Rechtsschutzversicherung: Warum der Finanztest angreifbar ist

Detlef Pohl Top News Versicherungen

Rechtsschutz kann sich in unruhigen Zeiten gerade in Beruf, Verkehr und privatem Bereich lohnen. Geiz ist aber nicht geil, nicht mal beim Selbstbehalt. Warum der neue Finanztest außerdem noch angreifbar ist, aber immerhin auch Anwälte befragt hat.

Der Rechtsweg kann alles andere als glatt sein. Eine Rechtsschutzpolice hilft vor allem, das Prozesskostenrisiko zu begrenzen. Ein Selbstbehalt im Schadenfall lohnt kaum.

Der Rechtsweg kann alles andere als glatt sein. Eine Rechtsschutzpolice hilft vor allem, das Prozesskostenrisiko zu begrenzen. Ein Selbstbehalt im Schadenfall lohnt kaum. Bild: Gerd Altmann / Pixabay

Die Stiftung Warentest hat in der Mai-Ausgabe von Finanztest 49 Rechtsschutz-Tarife von 22 Anbietern verglichen und dabei Augenmerk vor allem auf Familien gelegt, die als Nicht-Selbstständige das Paket für die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr nutzen wollen. Nicht aufgeführt wurden Tarife ohne den von Finanztest definierten Mindestschutz. „Mindestens“ folgende Leistungen mussten mit jeder Police abgedeckt sein:

  • Weltweite Deckung für Schadenersatz-Rechtsschutz,
  • Arbeitsrechtsschutz,
  • Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht (auch außergerichtlich),
  • Steuerrechtsschutz vor Gerichten,
  • Sozialgerichtsrechtsschutz,
  • Verwaltungsrechtsschutz in Verkehrssachen,
  • Disziplinar- und Standesrechtsschutz,
  • Strafrechtsschutz,
  • Ordnungswidrigkeiten-Rechtsschutz,
  • Beratungsrechtsschutz im Familien- und Erbrecht.

Ob dieser Maßstab sinnvoll ist, wurde von zahlreichen Maklern in Internetforen kritisch hinterfragt. Zudem wurde bemängelt, dass mehrere von Maklern favorisierte Anbieter gar nicht in den Test einbezogen waren, darunter Auxilia, Concordia, DEVK und Württembergische. Laut Stiftung Warentest haben diese Anbieter die Teilnahme verweigert.

Kaum Augenmerk auf konkrete AVB

In das Testurteil gingen die AVB zu 90 Prozent ein und die Verständlichkeit zu 10 Prozent. Die Teilnote zu den AVB „ergibt sich aus einer Fülle von Bewertungskriterien“, heißt es in der Zeitschrift. Welche Kriterien das genau sind und in welcher Gewichtung sie in diese Teilnote einflossen, wird nicht transparent. Das wäre aber wichtig, etwa das Kriterium, wann genau der Versicherungsfall eintritt (procontra berichtete).

In einem Kasten an anderer Stelle wird immerhin auf eine umfangreiche Übersicht im Internet verwiesen. Im Heft selbst wird nirgends auf die Bedeutung einer ausreichend hohe Deckungssumme aufmerksam gemacht. Mindestens 300.000 Euro sollten es sein. Einige Gesellschaften bieten inzwischen sogar unbegrenzte Deckung an.

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