PKV: Vollversicherung kommt weiter nicht in die Gänge

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News Corona

Das Geschäft mit den Vollversicherten ist für Versicherer aber auch Vermittler weiter schwierig. Der Fokus wird zunehmend in Richtung des Zusatzversicherungsgeschäfts gerichtet.

Das Geschäft mit Vollversicherungen verläuft für die Versicherer weiterhin nicht wunschgemäß.

Das Geschäft mit Vollversicherungen verläuft für die Versicherer weiterhin nicht wunschgemäß. Bild: AdobeStock / Susan Vineyard

Das Geschäft mit privaten Krankenvollversicherung bleibt für die Versicherer weiterhin schwierig. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Marktausblick private Krankenversicherung“, den die Kölner Ratingagentur Assekurata an diesem Mittwoch vorstellte. Von den elf befragten Unternehmen (47 Prozent Marktabdeckung) äußerte sich lediglich ein Versicherer positiv im Hinblick auf die derzeitige Geschäftslage.  

Auch wenn der Rückgang nicht so deutlich wie in den vorherigen Jahren ausfiel, ging auch 2019 ging nach vorläufigen Daten die Zahl der Vollversicherten in der PKV zurück – insgesamt um 6.300 Versicherte. Grund hierfür sind nicht die Abgänge in die Gesetzliche Krankenversicherung – diese Zahl zeigt sich seit Jahren relativ stabil und lag 2019 bei 134.000. Grund für die Bestandsverluste ist die stark gesunkene Zahl der Neuzugänge: Wechselten 2009 noch 288.200 Versicherte aus der GKV in die PKV, lag diese Zahl 2019 nur noch bei rund der Hälfte (146.000).  

Berater kämpfen mit hoher Verunsicherung

„Die Vollversicherung muss heute viel aktiver verkauft werden als früher“, erklärte Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata. „Berater kämpfen hier mit einer hohen Verunsicherung angesichts möglicher Beitragserhöhungen im Alter mit hoher Verunsicherung auf Seiten potenzieller Neukunden.“ Auch bei den Beratern selbst macht Assekurata eine zunehmende Verunsicherung fest, viele würden mittlerweile von der Vermittlung privater Krankenvollversicherungen Abstand nehmen. Auch die jährliche Anhebung der Versicherungspflichtgrenze begrenze das Neugeschäftspotenzial.  

Eine Situation, die sich durch die derzeitige Corona-Pandemie nicht ändern, sondern eher verfestigen werde. „Der Abgang aus der PKV in die GKV wird sich durch die Corona-Krise eher noch erhöhen“, schätzt Reichl. Grund hierfür seien unter anderem Selbstständige, die aufgrund der Krise wieder eine Festanstellung suchen würden.  

Wachstumspotenzial bietet in der Vollversicherung derzeit nur das Beihilfegeschäft – seit 2018 bilden Beihilfeberechtigte im Bestand die Mehrheit. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich ihr Anteil von 50,3 Prozent auf rund 51 Prozent und dürfte nach Assekurata-Schätzungen auch in Zukunft weiter zulegen. Beamte werden somit auch für Vermittler eine zunehmend attraktive Zielgruppe, für deren Beratung es jedoch einiges an Know-how braucht. 

Während die Vollversicherung weiter schwächelt, verschiebt sich der Fokus vieler Versicherer zunehmend auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen. „Die Bäume wachsen aber auch hier seit Mitte der 2000er-Jahre nicht mehr in den Himmel“, erklärte Reichl, wies aber zugleich auf das weiterhin hohe Absatzpotenzial hin. Bei den Verträgen verbuchten die privaten Krankenversicherer hier ein Plus von 2,1 Prozent, wobei das Plus zu großen Teilen auf die betriebliche Krankenversicherung (+ 16,6 Prozent) zurückzuführen ist.  

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