Wie beeinflusst Corona die Altersvorsorge?

Anne Hünninghaus Corona Berater Investmentfonds

Die Krise senkt die Motivation vieler Deutscher noch weiter, Geld für ihre Zukunft anzulegen. Was Berater jetzt wissen sollen, hat eine Expertenrunde diskutiert.

Wie wirkt sich Corona auf die Altersvorsorge aus?

Wie wirkt sich Corona auf die Altersvorsorge aus? Bild: Adobe Stock/ValentinValkov

So viel ist sicher: Die Corona-Pandemie wird die deutsche Wirtschaft noch sehr lange beschäftigen. Mehr als 650.000 Unternehmen haben bundesweit Kurzarbeit angemeldet, die Regierung rechnet derzeit mit über zwei Millionen betroffenen Arbeitnehmern. Wie sich dieser Umstand auf die Altersvorsorgesysteme auswirkt, haben Vertreter des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), der Deutschen Bank und des Vermögensverwalters Fidelity in einer Videokonferenz diskutiert.

Muss sich der Endkunde nun aufgrund der Pandemie-Folgen Sorgen um seine Altersvorsorge machen? Das sieht Christian Machts, Drittvertriebschef bei Fidelity, nicht unmittelbar. Dennoch könnte die Corona-Krise manche bereits andauernde Entwicklungen in der Altersvorsorge weiter beschleunigen. „Die massiven Hilfsprogramme werden zu einer höheren Staatsverschuldung führen – und eines Tages müssen wir uns die Frage stellen: Wie zahlen wir diese Gelder zurück?“, so Machts. Irgendwo wird tatsächlich gekürzt werden müssen – und wenn sich im deutschen Steuersystem etwas tut, könnte sich das wiederum auf die Gesetzliche Rentenversicherung als erste Säule der Altersvorsorge auswirken.

„Ich hoffe, dass die vergangenen Krisenwochen alle drei Säulen unseres Altersvorsorgesystems unter ein Brennglas gesetzt haben und Reformen antreiben – auch wenn die Zeichen Seitens der Politik uns gerade nicht allzu positiv stimmen“, so Machts. Nun erforderlich seien einfachere Produktkonzepte und eine Abkehr von allzu hohen Garantieversprechen, auch was Riester betrifft. Zudem brauche es eine über Riester hinausgehende staatliche Förderung von Produkten der privaten Altersvorsorge: „Wenn Vorsorgemodelle in Deutschland steuerlich gefördert sind, bekommen sie mehr Zulauf.“ Thomas Jung, Leiter Asset-Beratung der Deutschen Bank, hofft, dass sich damit auch die junge Generation erreichen lässt, die derzeit wenig bereit ist, privat oder über betrieblichen Weg vorzusorgen.

Vorsorge ist für viele Bürger gerade kein Thema

Die Motivation des einzelnen Sparers, Geld in Vorsorge und Anlageprodukte zu stecken, lässt gerade stark nach. „Die Krise bremst den privaten Vermögensaufbau aus – dabei waren wir nach den Folgejahren der Finanzkrise gerade wieder dabei, die Menschen in Aktien zu bringen“ so Fidelity-Vertriebler Machts. Berater sollten sich bewusst sein, welche drei Phasen ihre Kunden derzeit durchlaufen: In der Ersten ging es darum, die Krise und ihren Einfluss verstehen zu lernen. Die zweite Phase fokussiert die Frage: „Was soll ich denn jetzt tun, muss ich mein Portfolio neu aufstellen?" Und die Dritte – nämlich das tatsächliche Handeln und Umschichten – liege bei den meisten Privatanlegern noch in der Zukunft.

Die meisten Bürger des Landes sind durch die Krise unmittelbar betroffen, erleben Einschränkungen in ihrem Alltag und teils finanzielle Einbußen. Die Bereitschaft, sich mit Vermögensanlagen und Altersvorsorge – also Themen, die sich mit der eigenen Zukunft befassen – auseinanderzusetzen, sinkt bei den meisten während der akuten Krise beträchtlich. Nach Einschätzung von Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld (Fidelity) kann sich das mit dem weiteren Abschwächen der Restriktionen aber schon im zweiten Halbjahr wieder ändern. Gute Beratung durch Finanzanlagevermittler mache das umso wichtiger – die wiederum steht aber vor regulatorischen Hürden, unter anderem durch den geplanten Aufsichtswechsel zur Bafin.

Corona hat die Finanzkrise in den Schatten gestellt

Insgesamt sieht Roemheld in der aktuellen Phase der Lockerungen den Tiefpunkt an den Kapitalmärkten bereits überschritten. Zu einer "konstuktiven Sichtweise der Marktteilnehmer" führten einerseits das Abflachen der Infektionskurven, andererseits aber auch die geleisteten staatlichen Finanzspritzen gegenüber der Wirtschaft. Deren Größenordnung habe die Finanzkrise von 2008 in den Schatten gestellt, so Roemheld. Vor allem, weil man schon sehr viel früher als damals auf die drohende Rezession reagiert habe. Unternehmen, denen nun teils das Wasser bis zum Hals stehe, sei allerdings dazu geraten, ihre Cashreserven noch nicht vollständig zu mobilisieren.

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