Generali-App erzeugt hohe "Bindekraft"

Michael Fiedler Digital Zielgruppenansprache Versicherungen

Galerien, Museen oder auch Privatsammler können aus einer Vielzahl von Versicherungsprodukten wählen. Der durchaus umsatzstarke Nischenmarkt wird inzwischen digitaler. So setzt z.B. Arte Generali auf eine neue App. Was diese leisten soll und was Makler davon halten.

Arte Generali Kunstversicherung digital

Arte Generali will mit einer App im Kunstmarkt punkten. Ob das gelingt? Bild: PixelAnarchy / Pixabay

„Noch ist die Kunstversicherung nicht im Internetzeitalter angekommen“ hieß es noch in der Zielgruppenausgabe der procontra (Dezember 2019). Spezialmakler Dr. Stephan Zilkens belegte diese Einschätzung damit, dass er ein Produkt der R+V, das online abschließbar ist, von seiner Webseite herunternahm. Das Interesse der Kunden fehlte schlicht und einfach. Doch das ändert sich gerade: Die Kunstversicherer versuchen immer mehr, im „digitalen Neuland“ Fuß zu fassen. So setzt Hiscox bei der neuaufgelegten „Haus und Kunst“ u.a. auf einen Cyberbaustein, bei denen Dienstleister vermittelt werden.

Arte Generali mit App

Und Arte Generali, recht junger Anbieter in diesem Segment, launchte heute eine App, mit der sie neue Maßstäbe in der Kunstversicherung setzen will. „Herzstück“ dieser App ist die digitale Verwaltung der Kunstsammlung. Dazu gehört auch die Erstellung von Wertgutachten für die Kunstwerke. Für Sammler vielleicht ein reizvoller Service; denn der Besuch eines Wertgutachters in den eigenen vier Wänden muss nicht stattfinden. Der Service-Gedanke soll ohnehin im Vordergrund stehen, wie Iris Handke (Head of Arte Generali Deutschland) bei der Vorstellung der App betonte. Einmal installiert, soll sie ständig erweitert werden, um sinnvolle Anwendungen für die Nutzer bereitzustellen. So will man mit der App beispielsweise Spediteure, Restaurateure und weitere Dienstleister zusammenbringen.

App mit hoher "Bindekraft"

Doch eine solche App hat auch Nachteile, gibt Makler Zilkens gegenüber procontra zu bedenken. Denn der Nutzer bindet sich an den Versicherer. Klar, genau das möchte Generali: Lifetime-Partnerschaft heißt hier das "Zauberwort" aus Versicherer-Sicht. Doch will Makler das auch? Was passiert, wenn der Versicherer aus Maklersicht gewechselt werden sollte?
In Sachen Katalogisierung hat die App des Newcomers durchaus starken Wettbewerb: Knapp zwei Dutzend Anbieter stehen Sammlern oder Galeristen zur Verfügung (z.B. 4Art). Dafür allein bräuchte es die App der Generali also nicht. Wirklich neu ist aus Zilkens Sicht, dass Ergänzungen in einem bestehenden Vertrag sehr einfach vorgenommen werden können. Ein neu hinzugewonnenes Kunstwerk wäre dann über einen einzigen Klick sofort mitversichert.

Und kann der Wertgutachten-Service der Generali-App als Highlight gesehen werden? Immerhin wird dieser Service vom renommierten Sachverständigen-Büro Gielisch aus Düsseldorf angeboten. Kostenpunkt: 120,- Euro für jedes Gutachten, sofern es sich online durchführen lässt. Das kann mitunter recht teuer werden - und gehört bei Makler Zilkens zum Service dazu - kostenfrei. Auch der Kunsthistoriker und Versicherungsmakler Bernd Ziegenrücker aus Berlin hält den Online-Gutachten-Service für problematisch. Jenachdem, wofür ein Wertgutachten gebraucht werde, sei eine physische Begutachtung meistens unerlässlich. "Viele relevante Details sind auf Fotos eben nicht sichtbar", so Ziegenrücker auf procontra-Anfrage.

Generali: Hohe Erwartungen an Kunstmarkt

Dass der italienische Konzern auf Kunstversicherungen setzt, ist alles andere als Zufall. So erwartet Generali, dass der Kunstwert von 2017 bis 2022 weltweit um mehr als 20 Prozent steigen wird. Im gleichen Zeitraum würden die Kunstversicherungseinnahmen jährlich um durchschnittlich 6 Prozent auf 2,3 Milliarden US-Dollar steigen, so die Italiener. Mit Arte Generali will sich der Konzern ein großes Stück dieses "Kuchens" sichern: In fünf Jahren will man zu den Top-3-Playern im globalen Kunstversicherungssegment gehören.

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