Kfz: Sorgt Corona für mehr Schäden als vorher?

Florian Burghardt Versicherungen

Die Kfz-Versicherer galten bislang als Gewinner der Corona-Krise. Grund dafür war die Annahme deutlich sinkender Schadenzahlen. Doch nach Schätzungen der R+V könnten diese nun sogar noch höher ausfallen als vor der Pandemie.

Bei der R+V geht man trotz Corona-Einschränkungen im laufenden Jahr nicht von sinkenden Schadenfallzahlen in der Kfz-Versicherung aus – eher von steigenden.

Bei der R+V geht man trotz Corona-Einschränkungen im laufenden Jahr nicht von sinkenden Schadenfallzahlen in der Kfz-Versicherung aus – eher von steigenden. Bild: R+V

Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen, Homeoffice: Aufgrund der Corona-Regeln wurde zuletzt weniger Auto gefahren. Folglich waren von den Kfz-Versicherern sinkende Schadenzahlen zu vernehmen. Marktführer Huk-Coburg bezifferte den Rückgang der Fallzahlen sogar auf 30 bis 40 Prozent im Monat April. Analysten schätzten die Einsparungen für die Kfz-Versicherer aufgrund weniger Schäden auf eine Milliarde Euro allein bis Ende April 2020 und Experten sprachen schon von einem „goldenen Jahr“ für die Kfz-Versicherung.

Doch nun werden diese Prognosen offenbar Schritt für Schritt von der Realität kassiert. Eine Allianz-Sprecherin sagte kürzlich gegenüber procontra, dass zwar die Anzahl der Schäden zurückgegangen sei, die Kosten pro Schadenfall aber gestiegen wären. Ähnliches ist nun auch von der R+V zu vernehmen. „Wir tragen die Mehrkosten für derzeit oft schwierige Ersatzteil-Lieferungen und zahlen unseren Partnerwerkstätten Vorschüsse auf die voraussichtlichen Reparaturkosten, um ihre Liquidität zu sichern. Außerdem übernehmen wir die Kosten für die Desinfektion der Fahrzeuge, damit das Virus nicht über Schmierinfektionen weitergegeben wird“, erklärte Rico Kretschmer, Abteilungsleiter Schadenmanagement bei der R+V.

Mehr Schäden als vor Corona?

Doch nicht nur die Kosten pro Schaden könnten in Folge der Corona-Pandemie höher ausfallen als sonst, sondern auch die Fallzahlen selbst. Wie Kretschmer ausführt, würden die Kunden der R+V monatlich im Durchschnitt etwa 16.000 Kfz-Schäden melden. In den ersten zwei Aprilwochen sei das Schadenaufkommen auf gut zwei Drittel des Normalwerts zurückgegangen, seitdem aber wieder gestiegen. Für den Monat Mai erwartet der Versicherer bereits wieder die üblichen 16.000 Fälle.

Dass der Effekt des Weniger-Fahrens nicht so stark war, wie anfangs vermutet, könnte auch an den Menschen liegen, die üblicherweise Bus und Bahn fahren, dann aber aus Angst vor einer Infektion auf das Auto umgestiegen sind. Außerdem könnte die Anzahl der Schäden im Laufe des Corona-Jahres 2020 sogar noch höher ausfallen als üblich. Dazu Kretschmer: „Wenn dann noch viele Urlauber auf Flugreisen verzichten und mit dem Auto Ferien in Deutschland machen, könnte das dazu führen, dass wir im Verlauf der Lockerungen sogar mehr Schäden bekommen als vor Corona.“

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