Naturgefahren: Wo Hausbesitzer besonders betroffen sind

Anne Hünninghaus Berater

In Bayern sorgten 2019 Sturm, Hagel und andere Naturgefahren für die mit Abstand größten Schäden im Bundesvergleich. Ausgerechnet hier ist die Versicherungsdichte aber unterdurchschnittlich - besonders im Bereich Elementar offenbaren sich Lücken.

2,1 Milliarden Euro an versicherten Schäden verursachten Naturgefahren 2019

2,1 Milliarden Euro an versicherten Schäden verursachten Naturgefahren 2019. Bild: Adobe Stock/fotoak18

Mitte Februar wütete Sturm „Sabine“ durch Deutschland, deckte Dächer ab, entwurzelte Bäume und verursachte insgesamt 540.000 versicherte Schäden in Höhe von 675 Millionen Euro. Damit gehört „Sabine“ mit Platz sechs zu den schwersten Winterstürmen der vergangenen 20 Jahre. Mit diesem Jahresauftakt lässt sich auch für 2020 befürchten, dass die Extremwettergefahr erneut teuer für Versicherungen werden könnte.

Das vergangene Jahr reihte sich in diesen Trend zumindest ein. Der versicherte Gesamtschaden von 2,1 Milliarden Euro, ausgelöst durch Naturgefahren, ist im Vergleich zu den 2,6 Milliarden aus dem Vorjahr zwar gesunken, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in seinem Regional-Report bilanziert. Insgesamt zeichnet sich mit Blick auf die vergangene Dekade aber ein wachsendes Risiko ab.

Spitzenreiter, was die Schäden durch Stürme, Hagel und Starkregen betrifft, war 2019 im Vergleich der Bundesländer mit großem Abstand Bayern. Auf den Freistaat entfällt mit 675 Millionen Euro fast ein Drittel des Gesamtschadens. Dahinter folgen Nordrhein-Westfalen und Hessen mit 348 Millionen Euro und 208 Millionen Euro. Verheerend wirkte sich vor allem Tief „Jörn“ im Juni aus. 2018 führte Nordrhein-Westfalen die Statistik an, in der der GDV versicherte Schäden an Häusern und Hausrat sowie bei Gewerbe- und Industriebetrieben erfasst.

Immer noch Lücken bei der Elementarschädenversicherung

Sturm und Hagel verursachten mit 1,8 Milliarden Euro dabei die höchsten Schäden. Erweiterte Naturgefahren wie Starkregen oder Hochwasser kosteten die Versicherer rund 300 Millionen Euro.

Naturgefahren-Report
BundeslandGesamtSturm/HagelElementarVersicherungsdichte Sturm/HagelVersicherungsdichte Elementar
Bayern6755799678 %36 %
Nordrhein-Westfalen3483242499 %45 %
Hessen2081743488 %42 %
Baden-Württemberg17713443100 %94 %
Niedersachsen1531342097 %25 %

Quelle: GDV/Beträge in Mio. Euro/gerundet

Gegen Sturm und Hagel sind die meisten deutschen Haushalte mit einer Wohngebäudepolice abgesichert. Indes verzichten deutschlandweit knapp zehn Millionen Hausbesitzer auf einen zusätzlichen Schutz vor Elementargefahren wie Starkregen oder Hochwasser. Laut GDV liegt die Versicherungsdichte hierfür bei 45 Prozent. Ausgerechnet in Bayern und Niedersachsen, die im vergangenen Jahren zu den am stärksten betroffenen Ländern gehörten, ist die Zahl der Versicherten mit 36 bezw. 25 Prozent weit unterdurchschnittlich.

Die Zahl der Policen in der privaten Elementarschadenversicherung ist in den vergangenen Jahren insgesamt allerdings stetig gestiegen: 2018 verfügten rund 43 Prozent aller Hausbesitzer über einen entsprechenden Vertrag. 2016 lag der Anteil der Versicherten noch bei lediglich 37 Prozent.

Zu einer weiteren Verbreitung der Elementarversicherung dürfte in Zukunft auch die Entscheidungen einiger Bundesländer beitragen, nach Flutereignissen staatliche Soforthilfen nur noch an die Immobilienbesitzer auszuzahlen, die sich zuvor erfolglos um Versicherungsschutz bemüht haben. Bundesländer wie Bayern, Sachsen und Nordhrein-Westfalen zahlen darum nur noch in Härtefällen - stattdessen ist Eigeninitiative der Hausbesitzer gefragt.

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