Welche Auswirkungen Corona auf die Bestandsbewertung hat

Martin Thaler Corona Berater Nachfolgeregelung Top News

procontra: Momentan herrscht viel Unsicherheit im Versicherungsmarkt. Versicherer erwarten eine Stornowelle insbesondere bei Lebensversicherungen. Inwieweit wirkt sich dies auf die Bestandsbewertung aus?    

Grimm: Mit reinen LV-Bestände haben wir eher selten zu tun. Es ist also meist nur ein Teil des Bestands eines Maklers betroffen. Für den gilt aber natürlich, dass der Wert des Bestands an den zukünftigen Ertragspotenzialen hängt. Sinken diese, sinkt in der Regel auch der Ertragswert. Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Die Frage des Werts wird viel stärker von der Frage gesteuert, welche Ertragspotenziale insgesamt in dem betreffenden Bestand stecken und wie der Makler sein zukünftiges Geschäftsmodell ausrichten kann, um wegbrechenden Bestandsteilen ein adäquates Neugeschäft dagegen zu stellen.   Zudem sollte man nicht vergessen, dass für die Preisfindung nicht ausschließlich der Ertragswert entscheidend, sondern auch die Marktsituation für Bestände insgesamt. Angebot und Nachfrage beeinflussen die Preise ebenfalls. Die Investition in Maklerbestände ist ein sehr rentables Geschäft, wenn man es beherrscht. Ich sehe wenige alternative Investitionsmöglichkeiten, mit ähnlichen Renditen. Deshalb sucht viel Kapital die Möglichkeit, in Maklerbestände zu investieren. Das sorgt für anziehende Preise.

procontra: Werden Sachversicherungen im Bestand jetzt wertvoller? Oder bestehen auch hier neue Risiken, beispielsweise im Zusammenhang mit der Betriebsschließungsversicherung?   

Grimm: Ich sehe nicht, dass das Thema Betriebsschließungsversicherung sich negativ auf Sachbestände auswirken dürfte – im Gegenteil: Nachdem die Rechtsprechung ja durchaus eher der Rechtsauffassung der Makler und der betroffenen Betriebe zu folgen scheint, dürfte in diesem Geschäftsfeld die Nachfrage nach Versicherungsleistungen durchaus steigen und damit Maklerbetriebe attraktiver machen, die dieses Geschäftsfeld gut bespielen können.   Ob Sachversicherungsbestände jetzt generell wertvoller werden oder nicht, lasst sich nicht pauschal sagen. Es hängt sehr stark von den versicherten Risiken ab. Handelt es sich um langfristig angelegte Versicherungsbestände beispielsweise im Immobiliensektor haben wir auch langfristige Ertragspotenziale, was sich in der Ertragswertrechnung positiv auswirkt und was für potenzielle Bestandskäufer natürlich deutlich attraktiver ist, als Bestände, die eher „flüchtig“ sind. Haben wir eher Kurzläufer, wie im Kfz-Bereich oder haben wir Gewerbebetriebe versichert, die jetzt durch die Corona-Krise in starke Mitleidenschaft gezogen werden, dürfte sich das auch auf den Ertragswert des Bestands eher negativ auswirken. Wobei auch da gilt, wenn ein Bestandskäufer auf die betreffende Branche spezialisiert ist, kann er durchaus von „strategischer Gier“ geleitet auch deutlich über dem aktuellen Marktniveau bezahlen. Es hängt also sehr stark auch davon ab, wie man einen Maklerbestand oder einen Maklerbetrieb positioniert und vermarktet, wenn man ihn verkaufen will.  

procontra:  Makler erleben neben dem erhöhten Regulierungsdruck nun möglicherweise auch wirtschaftliche Einschnitte.  Im Markt wird seit Jahren von der großen Welle an erwarteten Bestandsverkäufen gesprochen. Werden wir diese in unmittelbarer Zukunft zu Gesicht bekommen?  

Grimm: Momentan spüren wir davon immer noch nichts. Wir haben diese Welle allerdings auch nie in dieser Form erwartet.   Ich habe eher den Eindruck, dass viele Makler – ob freiwillig oder aus wirtschaftlicher Not – sich auf ein riskantes Pokerspiel eingelassen haben, indem sie entweder ihr Unternehmen auslaufen lassen und hoffen, so einen höheren Profit zu machen und irgendwie heil davon zu kommen, bevor potenzielle Risiken sich realisieren und sie oder die Erben in den Ruin treiben. Oder sie „zocken“, indem sie den Bestand gegen ein vermeintlich lukratives Maklerrentenversprechen übertragen und hoffen, dass diese potenziell traumhaften Renditen sich irgendwie einstellen werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man ja.

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