Krankenkassen drohen mit Verdopplung des Zusatzbeitrags

Martin Thaler Versicherungen Corona

Den Krankenkassen droht ein Minus in Höhe von 14 Milliarden Euro in diesem Jahr. Die Corona-Krise spielt hierbei eine Rolle, ist jedoch nicht Alleinverantwortlicher für die finanzielle Misere.

Den Krankenkassen drohen große finanzielle Verluste, die sich auch bei den Versicherten bemerkbar machen könnten.

Den Krankenkassen drohen große finanzielle Verluste, die sich auch bei den Versicherten bemerkbar machen könnten. Bild: AdobeStock/ drubig-photo

Die Krankenkassen stehen angesichts der Corona-Krise vor großen finanziellen Herausforderungen. Laut einem Bericht des Berliner Tagesspiegels , der aus internen Hochrechnungen der Kassen zitiert, droht den Kassen in diesem Jahr ein Minus in Höhe von 14,1 bis 14,6 Milliarden Euro.  

Grund für das deutliche Minus sind zum einen sinkende Beitragseinnahmen – bedingt durch vermehrte Kurzarbeit und höhere Arbeitslosigkeit aufgrund der Corona-Krise. Allein hieraus würden Beitragsausfälle in Höhe von zwei Milliarden Euro resultieren, schätzen die Kassen. Grundlage dieser Schätzung ist eine Anzahl von 2,5 Millionen Kurzarbeitsgeld-Beziehern sowie 500.000 zusätzlichen Arbeitslosen. Hinzu kommen Folgekosten für gewährte Beitragsstundungen.  

Die coronabedingten Zusatzausgaben schlagen hingegen nur mit 500 Millionen zu Buche – allerdings nur wenn Einsparungen aus dem derweil heruntergefahrenen Gesundheitsbetrieb in Kliniken und Praxen miteinbezieht.   Tut man dies nicht, fällt die Rechnung schon deutlicher aus: Allein für die Behandlung Infizierter – hier rechnen die Kassen mit einer Zahl von 200.000 – werden Ausgaben in Höhe von 1,3 Milliarden Euro veranschlagt. Hinzu komme der erhöhe Pflegeentgeltwert für die Kliniken (Zusatzkosten: 3,3 Milliarden Euro) sowie der angeordnete Verzicht auf die Prüfung von Krankenhausrechnungen (Zusatzkosten: 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro).  

Massentests würden 1,6 Milliarden Euro kosten

Hinzu kommen Kosten für etwaige Massentests auf das Corona-Virus. Diese sollen, geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), von den Kassen bezahlt werden. Sollten bis Ende des Jahres 20 Millionen Menschen auf Covid-19 getestet werden, würde das Kosten in Höhe von 1,6 Milliarden mit sich bringen, schätzen die Kassen.  

Die Corona-Krise als alleinige Ursache für die prognostizierte finanzielle Schieflage zu benennen, greift hingegen zu kurz. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Kassen nach Jahren hoher Überschüsse ein Minus in Höhe von 1,6 Milliarden verzeichnet. Grund hierfür waren nach Angaben von Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, die „rasant steigenden Ausgaben“. Hierfür sind neben einer steigenden Lebenserwartung auch politische Initiativen verantwortlich. Laut Pfeifer sei allein das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz für zusätzliche Kosten in Höhe von fünf Milliarden Euro verantwortlich. Hinzu kommen steigende Medikamentenpreise und systemimmanente Fehlanreize.  

Gespräch mit Spahn

Unmittelbar vor einem Gespräch mit Minister Spahn wollen die Kassen diese Zahlen dafür nutzen, eine deutliche Erhöhung des Bundeszuschusses zu fordern. Hilft der Bund nicht, müsste der Zusatzbeitrag aus Sicht der Kassen deutlich erhöht werden: Von derzeit 1,1 auf 2 bis 2,2 Prozent.  

Dass die Finanzierungsprobleme angesichts der drohenden Rezession alleine durch Beitragserhöhungen gelöst werden könne, sei jedoch „kaum vorstellbar“, erklärte Wolfgang Greiner, Vize-Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, gegenüber dem Tagesspiegel.

Diese Auffassung wird auch in Teilen der Politik geteilt. „Das ist ein verheerendes Signal in unsicherer Zeit“, kritisierte Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen. „Darum brauchen wir einen Schutzschirm für die gesetzliche Krankenversicherung. Der Bundeszuschuss muss in diesem und im kommenden Jahr entsprechend der Corona-bedingten Einnahmeausfälle erhöht werden.“

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