LV-Zweitmarkt: "Die Zahl der Anfragen hat sich aktuell bei uns verdreifacht"

Martin Thaler Berater

Beim Zweitmarkthändler Policen Direkt merkt man die Auswirkungen der Corona-Krise - das Geschäft legte zuletzt merklich zu. Warum der Verkauf der eigenen Lebensversicherung für den Kunden interessant sein kann, erklärt Policen-Direkt-Chefredakteur Rafael Kurz im Gespräch mit procontra.

Rafael Kurz sprach mit procontra über die Folgen der Corona-Krise im LV-Zweitmarkt.

Rafael Kurz sprach mit procontra über die Folgen der Corona-Krise im LV-Zweitmarkt. Bild: PolicenDirekt

procontra: Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf den Verkauf bzw. Ankauf von Lebensversicherungen?

Rafael Kurz: Die finanzielle Lage von Angestellten und Gewerbetreibenden ist äußerst angespannt. Viele kommen auch angesichts der Lockerungen finanziell nicht klar. Beispielsweise kommen Gastronomen zu uns, die auch jetzt noch nicht öffnen können, weil die neuen Vorschriften für sie schlicht nicht machbar sind ohne zusätzliches Personal. Die finanzielle Not wird so existenzbedrohend. Die Zahl der Anfragen hat sich aktuell bei uns verdreifacht, so dass wir Ende April schon fast so viele Angebote bearbeitet haben wie im gesamten vergangenen Jahr. Einen entscheidenden Schritt haben Kunden, die in finanzieller Not an den Zweitmarkt für Lebensversicherungen denken, anderen aber immerhin voraus. Sie vermeiden die vorschnelle Kündigung ihrer privaten Altersvorsorge. Je nach Liquiditätsbedarf können sie mit Policendarlehen und anderen Modellen Engpässe überbrücken und gleichzeitig den Versicherungsschutz der Police erhalten. Gerade Versicherungsmakler können hier bei Ihren Kunden mit nachhaltigem Wissen punkten, was wir am 27. Mai in der profino-Liveakademie im Detail erklären.  

procontra: Viele Kunden haben eine Lebensversicherung nach dem Policenmodell abgeschlossen und können ihren Vertrag widerrufen. Gibt es Gründe, sich dennoch für einen Policenverkauf zu entscheiden?

Kurz: Wer seine Lebensversicherung verkauft, bekommt in 3 bis 5 Wochen sein Geld. Dazu bleibt dem Kunden ein Rest-Todesfallschutz erhalten. Ein Widerruf dagegen ist längst kein Selbstläufer und meist nicht ohne langwierigen Gerichtsprozess zu machen. Dazu kostet er richtig Geld und ist steuerlich nicht unproblematisch. Laufende hochverzinste Altverträge sind aber so gut, dass sie auch in gebrauchter Form längst ein gefragtes Investment sind. Es gibt daher keinen vernünftigen Grund, sich vorzeitig von einer Lebensversicherung zu trennen – außer man benötigt schnell und sicher Geld. Und das gibt es so eben nur beim Verkauf. Wer kündigt, kommt zwar ebenfalls schnell an sein Geld, verzichtet aber auf Mehrwert und Rest-Todesfallschutz. Jedes Jahr verschenken deutsche Verbraucher so knapp 100 Mio. Euro. Für 2020 ist aufgrund von COVID-19 noch mit einer deutlichen Steigerung zu rechnen.  

procontra: Manche Zweitmarktanbieter vereinbaren mit den Verkäufern von Lebensversicherungen ratierliche Zahlungen und lange Stundungszeiträume. Auf welche Risiken sollten Makler hierbei hinweisen und wie beraten Sie haftungssicher?

Kurz: Seriöse Zweitmarktanbieter halten sich an die strengen BVZL-Richtlinien. Dazu gehört, dass der Verkaufspreis in einer Summe gezahlt wird. Auch beim Versicherungsmakler sollten bei Ratenzahlung die Alarmglocken klingen. Die Verlockung ist groß, denn werden hier oft extrem hohe Provisionen und unrealistische Erlöse aus dem Verkauf in Aussicht gestellt. Das OLG Dresden (4 U 942/17) hat unlängst entschieden, dass ein Makler hier aber für Verluste seines Kunden haftet. Er hatte den Verkauf an ein Unternehmen empfohlen, das Ratenzahlung versprochen hatte, vor der letzten Zahlung jedoch Insolvenz anmeldete.

Hinweis: Profino hat für Makler mit freundlicher Unterstützung der Zurich einen Hilfebereich eingerichtet. Hier finden Sie alles, was Makler unmittelbare wissen müssen aus den Bereichen "Ihre Beratung", "Ihr Maklerunternehmen" und "Ihre Gesundheit".

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