Warenkreditversicherung: Was Makler in der Krise wissen sollten

Corona Berater Top News von Carla Fritz

Kurzarbeit, Stillstand, Geschäftsbeziehungen am seidenen Faden. Lieferantenkredite gegen Zahlungsausfälle abzusichern ist in der traurigen Corona-Normalität ein Kraftakt. Dem Schutzschirm kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, vielfach auch Maklern.

Während der Corona-Krise kommt es häufiger zu Unterbrechungen der Lieferketten und zu Zahlungsausfällen der Abnehmer. Was Makler in dieser wilden Zeit über die Warenkreditversicherung wissen sollten.

Während der Corona-Krise kommt es häufiger zu Unterbrechungen der Lieferketten und zu Zahlungsausfällen der Abnehmer. Was Makler in dieser wilden Zeit über die Warenkreditversicherung wissen sollten. Bild: Pixabay

„Wann geht es endlich wieder los? Wir kriegen nichts. Die Lieferketten sind kaputt.“ – Aus vielen Telefonaten, die Fachmakler Frank Otto in diesen Tagen mit seinen Firmenkunden führt, klingt Frust. Betriebe, die etwa nach Frankreich und Italien liefern, aber auch umgekehrt von dort Waren beziehen, haben Probleme. „Für den hiesigen Maschinenbau und die Autoindustrie ist Norditalien ein sehr wichtiger Standort und Zulieferer“, sagt Otto, der sich auf die Kreditversicherung spezialisiert und jetzt alle Hände voll zu tun hat, bei insgesamt tausend Kunden, die sein Maklerunternehmen VIA Delcredere GmbH betreut. 

Die Warenkredit- bzw. Delkredere-Versicherung, die Lieferanten für den Fall schützt, dass Abnehmer im In- oder Ausland die Rechnung nicht bezahlen können oder wollen, hat in der Krise Hochkonjunktur. Einen Getränkegroßhändler konnte der Fachmakler aus Bedburg noch „fünf vor zwölf“ versichern. Der Mann hatte Trendgetränke und Spirituosen bislang vorrangig an Hotellerie und Gastronomie geliefert. Einer Personalleasing-Firma verhalf er wieder zum zuvor gestrichenen Kreditlimit für einen Kunden, indem er für sie kurzfristig die fehlenden aktuellen Finanzkennzahlen des Geschäftspartners besorgte. „Die meiste Zeit geht jetzt für Limits drauf“, sagt er. Dahinter steht derzeit für Betriebe vielfach das Risiko eines Produktionsstillstands, wenn Kürzung oder Streichung von Deckungszusagen ausgerechnet den größten Abnehmer und damit ein sogenanntes Schlüssellimit treffen.  

Daumen hoch, Daumen runter. Limits anpassen, nach oben und unten, abhängig von der Bonität des betroffenen Geschäftspartners und weiteren Parametern wie Liquidität, Marktposition, Diversifizierung, Branchen- und Länderrisiken. Was zum normalen Tagesgeschäft eines Kreditversicherers gehört, erreicht unter Corona-Vorzeichen eine ganz andere Dimension und Signalwirkung. Es könne letztlich dazu führen, dass infolge des weltweit steigenden Ausfallrisikos Betriebe ihre Abnehmer nicht mehr beliefern können, so Michael Kolb, Chef Maklervertrieb bei Euler Hermes Deutschland.  

Vertrauensbonus

Viele Hoffnungen ruhen deshalb auf dem jüngst aufgespannten milliardenschweren Schutzschirm für deutsche Unternehmen und die Aufrechterhaltung ihrer Lieferketten. Durch die staatliche Rückdeckung „können die Kreditversicherer dabei höhere Risiken eingehen, als es durch die tatsächliche Risikobewertung gerechtfertigt wäre“, erklärt in diesem Zusammenhang der GDV. Im Kern übernimmt der Bund dabei eine Rückgarantie von 30 Milliarden Euro für mögliche Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer. Diese erhalten im Gegenzug die Kreditlimits im derzeitigen Umfang von rund 400 Milliarden Euro weitestgehend aufrecht.  

Damit wolle man sicherstellen, dass zuvor gesunde Unternehmen weiterhin genügend Spielraum haben, und darüber hinaus auch neue Deckungszusagen übernehmen, so Kolb. Lieferketten und das Vertrauen in den Handel als Rückgrat der Wirtschaft zu stabilisieren sei dabei das Wichtigste. Gut zu wissen, was dann auch noch einmal Alexander Beuther, Abteilungsleiter Delkredere der R+V, explizit bestätigt: „Unternehmen können natürlich weiterhin eine Warenkreditversicherung bei uns abschließen – wir haben keine pauschalen Ausschlüsse.“ Nicht gleichbedeutend mit „einem Freifahrtschein“ für unsichere Geschäfte – „insbesondere nicht für Unternehmen, deren wirtschaftliche Stabilität schon vor der Corona-Pandemie in Frage stand“. In Fällen besonders schlechter Bonitätsentwicklung könne es daher weiterhin zu Limitkürzungen kommen. Wie weit der Schutzschirm hier im Einzelfall trägt, wann und wo die Reißleine gezogen wird, im Maklertagesgeschäft wird man es zuerst sehen.  

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