Rechtsschutz: So wirkt der VW-Abgasskandal auf die Branche

Florian Burghardt Versicherungen

Im Rahmen der Musterfeststellungsklage im Volkswagen-Abgasskandal wurde ein Massenvergleich mit über 200.000 Dieselfahrern geschlossen. Wie wirkt sich das auf die Rechtsschutzversicherer aus? Wir fragten nach bei Arag und Roland.

Die Musterfeststellungsklage im Volkswagen-Abgasskandal hat den Rechtsschutzversicherern Geld gespart - und wird von ihnen doch stellenweise kritisiert.

Die Musterfeststellungsklage im Volkswagen-Abgasskandal hat den Rechtsschutzversicherern Geld gespart - und wird von ihnen doch stellenweise kritisiert. Bild: Adobe Stock/OceanProd

Der Skandal um manipulierte Abgasmesswerte in Volkswagen-Dieselfahrzeugen ist vor zwei Wochen für viele Betroffene in Deutschland zu Ende gegangen. Die vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) initiierte Musterfeststellungsklage (MFK) vor dem Oberlandesgericht Braunschweig wurde zurückgenommen und den Geschädigten stattdessen durch den Autobauer eine Vergleichszahlung angeboten. Laut vzbv haben über 230.000 Personen und damit etwa 90 Prozent aller Vergleichsberechtigten das Angebot angenommen. Seit dem 5. Mai sollen bereits die Auszahlungen laufen.

Damit hat die erste MFK im deutschen Recht nach genau anderthalb Jahren ein Ergebnis erzielt. Etwa genauso lang würden sich die Vergleiche in individuellen Gerichtsverfahren hinziehen, weiß man beim Rechtsschutzversicherer Roland Rechtsschutz. Einen zeitlichen Vorteil hat dieser neue Weg der Rechtsdurchsetzung den Dieselfahrern also nicht verschafft. Schneller sei es bestenfalls für Verbraucher gelaufen, die von vornherein mit einem „kleinen“ Schadenersatz zufrieden gewesen wären, meint Christian Danner, Pressesprecher für den Arag-Konzern. Das klassische Szenario dafür sei ein Ersatz für die Wertminderung des Autos, das der Betroffene aber behält und weiterhin fährt.

Weniger Schadenkosten für Versicherer

Tatsächlich sind es keine gigantischen Summen, die den Vergleichspartnern dieser Tage auf ihre Konten fließen werden. Den Verbraucherschützern zufolge wurden mit VW Entschädigungsangebote zwischen 1.350 und 6.250 Euro ausgehandelt. Etwa 750 Millionen Euro Verbindlichkeiten werden dadurch für den Autobauer zusammenkommen. Insgesamt hat der Abgasskandal VW damit bislang rund 31 Milliarden Euro an Schadenersatz- und Strafzahlungen gekostet.

Etwas gespart haben sich dagegen die deutschen Rechtsschutzversicherer. Schließlich mussten sie nicht für die Kosten einstehen, die im Falle möglicher Einzelklagen entstanden wären. Konkret könne das nicht beziffert werden, hieß es. Die Arag offenbarte jedoch auf procontra-Nachfrage, dass sich rund 1.300 ihrer Kunden im MFK-Klageregister angemeldet hatten. Wie viele von ihnen den Vergleich angenommen hätten, dazu würden dem Versicherer aber keine Informationen vorliegen. Die Kosten eines Rechtsstreits für die Rückabwicklung eines Kaufvertrags für einen defekten Neuwagen bezifferte der GDV im Jahr 2018 auf 8.310 Euro.

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