5 BU-Urteile, die Makler auf dem Schirm haben sollten

Arbeitskraftabsicherung Berater Top News von Sebastian Wilhelm

Was bedeuten eigentlich 50 Prozent Berufsunfähigkeit? Woran bemisst sich die Lebensstellung? Wie wird Berufstätigkeit genau definiert? Über diese und weitere BU-Fragen musste gerichtlich entschieden werden – hier einige Urteile, die für BU-Makler relevant sind.

Immer Ärger mit den BU-Fragen? Wir haben 5 Urteile gesammelt, die Makler und ihre BU-Kunden kennen sollten.

Immer Ärger mit den BU-Fragen? Wir haben 5 Urteile gesammelt, die Makler und ihre BU-Kunden kennen sollten. Bild: Adobe Stock/Graphics Master

Versicherungsbedingungen sind im Allgemeinen keine Lektüre mit hohem Spaßfaktor. Der Hauptgrund: Jede Aussage muss juristisch akkurat sein. Der Auslegungsspielraum soll so klein wie möglich gehalten werden.

Dass dennoch immer wieder Raum für Interpretation und Auseinandersetzungen bleibt, ist allseits bekannt. Allein mit Urteilen zur Berufsunfähigkeit kann man eine Bibliothek füllen. Sie alle zu kennen, ist selbst für Fachanwälte kaum möglich, geschweige denn für Versicherungsmakler. Muss aber auch nicht sein. Denn die meisten Urteile betreffen nur Einzelfälle. Andere indes haben grundsätzliche Bedeutung für alle BU-Kunden. Die folgenden fünf BU-Urteile beispielsweise sollten auch Makler kennen:

1. Ein Hobby, das Beruf werden soll, ist keine versicherte Tätigkeit

Für die BU-Leistungsfallbewertung ist der „zuletzt ausgeübte Beruf“ maßgeblich. Doch was ist bei mehreren parallel ausgeübten Tätigkeiten, etwa als Angestellter und nebenher selbstständig? Dieser Frage widmete sich der Bundesgerichtshof (BGH) im vergangenen Jahr (Aktenzeichen IV ZR 182/17). Der Kläger hatte neben seinem Angestellten-Job noch eine Korallenzucht aufgebaut, die zwar noch keinen Gewinn abwarf, mit der er sich aber perspektivisch in Vollzeit selbstständig machen wollte. Nach einem Sturz konnte er die Zucht nicht mehr ausüben, seinen Hauptberuf aber noch zu mehr als 50 Prozent. Die beantragte BU-Rente verweigerte der Versicherer. Mit Recht, wie der BGH entschied. Die Korallenzucht sei als Hobby zu werten, ausschlaggebend sei die Angestelltentätigkeit. Grundsätzlich bemesse sich der „zuletzt ausgeübte Beruf“ daran, ob eine Tätigkeit wesentlich zum Lebensunterhalt beiträgt bzw. dauerhaft hauptsächlich ausgeübt wird (wie bei Hausfrauen und -männern, siehe nächstes Urteil).

2. Hausfrau/-mann kann ein versicherter Beruf sein, wenn der alte aufgegeben wurde

Geht eine versicherte Person in den Erziehungsurlaub, gilt dies nicht als Berufswechsel; ausschlaggebend für eine BU-Leistungsfallprüfung bleibt in dieser Zeit die zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Anders sieht es aus, wenn der alte Beruf gänzlich aufgegeben wird, um sich fortan als Hausmann oder Hausfrau in Vollzeit um Familie und Haushalt zu kümmern. Die dafür zu erfüllenden Anforderungen sind dann bei der Beurteilung einer Berufsunfähigkeit maßgeblich. Ebenso verhält es sich laut BGH-Urteil (IV ZR 143/10), wenn das „Intermezzo“ als Hausfrau/-mann so lange andauert, dass der alte Beruf wegen nicht mehr ausreichender Qualifikation nicht wiederaufgenommen werden kann.

Seite 1: Wann werden ein Hobby oder die Haushaltsführung als Beruf gewertet?
Seite 2: Urteile zu Unverzichtbarkeit, Lebensstandard und fehlenden Befunden

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