den Ruhestand vor?

Wie stellen sich die Deutschen den Übergang in den Ruhestand vor? Bild: Adobe Srock/detailblick-foto

Die Corona-Krise trifft nun auch die Rentner: Gestern gab die Deutsche Rentenversicherung bekannt, dass es im kommenden Jahr eine Nullrunde geben wird. Im Westen werde es zu keiner Steigerung kommen, im Osten betrage diese lediglich 0,7 Prozent, so die Prognose. Eine trübe Botschaft für deutsche Rentner, in den vergangenen zehn Jahren hatte es in jedem Jahr teils saftige Erhöhungen gegeben.

Zurzeit leben in Deutschland rund 17 Millionen Menschen, die älter als 66 Jahre sind. Und ein Blick in die Zukunft verrät: Mit der geburtenstarken Generation der Babyboomer, die in den 1950er und 1960er geboren wurde, werden bald jährlich mehr als eine Million Menschen das Ruhestandsalter erreichen. Vor diesem Hintergrund hatte die Bundesregierung bereits 2006 beschlossen, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Die Übergangsphase wird im Jahr 2030 mit dem Geburtsjahrgang 1964 abgeschlossen sein.

Welche Einstellungen und Absichten Deutsche im Alter von 55 bis 70 Jahren in Bezug auf ihren Ruhestand vertreten, hat nun das Wiesbadener Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) untersucht. Für die Studie "Transitions and Old Age Potential" (TOP) wurden rund 5.000 Personen dieser Altersgruppe in einem Zeitraum von sechs Jahren regelmäßig interviewt.

Senioren arbeiten immer länger

Ein zentrales Ergebnis: Die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen ist in den vergangenen Jahren beträchtlich gestiegen. Die noch in den 1990er Jahren verbreiteten Frühverrentungen hatten dazu geführt, dass zur Jahrtausendwende das durchschnittliche Alter beim Renteneintritt bei 62,2 Jahren lag. Heute ist der Durchschnittsrentner exakt 64 Jahre alt, das Geschlecht spielt dabei kaum eine Rolle.

„Wir beobachten einen ungebrochenen Trend zu Zweiverdienerpaaren, der bei einem moderat steigenden Renteneintrittsalter weiter anhalten wird“, analysiert Institutsdirektor Professor Norbert F. Schneider die Daten. 2018 waren im Falle jedes zweiten Paars im Alter von 50 bis 69 Jahren beide Partner erwerbstätig – 1996 traf dies nur auf jedes vierte Paar dieser Altersgruppe zu. Auffallend sind dabei regionale Unterschiede. Besonders der Anteil derjenigen, die in diesem Alter in Vollzeit arbeiten, ist in den neuen Bundesländern mit 39 Prozent deutlich höher als in den alten Bundesländern mit 23 Prozent. Frauen geben als Grund für ihre Weiterbeschäftigung vor allem „Spaß an der Arbeit“ an (44 Prozent), Männer bezwecken damit hauptsächlich, den „Kontakt zu anderen Menschen“ aufrechtzuerhalten. Finanzielle Aspekte gaben beide Geschlechter erstaunlicherweise als zweitrangig an.

(c) BiB

In der betrachteten Generation sind die Männer häufig mehrere Jahre älter als ihre Partnerinnen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass sie in knapp der Hälfte der Fälle auch zuerst in den Ruhestand treten. Nur für ein Drittel der befragten Paare spielt es keine Rolle, zeitgleich in Rente zu gehen, bei den restlichen ist dies zumindest einem von beidem ein wichtiges Anliegen. Das macht die Planung teils schwierig, und stellt Paare vor die Entscheidung, ob entweder die meist jüngere Partnerin früher aus dem Erwerbsleben aussteigt oder der ältere Partner länger erwerbstätig bleibt.

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