Fahrraddiebstahl: Weniger Fälle, aber fettere Beute

Anne Hünninghaus Sachwerte Versicherungen Berater

2019 wurden zwar seltener Räder geklaut, der Versicherungsschaden liegt mit 110 Millionen Euro aber auf dem Niveau des Vorjahres. Das liegt daran, dass die Deutschen auf immer wertvollere Gefährte setzen.

2019 wurden weniger aber kostspieligere Räder geklaut als im Vorjahr.

2019 wurden weniger aber kostspieligere Räder geklaut als im Vorjahr. Bild: Adobe Stock/shocky

Der Fahrradhandel gehört zu den heimlichen Gewinnern der Coronakise. Weil viele Menschen zurzeit öffentliche Verkehrsmittel meiden, ist es in den vergangenen Wochen zu einer beliebten Alternative geworden, in die Pedale zu treten. Auch einige Versicherer, wie die Nürnberger Universa, bezuschussen ihren Mitarbeitern neuerdings Leasingräder, um umweltfreundlich und unter Wahrung von Distanz zur Arbeit zu kommen. Insgesamt 4,31 Millionen Fahrräder und E-Bikes wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands im vergangenen Jahr verkauft, das bedeutet ein Wachstum von gut drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einen großen Anteil an der Steigerung haben vor allem teure E-Bikes.

Eine gute Nachricht für Fahrradfans: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der gestohlenen Räder zurückgegangen. Laut der aktuellen Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden 2019 bundesweit 155.000 versicherte Fahrräder geklaut. Das sind 5.000 weniger als im Vorjahr.

Versicherer zahlen durchschnittlich 720 Euro pro Rad

Dass der versicherte Schaden mit rund 110 Millionen Euro dennoch auf dem Niveau von 2018 liegt, lässt sich darauf zurückführen, dass die Beute im Durchschnitt wertvoller geworden ist. Im Schnitt zahlten die Versicherer 720 Euro pro gestohlenem Gefährt - so viel wie nie zuvor (Vorjahr 650 Euro). Zum Vergleich: Vor zehn Jahren betrug die Entschädigung für ein gestohlenes Rad im Schnitt 410 Euro, 2019 waren es 75 Prozent mehr.

Geklaut wurden 2019 wurden laut Polizeilicher Kriminalstatistik insgesamt rund 278.000 - versicherte und nicht versicherte - Fahrräder. Ein Rückgang um rund 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Leipzig und Münster sind Deutschlands Hochburgen, wenn es um Fahrraddiebstähle geht. Laut GDV sind besonders die Stadtstaaten betroffen.

Wann zahlt die Hausratversicherung?

Wird ein Fahrrad aus verschlossenen Abstellräumen, Kellern oder Wohnungen gestohlen, übernimmt die Hausratsversicherung den Schaden. Die meisten Fälle spielen sich aber auf offener Straße ab. Dagegen kann man sich mit einer Zusatzklausel in der Hausratpolice versichern. Von den gut 26 Millionen Hausratversicherungsverträgen schließen laut GDV 47 Prozent eine solche Fahrradklausel ein.

Vorausgesetzt, das Fahrrad wurde durch ein verkehrsübliches Schloss gesichert, ersetzt die Versicherung den Betrag, um ein neues gleichwertiges Rad zu kaufen. Die Höchstentschädigung wird in der Regel auf einen bestimmten Prozentsatz des gesamten versicherten Hausrates festgelegt. Gerade für Besitzer höherwertiger Räder und E-Bikes kann es sich daher lohnen, die Versicherungssumme zu erhöhen oder eine spezielle Fahrradversicherung abzuschließen. Hier sollten Makler in der Beratung ansetzen - gerade bei Radbesitzern aus den Diebstahl-Hotspots.

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