Lebensversicherung: Weniger Garantiezins als Höchstrechnungszins?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung

Der dauerhafte Niedrigzins führt auch dazu, dass der Garantiezins künftig wohl niedriger ausfällt als der Höchstrechnungszins. Auf den feinen Unterschied zwischen beiden macht die Deutsche Aktuarvereinigung aufmerksam. Was Berater wissen müssen.

In einer dauerhaften Niedrigzinsphase könnten nicht alle Lebensversicherer den Garantiezins so hochhalten wie den Höchstrechnungszins, meint DAV-Chef Dr. Guido Bader.

In einer dauerhaften Niedrigzinsphase könnten nicht alle Lebensversicherer den Garantiezins so hochhalten wie den Höchstrechnungszins, meint DAV-Chef Dr. Guido Bader. Bild: DAV

Lange haben die Lebensversicherer das Kernelement klassischer Produkte, den Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit, erhalten können und dabei zu jeder Zeit eine volle Beitragsgarantie geboten. Den Trend zu reduzierten Garantien, etwa auf den Erhalt der eingezahlten Beiträge nur noch bei Ablauf des Vertrages, gibt es schon länger (procontra berichtete).

Zusätzlicher Druck auf die Garantien entstünde, wenn zum 1. Januar 2021 der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung von aktuell 0,9 auf 0,5 Prozent abgesenkt wird. Das schlägt jedenfalls die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) vor (procontra berichtete). Im Neugeschäft kommt schon jetzt bei einer 100-Prozent-Beitragsgarantie am Ende nie die Summe eingezahlter Beiträge für den Kunden heraus (procontra berichtete).

In einer Videokonferenz präzisierte die DAV ihre Begründung, warum der Höchstrechnungszins auf 0,5 Prozent abgesenkt werden sollte (procontra berichtete). Die Aktuare machten auch auf den Unterschied zwischen Höchstrechnungszins und Garantiezins aufmerksam. Der Höchstrechnungszins sei das Maximum, das Unternehmen zur Berechnung ihrer Deckungsrückstellungen in der Handelsbilanz annehmen dürfen. Dessen Höhe sei gesetzlich geregelt und gelte damit unternehmensübergreifend. Der Garantiezins dagegen betreffe die Kalkulation von Beiträgen und Leistungen oder spezifische Verhältnisse in einzelnen Unternehmen. Den Garantiezins festzulegen sei einzig die Aufgabe des verantwortlichen Aktuars im jeweiligen Unternehmen.

Am höchsten ist der Rechnungszins

In Zeiten hoher Zinsen waren der Höchstrechnungszins für die Berechnung der Deckungsrückstellung und der Garantiezins für das Neugeschäft im Regelfall gleich. „Bei Niedrig- oder gar Negativzinsen geht diese Praxis nicht mehr auf“, sagt DAV-Vorstandschef Dr. Guido Bader. Garantien unterhalb des Höchstrechnungszinses seien bereits bei der „Neuen“ Klassik und bei Hybridprodukten der Fall. Zum Höchstrechnungzins hat Bader, im Hauptberuf Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung mit Zuständigkeit für die Kapitalanlage, einen kurzen Film auf die DAV-Homepage gestellt.

Dem Vernehmen nach ist auch noch eine stärkere Absenkung ab 20021 im Gespräch. Auch dazu äußerten sich nun die Aktuare. Hintergrund: Die Aufsichtsbehörde hat unlängst im BaFin-Journal „erhebliche Zweifel“ angemeldet, „ob die einzelnen Anbieter auf Dauer mit hinreichender Sicherheit in der Lage sein werden, in ihrer Neu- und Wiederanlage Renditen oberhalb des aktuellen Höchstrechnungszinses zu erzielen.“ Der Höchstrechnungszins könne laut BaFin nicht unreflektiert als Garantiezins ins Neugeschäft übernommen werden. Die Behörde hat angekündigt, einzelne Lebensversicherer und Pensionskassen auf die Risikotragfähigkeit zu überprüfen.

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