FinVermV: Auf diese Neuerungen sollten Vermittler sich schon jetzt einstellen

Anne Hünninghaus Finanzanlagenvermittlung Berater Recht & Haftung Top News

Ab August treten für 34f-Vermittler gesetzliche Reformen in Kraft. Was müssen sie bei der Beratung beachten, damit es später nicht zu Haftungsfällen kommt?

Das Mitschneiden von Beratungsgesprächen gehört zu den neuen Pflichten für Finanzvermittler.

Das Mitschneiden von Beratungsgesprächen gehört zu den neuen Pflichten für Finanzvermittler. Bild: Adobe Stock/ninefotostudio

In gut zwei Monaten ist es so weit: Die überarbeitete Finanzanlagenvermittlungsverordnung, kurz FinVermV, tritt in Kraft und passt die gesetzlichen Regeln für Vermittler mit Gewerbeordnungslizenz nach Paragraf 34f und 34h an europäische Standards an.

Um inmitten der andauernden Corona-Krise nicht erst kurz vor knapp in die Umsetzung der erweiterten Pflicht zu starten, ist es ratsam, sich schon jetzt mit den erweiterten Pflichten auseinanderzusetzen. In einem Webinar der Live-Akademie profino hat Rechtsanwalt Boris-Jonas Glameyer in Kooperation mit der Kanzlei Michaelis einen Überblick zu den wichtigsten Neuerungen gegeben.

Interessenskonflikte vermeiden und Beratungsqualität sicherstellen

Die Tätigkeit des Vermittlers muss im „bestmöglichen Interesse“ des Anlegers ausgeübt werden. Der bisherige Wortlaut „mit der erforderlichen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im Interesse das Anlegers“ wurde durch diese wenig greifbare Formulierung ersetzt. Wie lässt sich das in die Praxis übersetzen?

Um die Qualität der Beratung hochzuhalten, geht es nun vor allem darum, Interessenskonflikte auszuschließen und den Kunden intensiv über Kosten und Zuwendungen zu informieren. Der Gesetzgeber hat damit – sauberer als bisher – ausgestaltet, wie das zu leisten ist. Der Empfehlung bestimmter Finanzanlagen dürfen keine Anreize zugrunde liegen, sprich: Jegliche Provisionen müssen offengelegt werden und Berater sind in der Pflicht, noch genauer und individueller als bisher darzulegen, warum sich die empfohlene Anlage für den Kunden im Speziellen eignet. Das ist für den einzelnen selbstständig arbeitenden Berater oft leichter umsetzbar als in Betrieben mit mehreren Mitarbeitern. Alte Mechanismen, die auf Anreizsysteme bauen, müssen hier also frühzeitig durch transparente Strukturen ersetzt werden.

Geeignetheitserklärung statt Protokoll

Es gilt: Je höher die Provisionen ausfallen, desto besser müssen sie begründet werden können. „Der Widerstreit zwischen Provisionshöhe und bestmöglicher Beratung wird nur durch eine saubere Geeignetheitserklärung lösbar sein, bei der möglichst konkret darauf eingegangen wird, warum gerade dieses Produkt empfohlen wird und für den Anleger das geeignetste Produkt darstellt. Hier dürfte zukünftig ein gewisser Rechtfertigungsdruck entstehen“, sagt Rechtsanwalt Boris-Jonas Glameyer.

Das bisherige Beratungsprotokoll wird durch die Geeignetheitserklärung abgelöst. Dafür muss sich der Berater einen umfassenden Überblick über die finanziellen Verhältnisse des Anlegers verschaffen – auch um zu erkennen, welche Verluste er möglicherweise tragen kann. Die Befragungspflicht des Finanzanlagenvermittlers wird also insofern erweitert, dass er neben den bereits bestehenden Merkmalen auch verpflichtet ist, die „Fähigkeit, Verluste zu tragen,“ des Kunden zu erfragen.

Diese Prüfung darf er allerdings nur vornehmen, wenn es sich tatsächlich um eine Finanzanlageberatung und keine -vermittlung handelt. Hier gibt es in der Praxis nicht immer die nötige Trennschärfe, wie Glameyer beobachtet. Dabei unterscheiden sich die Pflichten deutlich voneinander: Vermittlung erbringt, wer einem Anleger ein konkretes Geschäft über die Anschaffung oder über die Veräußerung einer Anlage vorschlägt, also ein Produkt verkaufen will. In der Beratung wird hingegen eine persönliche Empfehlung zur Anschaffung oder Veräußerung eines Produkts gegeben, die auf dessen individuelle Verhältnisse zugeschnitten sein muss. In diesem Fall gehen die Pflichten also deutlich weiter.

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