Hochzeitsversicherung: Brautpaare in Corona-Krisenstimmung

Anne Hünninghaus Corona Berater Panorama

Deutsche Paare haben ihre Hochzeitsbudgets in den vergangenen Jahren immer weiter hochgeschraubt. Dadurch steigt das Bedürfnis nach Sicherheit. Aber in welchen Fällen haftet eine eigens dafür abgeschlossene Versicherung?

Die Corona-Krise zwingt viele Brautpaare dazu, ihre Hochzeitsfeier zu verschieben oder abzusagen.

Die Corona-Krise zwingt viele Brautpaare dazu, ihre Hochzeitsfeier zu verschieben oder abzusagen. Bild: Adobe Stock/zef art

Die Location war längst gebucht, der Caterer beauftragt und der Fotograf gebrieft - bis ins kleinste Details hatten viele Paare für Frühjahr oder Sommer dieses Jahres ihre Hochzeitsfeiern bereits geplant. Nun stehen sie teils vor der schwierigen Entscheidung: Auf Sicht fahren, umplanen, oder gleich absagen? Anderen wurde die Entscheidung bereits abgenommen, da das geplante Fest nicht mit derzeitigen Corona-Restriktionen vereinbar ist.

Laut Statista geben 26 Prozent der Deutschen 5.000 bis 10.000 Euro für den "schönsten Tag ihres Lebens" aus, neun Prozent veranschlagen 10.000 bis 25.000 Euro. Im Durchschnitt fielen im vergangenen Jahr rund 14.000 Euro Gesamtkosten für die Feier an - Tendenz steigend. Zum Vergleich: US-Amerikaner liegen mit einem Durchschnittsbudget von 30.000 Euro noch deutlich darüber.

Mit dem Budget steigt oft auch das Bedürfnis nach Sicherheit. Wer "Hochzeitsversicherung" googelt, stößt daher schnell auf einschlägige Angebote von Allianz, Zurich und Co. Abgesichert wird zwar nicht das immerwährende Eheglück, aber beispielsweise eine vor der Feier plötzlich auftretende Erkrankung der engsten Angehörigen, der Arbeitsplatzverlust der Brautleute oder eine Absage wegen eines Unfalls. Wie sich der Markt - auch in Zeiten von Corona - verändert hat, hat Christian Raith, Geschäftsführer des Spezialmaklers Erpam, verraten.

Herr Raith, in diesem Jahr müssen Corona-bedingt zahlreiche Hochzeiten gecancelt werden. Verzeichnen Sie durch die Verunsicherung eine höhere Nachfrage in diesem Segment?

Man muss dazu sagen, dass viele Versicherer das Risiko nicht versichert hatten, wir hingegen hatten noch nie einen Ausschluss. Ich denke schon, dass sich absehbar durch Corona die Nachfrage ein wenig erhöhen wird - doch idealerweise sind die Paare keine Wiederholungstäter, sodass der Lerneffekt nicht erzielt werden kann. Sprich, wenn jemand dieses Jahr heiratet, wird er hoffentlich nie wieder eine Hochzeitversicherung brauchen. Frisch Verheiratete könnten aber den Tipp an andere Paare weitergeben und Hochzeitsagenturen werden künftig sicher stärker auf das Thema eingehen. 

Ist eine Veranstaltungsabsage aufgrund einer Pandemie überhaupt abgesichert durch die gängigen Policen?

Bis vor kurzem war auch dieser Fall bei uns mitversichert, aber seit Ende Februar dürfen wir keine Deckungen mehr für Pandemien anbieten. Teilweise fragen Paare nun natürlich explizit nach Corona, doch leider müssen wir dies mittlerweile ablehnen. Aber eine solche Pandemie ist nur ein Thema unter vielen, die zu einer Absage führen können.

Zum Beispiel?

Der häufigste Grund für eine Absage besteht in Erkrankungen des Brautpaars oder der nächsten Angehörigen. Auch Schwierigkeiten mit Location und Dienstleistern sind verbreitet. Meine eigene Hochzeit vor drei Jahren hätte beinahe abgesagt werden müssen, weil die Location zu kippen drohte: Ein neuer Pächter wollte sich nicht an die Vereinbarungen halten, die wir mit dem vorherigen Pächter abgemacht hatten. Glücklicherweise wurde die Anzahlung weitergegebe, nur war der Deal am Ende anders. Wenn Sie alles um ein Datum herum geplant haben und dann zwei oder drei Monate vorher alles anders kommt, steigt die Nervosität. Letztendlich ist bei uns aber alles noch gut gegangen, wenn auch mit zahlreichen Diskussionen und Änderungen. 

Hochzeitsversicherungen kannte man lange Zeit nur aus den USA. Wie hat sich der Markt dafür in den vergangenen Jahren in Deutschland entwickelt?

Generell entwickelt sich der Markt in Deutschland noch relativ langsam, aber nachdem auch die Summen für Hochzeiten immer höher werden, versuchen immer mehr Paare sich zu versichern. Bei großen Hochzeiten oder sehr aufwändigen Feiern hingegen, gab es schon immer eine relativ hohe Nachfrage. Dort sind meist Agenturen mit im Spiel und diese empfehlen dann auch öfters spezielle Versicherungen.

Was unterscheidet Hochzeitsversicherungen von denen für andere private Veranstaltungen?

In Prinzip ist ein Großteil der Versicherung identisch, aber es gibt auch spezielle Bedürfnisse die nur bei Hochzeiten vorhanden sind und diese sind auch mitversichert. Wie z.B. der Verlust des Eheringes, die Krankheit oder der Tod der Eltern bzw. Schwiegereltern, das verschwundene Hochzeitskleid etc.

Zusatzoptionen wie eine „Hochzeitswetterversicherung“ versprechen maximale Absicherung – geht der Trend dazu, immer umfänglichere Angebote zu machen?

Der Trend geht eher dazu, dass man einen Maßanzug auch im Bereich der Versicherungen schneidert. Sprich, man geht exakt auf die Gegebenheiten der Location und den Wunsch des Hochzeitspaares ein. Denn es macht ja keinen Sinn, Dinge zu versichern, die gar nicht passieren können, oder umgekehrt Deckungslücken zu haben. Bei einer Freilufttrauung ist es natürlich sinnvoll, das Wetter zu versichern, bei einer Indoor-Veranstaltung weniger.

Kann ich als Makler hierzulande auch Paare beraten, die im Ausland heiraten?

Klar, für uns ist nur wichtig, dass die Paare in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sitzen. Wo sie dann heiraten, ist eigentlich egal. 

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