Wirtschaft im Corona-Modus: Wo die Dividenden noch relativ sicher sind

Martin Thaler Investmentfonds

Schlechte Nachricht für Aktionäre: Die Gewinnausschüttungen in diesem Jahr dürften einer aktuellen Untersuchung zufolge um bis zu 35 Prozent zurückgehen. Manche Branchen sind jedoch deutlich stärker betroffen als andere.

Füße hochlegen und auf die Dividenden warten, wird in Zukunft nach einer aktuellen Untersuchung nicht mehr so einfach möglich sein. In einigen Branchen drohen Kürzungen und Streichungen.

Füße hochlegen und auf die Dividenden warten, wird in Zukunft nach einer aktuellen Untersuchung nicht mehr so einfach möglich sein. In einigen Branchen drohen Kürzungen und Streichungen. Bild: AdobeStock/ pathdoc

Die Corona-Krise stellt für die Wirtschaft eine enorme Belastung dar – weltweit schmälern die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie die Gewinne der Unternehmen und damit auch deren Gewinnbeteiligungen für die Aktionäre.  

„Aufgrund des plötzlichen, historisch einmaligen wirtschaftlichen Stillstands in vielen Ländern ist die Aussetzung von Dividenden unvermeidlich“, erklärte Daniela Brogt, Vertriebschefin bei Janus Henderson. Laut der aktuellen Dividendenstudie der Vermögensverwaltungsgesellschaft werden die Gewinnausschüttungen in diesem Jahr um 15 (Best-Case-Szenario) bis 35 Prozent (Worst-Case-Szenario) zurückgehen.  

Wie hoch die Dividendenkürzungen letztlich ausfallen, ist stark abhängig von Region und Branche des Unternehmens. Besonders stark betroffen von Dividendenaussetzungen dürften dabei Unternehmen aus Europa sein, vor allem Frankreich. Französische Unternehmen zählen zu den größten Dividendenzahlern auf dem Kontinent, gleichzeitig war die französische Wirtschaft besonders lange einem harten Lockdown unterworfen.

Für Aktionäre deutscher Unternehmen sieht die Lage etwas besser aus. Laut Janus Henderson hat die Bundesrepublik die Corona-Krise gut bewältigt und verfüge über einen günstigen Branchenmix. Mit der Allianz habe zudem der größte deutsche Dividendenzahler angekündigt, seinen Anlegern weiter eine Dividende zahlen zu wollen und sich damit Forderungen der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA, vorläufig auf Dividendenzahlungen zu verzichten, widersetzt. Die Münchener begründeten ihre Entscheidung mit ihrer guten Finanzsituation. Zumal gäbe es Anleger, die finanziell auf die Ausschüttung der Dividenden angewiesen seien.  

Branche entscheidend

Nicht nur die Region ist nach Ansicht von Janus Henderson entscheidend für die Entwicklung der Gewinnausschüttungen, auch die jeweilige Branche der Unternehmen. Besonders unter Druck geraten werden die Dividenden bei Unternehmen aus dem Bankensektor, der Luft- und Raumfahrtindustrie, in der Bauindustrie sowie in weiten Teilen des Öl- und Bergbausektors, ist man bei der Vermögensverwaltung überzeugt.  Entspannter dürften die Aktionäre in defensiven Branchen wie der Gesundheits- und Lebensmittelwirtschaft sein – hier sind die Dividenden nach Analyse von Janus Henderson relativ sicher. Eine Ausnahme bilden hier Getränkehersteller, die stark unter den Einschränkungen innerhalb der Gastronomie zu leiden haben.  

Eine stabile Entwicklung der Dividenden erwartet Janus Henderson auch für Technologieunternehmen. Nordamerika sowie Asien dürften durch ihre starken Technologiesektoren somit wesentlich geringer von Dividendenkürzungen betroffen sein als Europa. In Asien werde der Dividendenrückgang zudem erst im kommenden Jahr spürbar werden, da bei vielen asiatischen Unternehmen die Dividenden für dieses Jahr bereits feststehen.  

Für Vertriebschefin Brogt sind die regionalen Unterschiede Beweis für die Notwendigkeit einer breiten geografischen Streuung bei Anlegern. „Der Sektor und das Unternehmensumfeld spielen aktuell eine wesentliche Rolle dafür, ob ein Unternehmen Dividenden zahlen kann. Daran lässt sich ersehen, wie wertvoll eine breite geografische Streuung bei Dividendenstrategien ist. Anleger erzielen eine weitaus bessere Sektor-Diversifizierung, wenn sie global denken, statt sich auf ein Land oder eine Region zu konzentrieren.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare