„Rechtsschutz ist ein Krisenprodukt“

Michael Fiedler Versicherungen von Michael Fiedler

Ob privat oder beruflich: Es herrscht Krisenstimmung in Deutschland. Wie sich das in Zahlen niederschlägt, war auf der Bilanzpressekonferenz der Arag zu vernehmen.

Der Arag-Konzern sieht seine strategischen Entscheidungen der Vergangenheit durch die Corona-Krise bestätigt.

Der Arag-Konzern sieht seine strategischen Entscheidungen der Vergangenheit durch die Corona-Krise bestätigt. Bild: ARAG

Noch sind die Folgen der Corona-Krise nicht in ihrer vollen Tragweite abzusehen. Konkrete Zahlen waren diesbezüglich auf der Arag-Bilanzpressekonferenz, auf der auch über das 1. Quartal 2020 berichtet wurde, nicht zu erwarten. Das selbstgesteckte Ziel von 1,84 Milliarden Euro Beitragseinnahmen wird in diesem Jahr nicht zu erreichen sein. „Eine Prognose für den weiteren Geschäftsverlauf bis Ende des Jahres können wir nicht abgeben. Für eine seriöse Einschätzung ist der Zeitpunkt auch eindeutig noch zu früh", erläuterte Dr. Renko Dirksen (Vorstand Arag SE).

Dabei verlief der Start ins neue Jahr durchaus erfolgversprechend. So stiegen die Beitragseinnahmen im ersten Quartal um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 536 Millionen Euro. Auch in Deutschland verzeichnete der Arag-Konzern Beitragszuwächse (5,1 Prozent). Im Rechtsschutz-Bereich stiegen die Beitragseinnahmen um etwa 5 Prozent. Haupttreiber der Entwicklung ist allerdings das Krankengeschäft; hier kann Arag 7,8 Prozent Beitragszuwächse verbuchen.

Corona „befeuert“ den LV-Zweitmarkt

Mit diesen Beitragszuwächsen würden die Ausfälle durch Aufgabe des Lebengeschäfts bereits jetzt kompensiert, so Arag. Der Versicherer hatte sich 2017/18 von seiner Lebengeschäft getrennt. Ein Schritt, der sich auch mit Blick auf die Verwerfungen an den Kapitalmärkten positiv bemerkbar mache. Davon seien Lebensversicherer deutlich härter getroffen. So sieht es auch Dr. Christian Thimann (CEO Athora) im Interview mit procontra (kommende Printausgabe) sagt er: „Für viele Versicherer war im Umfeld der Niedrigzinsen die Erhöhung der Aktienquote eine Option – und die hat sich jetzt teilweise in Luft aufgelöst. Die Spannung am Markt setzt Versicherer, die über Altbestände mit Garantieversprechen verfügen, also noch weiter unter Druck.“

„Rechtsschutz ist ein Krisenprodukt“

Im Neugeschäft lassen sich Folgen von Covid-19 ab April 2020 beobachten. Der Bereich Rechtsschutz verzeichnete einen Rückgang um etwa 15 Prozent. Nichtsdestotrotz sei Rechtsschutz ein Krisenprodukt, wie Dr. Renko Dirksen sagte. Das zeige sich durch die Vielzahl von Anfragen. Sie nahmen allein im Arbeitsrecht um 70 Prozent zu; in anderen Rechtsgebieten um etwa 50 Prozent. 4.000 Mandate habe der Konzern in Deutschland bereits zugesagt. Die Hälfte davon betreffen Reiserecht; etwa 1.000 den Bereich Arbeitsrecht. Auch das Vergleichsportal Check24 stellt eine erhöhte Anzahl von Fragen zum Arbeitsrecht fest. Jede dritte Anfrage betrifft das Arbeitsrecht, so das Portal.

Corona-Krise: Belastungstest für digitale Leistungsfähigkeit von VU

Die Krise sieht man auch bei Arag als einen Belastungstest für die digitale Leistungsfähigkeit von Versicherern. Jetzt würden sich die Investitionen des Konzerns in Digitalisierung und Prozessqualität auszahlen. Stellenabbau aufgrund der Corona-Krise? Bei Arag wird das nicht passieren, ließ der Vorstand verlauten. Das Gegenteil sei der Fall; trotz Krise habe man eingestellt und neue Mitarbeiter virtuell eingearbeitet. Und langsam kehrt man bei Arag in die Normalität zurück. In dieser Woche kehrten erste Mitarbeiter an ihre Büro-Arbeitsplätze zurück: maximal 20 Prozent der Besatzung; wenn nicht am Arbeitsplatz gesessen wird, sollen Masken getragen werden.

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