InsurTechs vs. etablierte Versicherer: Wer kommt besser durch die Krise?

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Mit einem „Digitalisierungswunder“ nach überstandener Corona-Krise ist bei den etablierten Versicherern nicht zu rechnen. InsurTechs haben daher die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Allerdings haben Start-ups im Gegensatz zu Versicherern mit deutlichen Substanznachteilen zu kämpfen, was für einige existenzbedrohend wird. Wer beim digitalen Strukturwandel als Sieger hervorgehen wird, analysiert für procontra Dr. Nikolai Dördrechter.

Corona hat den digitalen Sturkturwandel erheblich beschleunigt - doch wer kann das eher für sich nutzen - etablierte Versicherer oder Insurtechs? Dieser Frage stellt sich Experte Dr. Nikolai Dördrechter.

Corona hat den digitalen Sturkturwandel erheblich beschleunigt - doch wer kann das eher für sich nutzen - etablierte Versicherer oder Insurtechs? Dieser Frage stellt sich Experte Dr. Nikolai Dördrechter. Bild: Policen Direkt

Die aktuelle Krise ist in ihrer Art und Ausprägung einmalig, da sie längst nicht nur eine wirtschaftliche Dimension hat. Sie ist global und betrifft, anders als die Finanzmarktkrise in 2007/2008 nicht nur einzelne Branchen, sondern alle, manche wie die Reisebranche in verheerendem Ausmaß. Von den negativen Folgen sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatpersonen betroffen.

Die Ausgaben für Versicherungen werden in Summe in 2020 absehbar sinken, und zwar vom Privat- bis ins Industriekundengeschäft. Stilllegung von Werken, Herunterfahren der Produktion, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit führen dazu, dass alle Ausgaben, die nicht zwingend erforderlich sind, hinterfragt werden – Versicherungspolicen inklusive. Hinzu kommen Ereignisse wie ausfallende Urlaubsreisen und zurückgestellte Autokäufe, die zumindest einigen Sparten temporär einen weiteren Dämpfer verpassen werden.

Ob private Versicherungsnehmer die Zeit zu Hause nutzen, sich endlich einmal gründlich mit ihren Versicherungspolicen auseinandersetzen, ist fraglich, könnte aber weiteren Druck verursachen. Zudem werden manche Versicherungsprodukte – etwa Kreditausfall- oder Veranstaltungsausfallversicherungen aufgrund von Schadenereignissen deutliche Prämienerhöhungen sehen. Es ist daher zu erwarten, dass die Krise zu Veränderungen bei Kundenverhalten und -bedürfnissen führen wird.

Mit mehr Substanz steht man Krisen besser durch

InsurTechs stehen für digitale Geschäftsmodelle, die sich wandelnden Kundenbedürfnissen schnell anpassen können. Die entwickelten Plattformen sind flexibel und auf Datenaustausch ausgelegt, die Unternehmensprozesse sind in der Regel volldigital. Home Office ist eine regelmäßige genutzte Arbeitsform. Damit scheinen InsurTechs grundsätzlich besser für krisenbedingte Veränderungen gerüstet zu sein.

Leider greift das zu kurz, denn in Krisen gilt: Mit mehr Substanz steht man diese besser durch. Hier sind etablierte Versicherer klar im Vorteil. Wer vor der Krise ein profitables Geschäft hatte und über Jahrzehnte Rücklagen bilden konnte, kann Umsatzeinbußen besser wegstecken, als ein Start-up, das Monat für Monat einen Fehlbetrag ausweist. Wer über ein Geschäftsmodell verfügt, das Privat- und Geschäftskunden adressiert und ein breites Spektrum an verschiedenen Versicherungsprodukten anbietet, ist von Rückgängen und Großschäden in einzelnen Sparten weniger betroffen, als ein InsurTech, dass sich auf einzelne Produkte fokussiert.

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