Versicherer kassieren Hohn und Spott

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Panorama

Das Thema Betriebsschließungsversicherung hat jetzt sogar seinen Platz in der "Heute-Show" gefunden - gut weg kommen die deutschen Versicherer hierbei nicht. Auch in Frankreich bewegt das Thema die Gemüter, gegen die Axa erging ein erstes Urteil.

Die "Heute-Show" des ZDF zeichnete die deutsche Versicherungswirtschaft in einem sehr unvorteilhaften Bild.

Die "Heute-Show" des ZDF zeichnete die deutsche Versicherungswirtschaft in einem sehr unvorteilhaften Bild. Bild: Adobe Stock/Jamrooferpix

Gewöhnlich gilt: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Im Streit um die Betriebsschließungsversicherung haben jedoch den Schaden die betroffenen Gastwirte, den Spott ernten hingegen die Versicherer.  

Nachdem verärgerte Gastwirte bereits vor einigen Wochen unter dem Titel „Erik und die Verunsicherten“ ein beißendes, gegen die Versicherungswirtschaft gerichtetes Spottvideo veröffentlicht hatten, schaffte es das Thema nun sogar in die „Heute-Show“ des ZDF, dem Flaggschiff der deutschen Fernsehsatire (im Video ab Minute 8).

Und auch hier kam die Versicherungswirtschaft nicht sonderlich gut weg. Als fiktiver Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft gibt der Komiker Christian Ehring den unempathischen und gierigen Versicherungsmanager, für den bestehende Verträge bestenfalls Absichtserklärungen sind, die im Schadensfall für die Versicherer keinerlei Bestandskraft haben. Die Weigerung der Versicherungen, für entstandene Schäden zu zahlen, lässt Ehring in der Aussage gipfeln: „Wenn ich nirgendwo mehr hin kann, wo meine Versicherung nicht zahlt, dann kann ich ja nur noch zuhause saufen.“

Auch der sogenannte „bayerische Kompromiss“, nach welchem einige Versicherer sich dazu bereit erklärt haben, für 10 bis 15 Prozent der vereinbarten Schadensumme aufzukommen, findet in den Augen der „Heute Show“ wenig Zustimmung – er sei schlicht eine Möglichkeit für die Versicherer, sich billig aus der Affäre zu retten.  

Natürlich fällt die hier vorgebrachte Kritik sehr holzschnittartig aus und lässt weitestgehend außer Acht, dass einige Versicherer, wie die Signal Iduna oder HDI, sehr wohl Gastronomen entschädigen, bei anderen Versicherern eine Leistung im jeweiligen Bedingungswerk klar ausgeschlossen ist.  

Bei einigen Versicherern sind die Bedingungswerke jedoch höchst uneindeutig gehalten, so dass für die betroffenen Gastronomen durchaus die Chance besteht, ihre Forderungen gerichtlich durchzusetzen. „Wir raten weiterhin, jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob die nunmehr getroffene Vereinbarung auch der individuellen Situation entspricht und der dargestellte Kompromiss auch individuell einen fairen Interessenausgleich zwischen Versicherer und Kunden darstellt“, erklärte hierzu der Berliner Fachanwalt Tobias Strübing (Kanzlei Wirth).

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