MVP: Werttreiber für Maklerbestände?

Nachfolgeregelung Berater von Andreas Grimm

Welches Maklerverwaltungsprogramm steigert den Bestandswert am besten? Diese Frage wird unter Maklern lebhaft diskutiert. Doch die Frage ist falsch gestellt, findet Andreas Grimm (Resultate Institut). Warum, erläutert er im Gastbeitrag für procontra.

Maklerverwaltungsprogramm

Welche Eigenschaften sollte ein Maklerverwaltungsprogramm haben, um den Bestandswert zu steigern? Andreas Grimm widmet sich dieser Frage im Gastbeitrag. Bild: Resultate Institut

Welches Maklerverwaltungsprogramm (MVP) liefert den größten Beitrag, um den Bestandswert zu steigern? Diese Frage wird gern unter Maklern diskutiert, geht aber an der eigentlichen Fragestellung vorbei. Denn der Wert eines Maklerunternehmens hängt nämlich normalerweise nicht am MVP, sondern am Ertragswert des Bestands bzw. Unternehmens.

Um den Ertragswert zu berechnen, addiert man – ganz vereinfacht gesprochen – die prognostizierten zukünftigen Erträge eines Unternehmens in abgezinster Form. Dazu muss man diese natürlich wissen, wie man das macht und welche Umsatz- und Kostenpositionen nicht in die Berechnung eingehen dürfen bzw. welche Positionen und kalkulatorischen Kosten zusätzlich eingerechnet werden müssen. Das Verfahren, mit dem man solche Unternehmenswerte berechnet, nennt sich modifizierte Ertragswertverfahren. Der Digitalisierungsgrad spielt da auf den ersten Blick keine wesentliche Rolle und damit auch nicht die Frage, welches MVP es denn nun sein soll.

Wie das MVP den Ertragswert steigert

Natürlich spielt das MVP indirekt also doch eine wichtige Rolle. Und zwar bei der Frage, wie durch die Einführung und Anwendung eines MVPs Prozesse im Betrieb verändert werden. Werden Prozesse verschlankt und damit beschleunigt und an anderer Stelle dadurch Kosten eingespart (beispielsweise durch Personaleinsparungen), wirkt sich dies auf den Ertragswert aus. Werden Umsätze gesteigert, weil das MVP Routinearbeiten übernimmt und der Makler mehr Kundenzeit gewinnt oder weil die Wiedervorlage zielgerichteter abgearbeitet werden kann, dann erhöht auch das den Ertragswert.

Allerdings sei davor gewarnt, auf die letzten zwei Jahre in ein MVP zu investieren. Denn dafür ist die Zeit dann meist zu kurz, um noch nachweisbar positive Effekte zu erzeugen. Denn ohne Beweis, dass sich das MVP wirklich auf die Ergebnisrechnung des Betriebs auswirkt, wird ein potenzieller Käufer sich schwertun, die Argumente für einen gestiegenen Ertragswert zu glauben.

Außerdem sollte ein Makler den Aufwand nicht unterschätzen, den er sich durch die Einführung eines MVPs und die Umstellung der Prozesse erst einmal ins Haus holt. Kurzfristig kann deshalb die Einführung eines MVPs sogar zu sinkenden Umsätzen und steigenden Kosten führen. Übrigens auch dann, wenn das MVP nur eingeführt, dessen Möglichkeiten aber nicht genutzt werden.

Wer genügend Zeit hat, um die Umstellung auf ein MVP so umzusetzen, dass sich die Einführung auch in den Kennzahlen der Erfolgsrechnung über mehrere Jahre wiederfindet, tut gut daran, eine solche Investition anzugehen.

Welches MVP dann ganz konkret gewählt werden sollte, hängt vom Einzelfall ab. Die zentrale Frage sollte dabei sein, wie der Betrieb unternehmerisch am besten organisiert sein sollte und welches MVP dafür die wirkungsvollste Unterstützung liefert. Doch dafür sollte man nicht den Spezialisten für Unternehmensnachfolgen fragen, sondern einen unabhängigen Spezialisten für MVPs ins Haus holen. Aus unserer Sicht lohnt sich eine solche Investition fast immer.

Zum Autor
Andreas W. Grimm ist Mitbegründer des Resultate Instituts in München und ausgesprochener Kenner der Branche. Er berät Makler in der Nachfolgeplanung und bei der Nachfolger- oder Investorensuche. Er ist oft gebuchter Vortragsredner und bewertet als geprüfter Sachverständiger Maklerbestände und Maklerunternehmen. Erste Orientierung bei der Frage nach dem Wert des eigenen Bestand bietet der kostenlose Rechner auf der Seite www.bestandswerte.de  
  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare